Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.05.2011

13:30 Uhr

Positiv für die Konjunktur

Ökonomen jubeln über Rohstoff-Preisrutsch

VonDietmar Neuerer

Exklusiv Nach Meinung führender Ökonomen in Deutschland besteht wegen des Preisverfalls bei Rohstoffen kein Grund zur Panik. Man solle sich vielmehr freuen, denn die Entwicklung sei gut für die Konjunktur.

Der Aufschwung geht weiter, hatte schon die Bundesregierung prognostiziert. Quelle: dpa

Der Aufschwung geht weiter, hatte schon die Bundesregierung prognostiziert.

DüsseldorfNach Ansicht des Direktors des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, besteht angesichts des jüngsten Preisverfalls bei Rohstoffen kein Grund zur Panik, sondern eher zu verhaltener Freude. "Die Rohstoffpreise waren schon länger spekulativ überhöht und die leichte Abwertung des Euro basiert auf der Fehleinschätzung der Märkte, die EZB würde stärkere Zinsanhebungen vornehmen", sagte Horn Handelsblatt Online. "Sowohl die niedrigeren Rohstoffpreise als auch der etwas niedrigere Euro wirken sich mit Verzögerung leicht positiv auf die europäische Konjunktur aus."

Auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, wies darauf hin, dass der Euro/US-Dollar und der Ölpreis deshalb so stark gesunken seien, "weil sie überkauft und somit anfällig waren für eine Korrektur" waren. "Damit fallen auch angebliche Konjunktursorgen als Erklärung weitgehend aus", sagte Krämer Handelsblatt Online. Denn die deutschen Auftragseingänge seien am Donnerstag vor allem deshalb um vier Prozent gefallen, weil es ungewöhnlich wenige Großaufträge gegeben habe. "Das war ein Sonderfaktor, der Der Trend weist bei den Aufträgen aber weiter nach oben." Das zeige auch die deutsche Industrieproduktion, die im März um 0,7 Prozent zugelegt hatte.

Krämer nahm zugleich die Europäische Zentralbank (EZB) in Schutz. Der Euro war auf 1,4510 Dollar abgestürzt, nachdem die EZB den Leitzins beibehalten hatte und Hinweise auf eine baldige Zinserhöhung ausgeblieben waren. Nur auf den ersten Blick habe EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den Absturz von Euro/US-Dollar und Ölpreis ausgelöst. "Denn er hatte gestern auf das Signalwort Wachsamkeit verzichtet und damit vermieden, bereits für Anfang Juni die nächste Zinserhöhung anzukündigen", so Krämer. Aber die übrigen Äußerungen deuteten darauf hin, dass die EZB ihren Leitzins einen Monat später, also im Juli, anheben dürfte. "Die Pressekonferenz der EZB war also nicht der Grund für die heftigen Marktreaktionen."

Auch der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, reagierte gelassen und sieht ebenfalls keinen Grund, in Konjunkturpessimismus zu verfallen. "An den Rohstoffmärkten bricht sich eine Welle, die neben fundamentalen Argumenten auch durch spekulative Elemente getrieben war", sagte Kater Handelsblatt Online. Rohstoffe blieben eben in einer stark wachsenden Weltwirtschaft knapp und teuer. "Dazu hatten wir in der ersten Jahreshälfte genügend Themen, die etwa die Edelmetalle als sicheren Hafen erschienen ließen: geopolitische Risiken, Naturkatastrophen, Sorgen um die Bonität großer Industriestaaten", erläuterte der Ökonom.

Einige dieser Themen seien abgeflaut. Möglicherweise würden hier und da einige Risikoprämien abgebaut. Dazu seien viele konjunkturelle Frühindikatoren an die Decke gestoßen und hätten sich leicht zurückgebildet. "Aus all diesen Einflüssen lässt sich aber für die Weltwirtschaft noch keine grundsätzlich neue Geschichte gegenüber dem Jahresanfang schreiben", betonte Kater und fügte hinzu: "Die Erholung geht weiter, freuen wir uns derweil über günstigere Rohstoffpreise."

Meilensteine für Silber: Seit 1973

1973

Die Gebrüder Hunt beginnen, groß ins Silbergeschäft einzusteigen.

18. Januar 1980

In Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan steigt der Silberpreis auf ein Rekordhoch von knapp unter 50 Dollar je Feinunze. Bis zum Jahresende ist er wieder auf rund 15 Dollar gefallen.

1988

Die Gebrüder Hunt - Söhne des texanischen Öl-Tycoons Haroldson Lafayette Hunt Jr. - werden wegen versuchter Manipulation des Silbermarktes verurteilt. Sie müssen an ein peruanisches Mineralunternehmen 134 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen. Die Brüder erklären ihren Bankrott.

1997 und 1998

Warren Buffett kauft rund 130 Millionen Feinunzen Silber.

2010

Der Silberpreis steigt um mehr als 80 Prozent und entwickelt sich damit deutlich besser als Gold, was 30 Prozent an Wert gewinnt.

2011

Die Rally setzt sich ungebremst fort. In den ersten vier Monaten steigt der Silberpreis um 55 Prozent und erreicht ein neues Rekordhoch bei 49,75 Dollar je Feinunze.

April 2011

Doch Ende April kommt die plötzliche Wende: Unmittelbar nachdem der Silberpreis den Rekordpreis geknackt hat und über 50 Dollar gestiegen ist, setzt eine scharfe Korrektur ein. Binnen einer Woche stürzt die Notierung um ein Drittel auf 33 Dollar ab. Vielen Anlegern ist die Rally offenbar zu heiß geworden, zudem verschärfen zahlreiche Börsen die Sicherheitsanforderungen für den Handel mit Silber-Kontrakten. Das schreckt Investoren zusätzlich ab.

Juni 2012

Der Silberpreis erreicht Ende Juni mit 26,16 Dollar den tiefsten Stand seit Jahren. Auf diesem Niveau stabilisiert sich der Preis, eine nachhaltige Erholung ist allerdings nicht in Sicht.

31.Dezember 2012

Der Silberpreis notiert am Ende des Jahres 2012 bei 29,10 Dollar. Auf Jahressicht legt Silber um knapp 9,0 Prozent zu. Gold schafft dagegen nur ein Plus von 6,6 Prozent.

Juli 2013

Der Silberpreis fällt bis Ende Juli 2013 um mehr als 35 Prozent auf 19 Dollar. Die massive Geldschwemme der weltweiten Notenbanken treibt die Anleger raus aus den als „sicher" geltenden Edelmetallen.

20. Dezember 2013

Der Silberpreis ist seit August von 24 Dollar auf gut 19 Dollar gefallen. Damit hat er fast wieder die Jahrestiefs erreicht.

Ähnlich äußerte sich Thorsten Proettel, Rohstoff-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Was den Markt stark bewege, sei ein Herdenverhalten der Teilnehmer. "Bei einigen Rohstoffen hat eine Überspekulation stattgefunden, jetzt läuft die Herde in die Gegenrichtung und alle wollen zur gleichen Tür raus", sagte Proettel Handelsblatt Online. Und dieser Trend könne noch eine Weile anhalten.

Rückschläge für die Weltwirtschaft befürchtet der LBBW-Volkswirt aber nicht. "Die Weltkonjunktur befindet sich weiter im Aufwärtstrend, insofern sollte auch die Nachfrage nach Rohstoffen steigen." Die Volatilität im Markt werde noch eine ganze Weile hoch bleiben. "In einigen Monaten wird sich das Geschehen dann aber beruhigen und die Investoren werden wieder stärker darauf schauen, welche Preise fundamental tatsächlich gerechtfertigt sind." Hier würden sich die Notierungen dann mittelfristig einpendeln, so Proettel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×