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14.01.2011

09:32 Uhr

Preisstabilität in Gefahr

In Deutschland keimt die Inflation auf

VonNorbert Häring, Dirk Heilmann, Dorit Marschall

Das starke Wachstum der deutschen Wirtschaft heizt die Teuerung im größten EU-Land an, die steigenden Rohstoffpreise springen auf die Verbraucherpreise über. Die EZB steckt in der Klemme: Sie müsste die Zinsen anheben, kann es aber noch nicht.

Die deutschen Großhandelspreise etwa sind 2010 in Deutschland so stark gestiegen wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. dpa

Die deutschen Großhandelspreise etwa sind 2010 in Deutschland so stark gestiegen wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Deutschland droht seine Rolle als Europameister der Preisstabilität einzubüßen. Ökonomen sagen voraus, dass die deutsche Inflationsrate bald über dem Durchschnitt der Euro-Zone liegen wird. Bisher lag sie stets darunter. Das verstärkt das Dilemma für die Europäische Zentralbank: Der Leitzins von einem Prozent ist schon jetzt für das wirtschaftliche Schwergewicht der Währungsunion mit zuletzt 3,6 Prozent Wachstum niedrig. Steigt in Deutschland auch noch die Inflation stärker als anderswo, verstärkt sich das Ungleichgewicht.

Im Dezember lag die deutsche Inflationsrate mit 1,7 Prozent noch unter der der Euro-Zone von 2,2 Prozent. Das entspricht dem langfristigen Trend: Seit Einführung des Euros betrug die durchschnittliche Inflationsrate laut EZB in der Währungsunion 1,8 Prozent und in Deutschland 1,5 Prozent. Das werde auch im Laufe dieses Jahres so bleiben, sagen Volkswirte. Doch danach zeichne sich eine Trendumkehr ab.

„Die Schlüsselfrage ist nun, wie stark sich der Anstieg der Rohstoffpreise in den Verbraucherpreisen niederschlägt“, sagt Volkswirt Nick Matthews von der britischen Bank RBS. Der Handelsblatt-RBS-Inflation-Live-Index, den Matthews und sein Team für diese Zeitung berechnen, sagt voraus, dass die Euro-Inflationsrate bis auf 2,5 Prozent im Februar steigt und sich anschließend bei rund zwei Prozent einpendelt.

„Das Inflationsumfeld in Deutschland hat sich gewandelt“, sagt Stefan Schilbe, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus. Auf Sicht von zwei Jahren sei es gut möglich, dass die Verbraucherpreise in Deutschland stärker anzögen als im Durchschnitt der Euro-Zone. Die Arbeitnehmer hätten immer bessere Chancen, deutliche Lohnsteigerungen durchzusetzen, und die Unternehmen könnten leichter als im vergangenen Jahrzehnt Preissteigerungen durchsetzen.

Einen Vorgeschmack darauf gaben die gestern veröffentlichten deutschen Großhandelspreise. Sie sind 2010 in Deutschland so stark gestiegen wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Um 5,9 Prozent kletterten sie im Jahr 2010. Im Januar lagen die Großhandelspreise erst um 1,9 Prozent höher als vor Jahresfrist, im Dezember waren es schon 9,5 Prozent. Tendenz: weiter steigend.

Kommentare (4)

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Proletariat

14.01.2011, 12:32 Uhr

Das finde ich richtig klasse, wie man hier Woche für Woche neu verarscht wird!
brauche ich einen Kleinkredit, dann kann ich zusetzlich zur inflation auch höhere Zinsen berappen.
Erst nimmt man mir undemokratisch meine harte Währung die D-Mark, dann wird mein Lohn über Jahre eingefroren/stagniert, der Verkauf meiner Arbeitskraft wird durch hochprofitable Leiharbeits-Menschenhändler halbiert und die Sozialabsicherungen/Renten weiter gekürzt.
im Alter entstehende Krankheitskosten, sind als Kassenversicherter bald nicht mehr bezahlbar, danke an Herrn Rösler für die Zweiklassenmedizin ala FDP!
Jetzt soll ich mit meinem Steuerabgaben die Europäische Union und den Euro retten, über welche ich nie demokratisch abstimmen konnte. Freunde der Sonne, seid ihr eigentlich noch bei Trost?
ich habe die Schnauze Unterlippe Oberkante sowas von voll. Leckt mich zukünftig kreuzweise am Arsch!

AJ

14.01.2011, 13:32 Uhr

irgendwie weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Die Teuerungsrate, die uns Otto-Normal-bürger zu schaffen macht liegt "amtlich" bei 1,7%. Unsere Teuerungsrate -errechnet anhand eines personifizierten Warenkorbes- liegt bei 5%. Für 2011 rechne ich mit ca. 7-10%. Es ist für mich als kleiner Verbraucher nicht nachvollziehbar, wieso die offiziellen Zahlen so stark abweichen. Jeder, der sich die Preissteigerungen bei Lebensmitteln, bus+bahn, Versicherungen, Gas+Strom, benzin+Kraftstoff, bei den Krankenkassen, bei den Abgaben+Gebühren, Mieten+Nebenkosten, etc. ansieht, kommt auf ganz andere Zahlen.
Mittlerweile bin ich davon überzeugt, daß die bevölkerung mit der Veröffentlichung der amtlichen inflationsrate jeden Monat nur ruhig gestellt werden soll. Mal sehen, wie lange der Glaube an die "offiziellen" Zahlen noch anhält?

Und nu?

14.01.2011, 13:45 Uhr

@ Proletariat:

Die Zustandsbeschreibung kann ich soweit nachvollziehen. Aber was heisst denn "Leckt mich zukünftig kreuzweise am Arsch!" ??

- gründen Sie die Anti-Euro-Partei?
- organisieren Sie eine Demo (vielleicht Montagsdemo?)
- verbrennen Sie sich öffentlich wie ein burmesischer Mönch?
- treten Sie in Hungerstreik?
- kehren Sie Deutschland den Rücken?
- Klagen Sie vor dem Verfassungsgericht?

Was genau ist die Konsequenz aus dem Frust? Das würde mich ehrlich interessieren, denn ein "Leckt mich am Arsch" perlt an Merkel/Schäuble und Co. ab wie nichts.
So lange die Politik konsequenzenlos die monierten Entscheidugen treffen kann, wird sie das auch tun. im Namen unser aller Wohlstand, versteht sich.

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