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11.04.2013

11:52 Uhr

Preisanstieg schwächt sich ab

Strom wird teuer, Tanken billiger

Die Tankfüllung ist günstiger als vor einem Jahr, das Heizöl auch. Das dämpft den Anstieg der Verbraucherpreise – auch wenn Konsumenten für einige andere Produkte deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen.

Ausnahmsweise gute Nachrichten von der Tankstelle: Im Schnitt sind die Preise gefallen. dpa

Ausnahmsweise gute Nachrichten von der Tankstelle: Im Schnitt sind die Preise gefallen.

WiesbadenDie jährliche Inflationsrate in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2010 gesunken. Im März stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit und bestätigte damit vorläufige Zahlen.

Seit Jahresbeginn ist die Teuerung drei Mal in Folge gesunken: Die Abschaffung der Praxisgebühr dämpft den Anstieg der Lebenshaltungskosten, zudem sind Kraftstoffe (minus 6,7 Prozent) und Heizöl (minus 6,2 Prozent) deutlich billiger als vor einem Jahr. Im Februar lag der Anstieg noch bei 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, im Januar bei 1,7 Prozent.

Die größten Inflationsrisiken für Deutschland

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Hingegen zogen die Strompreise um 12,4 Prozent kräftig an. Die Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage war zum Jahresbeginn um fast 50 Prozent erhöht worden. Auch Lebensmittel haben sich im März binnen Jahresfrist verteuert: Die Preise waren im Schnitt um 3,7 Prozent höher - für Obst musste sogar 9,7 Prozent mehr bezahlt werden. Bohnenkaffee verbilligte sich hingegen um 5,3 Prozent zum Vorjahr.

Im Vergleich zum Vormonat erhöhten sich die Verbraucherpreise im März um 0,5 Prozent. Saisonbedingt kletterten etwa die Preise für Pauschalreisen (plus 5,6 Prozent) und Flugtickets (plus 3,3 Prozent) deutlich.

Statistik: Inflation in Euro-Zone auf tiefstem Stand seit 2010

Statistik

Inflation in Euro-Zone auf tiefstem Stand seit 2010

Die Inflation in der Euro-Zone ist auf einem Rekordtief.

Beim Gemüse (plus 4,3 Prozent) verteuerten sich insbesondere Kartoffeln (plus 10,4 Prozent). Billiger wurde Energie (minus 1,4 Prozent), vor allem die Preise für Mineralölprodukte (minus 3,3 Prozent) gaben nach.

Der für europäische Zwecke berechnete Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland lag im März 2013 um 1,8 Prozent über dem Stand von März 2012. Damit ist die jährliche Teuerungsrate in Deutschland erstmals seit Juli 2011 höher als im Euroraum insgesamt: Das Europäische Statistikamt Eurostat ging für März in einer ersten Schätzung von einer jährlichen Inflationsrate von 1,7 Prozent aus - 0,3 Prozentpunkte mehr als in Deutschland. Die EZB peilt mittelfristig eine jährliche Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an.

Von

dpa

Kommentare (27)

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RolliGollum

11.04.2013, 11:45 Uhr

Wer glaubt diesen geschönten,gelogenen Statistiken ??
Die Inflation liegt ungefähr bei 8 %
Die richtige GELDENTWERTUNG kommt bald über Nacht.....

Michael

11.04.2013, 11:50 Uhr

"Die Tankfüllung ist günstiger als vor einem Jahr"

Nicht richtig. Mit kurzen, grossen Preis-hochs im Verlauf des Jahres (Schwankungen zwischen 1,51 und 1,70€) ist nun, genau heute, wie auch seit Ende der Oster-Preise am Montag, exakt der gleiche Preis wie letztes Jahr. Bei allen Tankstellen im Umkreis (ca. 10, davon sind 2 sogar teurer als letztes Jahr).

"das Heizöl für die warme Wohnung auch"

Kurze Suche bei Google ergibt auch hier einen Verlauf der Preise, der sagt, dass heute, am 11.4.2013, ziemlich genau der gleiche Preis wie letztes Jahr um diese Zeit anliegt. Da war er allerdings auf einem, für etwa einen Monat anhaltenden Abwärtskurs. Wie das dieses Jahr wird, weiss ich nicht.

Aber sicherlich ist hier der einzige teure Ort in ganz Deutschland.

Kleinfeldt

11.04.2013, 11:51 Uhr

Anleger sollten weiter Wachsam sein. Nicht nur die Einlagen in Südeuropa sind in Gefahr!

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