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02.06.2015

14:25 Uhr

Preise in Euro-Zone ziehen an

Endlich wieder Inflation

Erstmals in diesem Jahr ziehen die Preise in der Euro-Zone an. Die Europäische Zentralbank hatte sich mit einem massiven Ankaufprogramm für Staatsanleihen gegen fallende Preise gestemmt. Die Strategie scheint aufzugehen.

Nach einer Stagnation im April sind die Preise in der Euro-Zone im Mai wieder leicht gestiegen. dpa

Preise steigen

Nach einer Stagnation im April sind die Preise in der Euro-Zone im Mai wieder leicht gestiegen.

BrüsselWenige Wochen nach dem Öffnen der Geldschleusen durch die EZB ziehen die Preise in der Euro-Zone wieder an. Die Inflationsrate lag im Mai bei 0,3 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag bekanntgab. Damit ist der Anstieg einen Tick höher als von Fachleuten erwartet. Noch im April hatten die Preise stagniert, nachdem sie zuvor vier Monate in Folge gefallen waren.

Dies hatte die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Plan gerufen, die seit März mit einem massiven Ankaufprogramm für Staatsanleihen die Inflation anheizen will. Am Dienstag purzelten die Kurse vieler europäischer Staatsanleihen. Damit soll verhindert werden, dass es zu einem deflationären Preisrutsch auf breiter Front kommt, der eine Wirtschaft lähmen kann. Auf der am Mittwoch anstehenden EZB-Ratssitzung in Frankfurt dürften die jüngsten Daten daher für entspanntere Mienen bei den Währungshütern sorgen.

Inflation: Fragen und Antworten

Warum sinken die Preise?

Hauptgrund ist der Absturz der Rohölpreise. Der Schmierstoff der globalen Wirtschaft verbilligte sich an den Weltmärkten seit vergangenem Sommer um gut die Hälfte. Das drückt die Preise für Heizöl und Kraftstoffe. Und weil die Ausgaben für Energie nach Mieten der größte Einzelposten im Haushaltsbudget der Deutschen sind, lässt das die Inflationsrate insgesamt sinken. Wie groß der Einfluss ist, belegen aktuelle Berechnungen des Bundesamtes: Würden Nahrungsmittel und Energie nicht berücksichtigt, hätten die Verbraucherpreise im Januar um 1,1 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. Einschließlich beider Posten ergab sich eine Rate von minus 0,4 Prozent.

Was ist schlecht an sinkenden Preisen?

Aus Verbrauchersicht zunächst einmal gar nichts. Die Heizölpreise fielen von mehr als 83 Euro im Juni 2014 auf weniger als 60 Euro zum Jahresende (bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer). Und an mancher Tankstelle in Deutschland bekamen Autofahrer Mitte Januar den Liter Diesel zeitweise für unter einen Euro – erstmals seit März 2009. Der Preisrückgang bei Heizöl und Kraftstoffen wäre hierzulande sogar noch deutlicher ausgefallen, wenn der Euro im Vergleich zum Dollar nicht so stark nachgegeben hätte. Wer beim Tanken und Heizen spart, kann tendenziell mehr Geld für andere Dinge ausgeben. Die Kauflust scheint groß: Die Konsumlaune der Deutschen ist nach Zahlen der Nürnberger GfK auf einem 13-Jahres-Hoch. Zusätzlicher Treiber ist das für Sparer extrem unattraktive Zinsumfeld: Geldanlegen lohnt kaum.

Warnung vor sinkenden Preisen?

Die Gefahr ist, dass Preise über einen längeren Zeitraum quer durch alle Warengruppen fallen. Volkswirte nennen das Deflation. Kommt es zu einer solchen Entwicklung, kann das ganze Volkswirtschaften lähmen: Verbraucher und Unternehmen könnten angesichts sinkender Preise Anschaffungen und Investitionen aufschieben – schließlich könnte es ja bald noch billiger werden. Wer etwas verkaufen will, könnte sich zu Preissenkungen gezwungen sehen. Das lässt die Gewinne der Unternehmen sinken und verkleinert Spielräume für Investitionen. Einzelne Werke sind eventuell nicht mehr ausgelastet. Kurzarbeit, Entlassungen oder gar die Schließung ganzer Standorte können Folgen sein. Mehr Arbeitslose, weniger Konsum, weniger Steuereinnahmen – rutscht eine Volkswirtschaft in eine Deflation, verringert sich die gesamte Wirtschaftsleistung zunehmend. Es droht eine Abwärtsspirale.

Deflation im Euroraum?

Die meisten Ökonomen sehen aktuell keine Gefahr und verweisen auf das große Gewicht der sinkenden Energiepreise. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat wiederholt bekräftigt, er sehe keine Abwärtsspirale aus negativen Inflationsraten, Rückgängen der Wirtschaftsleistung und Lohnsenkungen. Vor einer Woche betonte Weidmann, das niedrige Niveau der Teuerung erkläre sich vor allem durch den kräftigen Rückgang der Energiepreise: „Das sollte nicht verwechselt werden mit einer sich selbst verstärkenden Deflation und ihren negativen Folgen. Das Risiko einer Deflation auf breiter Front ist weiterhin sehr begrenzt.“

Sind sinkende Ölpreise gut für die Konjunktur?

In der Tat. Weidmann betont: Die niedrigeren Ölpreise seien wie ein „kleines Konjunkturprogramm“ für den Euroraum, weil Verbraucher wie Unternehmen weniger für den wichtigen Rohstoff bezahlen müssen. Unter anderem wegen dieser Ölpreis-Effekte hat die Bundesregierung ihre Konjunkturprognose für Deutschland für das laufende Jahr gerade erst von 1,3 Prozent auf 1,5 Prozent angehoben. Auch die EU-Kommission ist überzeugt: Der Absturz der Ölpreise und der schwache Euro werden den Euroländern 2015 mehr Wachstum bescheren als zunächst erwartet. Brüssel rechnet für das laufende Jahr in der Eurozone mit einem Plus von 1,3 Prozent statt der zunächst vorhergesagten 1,1 Prozent.

Mehr Wachstum, mehr Inflation?

In der Regel ja. Außerdem sollte die Geldflut der Europäische Zentralbank (EZB) sich bemerkbar machen. Die Notenbank hat im Januar angekündigt, in großem Stil Staatsanleihen zu kaufen. Von März 2015 bis mindestens September 2016 sollen auf diesem Weg mehr als 1,1 Billionen Euro in die Wirtschaft gepumpt werden. Ein Ziel: Die Teuerungsrate wieder in Richtung des EZB-Ziels von knapp unter 2,0 Prozent zu treiben. Bei diesem Wert sieht die EZB Preisstabilität gewahrt. Das ist aus Sicht der Währungshüter ausreichend weit von Nullmarke und Deflation entfernt.

Wie geht es weiter?

Die EU-Kommission geht davon aus, dass die Inflation ab Mitte 2015 allmählich wieder steigen wird. Für die Europäische Union erwartet die Behörde für das laufende Jahr eine Rate von 0,2 Prozent, 2016 dann 1,4 Prozent. Für den Euroraum wird für 2015 eine negative Teuerungsrate von minus 0,1 Prozent vorhergesagt, für 2016 dann 1,3 Prozent. Von einer Deflation spricht Brüssel explizit nicht.

„Die Deflationsgefahr scheint gebannt“, sagte der Ökonom Heiko Peters von der Deutschen Bank. Zwar könne es beim Ölpreis immer zu Schwankungen kommen. Es spreche aber auch wegen der zuletzt kräftigen Lohnzuwächse in Deutschland derzeit nichts dafür, dass die Preise nochmals ins Rutschen gerieten. Die EZB strebt mittelfristig Teuerungsraten von knapp unter zwei Prozent an. Mit dem auf über eine Billion Euro veranschlagten Ankaufprogramm wollen die Währungshüter dafür sorgen, dass Banken weniger in Staatsanleihen investieren und stattdessen mehr Kredite vergeben. Dadurch soll letztlich das Preisniveau steigen. Die jüngsten Inflationsdaten bedeuten für die EZB zwar einen Etappensieg, aber sie ist noch lange nicht am Ziel.

Staatspapiere: Anleger fliehen aus Bundesanleihen

Staatspapiere

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Für Finanzminister Wolfgang Schäuble wird das Schuldenmachen teurer. Die Inflation in der Euro-Zone zieht an, das lässt Anleger am Dienstag aus Bundespapieren flüchten. Die Kurse purzeln, die Zinsen ziehen kräftig an.

Hauptgrund für die derzeit niedrigen Lebenshaltungskosten ist der Ölpreis. So kostete Energie im Mai durchschnittlich fünf Prozent weniger als vor einem Jahr. Ohne Energie lag die Inflationsrate deutlich höher - bei 1,0 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich zum Vorjahr um 1,3 Prozent. Auch die Preise für Nahrungsmittel zogen an, und zwar um 1,2 Prozent. „Hier dürften sich allmählich die Auswirkungen der kräftigen Abwertung des Euro seit dem letzten Herbst zeigen“, sagte Postbank-Experte Heinrich Bayer. Importierte Lebensmittel aus Übersee wie Kaffee verteuerten sich, da der Euro zum Dollar an Wert verloren hat.

Von

rtr

Kommentare (10)

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Herr Jordache Gehrli

02.06.2015, 14:46 Uhr

Yippi.....endlich haben wir wieder Geldentwertung.... :-) ;-)

Herr Rainer Feiden

02.06.2015, 14:59 Uhr

genau!
Der Bürger darf sich über die entrfachte Inflation nur freuen. Und er wals Political-Correct-Musterbürger durchgehen will, der MUSS es sogar!

:-D :-D

Account gelöscht!

02.06.2015, 15:18 Uhr

So ein Verarsche der Völker in EU-Deutschland. Die Inflation war schon IMMER da und das nicht zu knapp. Mieten, Strom, die Preise der Öffentlichen Verkehrsmittel sind seit Jahren weiter und weiter gestiegen und haben damit die Inflation getrieben. Und die Energiewende = sozialistisch-grüne EEG wird diese Inflation bei den Mieten, bei der Energie und bei allen anderen Lebenshaltungskosten weiter und weiter antreiben.

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