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28.03.2014

11:52 Uhr

Preisverfall

Spanien rutscht überraschend in die Deflation

Die Teuerungsrate in Spanien liegt erstmals seit 2009 unter der Nulllinie. Das könnte fatale Folgen für die Wirtschaft haben. Weitet sich die Deflation aus, könnte sich die EZB zum Eingreifen gezwungen sehen.

Passanten auf der Calle Preciados, der Einkaufsstraße schlechthin in Madrid: Die Preise fallen. dpa

Passanten auf der Calle Preciados, der Einkaufsstraße schlechthin in Madrid: Die Preise fallen.

MadridSpanien ist überraschend in die Deflation geraten: Im März sanken die Verbraucherpreise erstmals seit Oktober 2009 auf Jahressicht. Die für europäische Vergleichszwecke harmonisierte Teuerungsrate fiel im März auf minus 0,2 Prozent von plus 0,1 Prozent im Vormonat, wie aus einer ersten Schätzung der nationalen Statistikbehörde vom Freitag hervorgeht. Der Preisverfall schürt damit neue Furcht vor einer Deflation in der gesamten Euro-Zone. Unternehmen könnten dringend notwendige Investitionen aufschieben und damit den Konsum abwürgen.

Sollten die Deflationssorgen weiter wachsen, könnte die Europäische Zentralbank (EZB) eingreifen und die Zinsen weiter leicht senken. Sie kommt am Donnerstag zu ihrer Ratssitzung zusammen, für die Experten allerdings keine weitere Senkung des historisch niedrigen Leitzins-Niveaus von 0,25 Prozent erwarten.

Was darf die EZB und was nicht?

Preisstabilität

„Vorrangiges Ziel“ der Europäischen Zentralbank ist gemäß der Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank, „die Preisstabilität zu gewährleisten“. Zudem soll sie „die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union“ unterstützen, „soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist“.

Staatsfinanzierung

Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse erlauben die EU-Verträge nicht. Ausdrücklich verboten wird unter anderem „der unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln“ – also Anleihen etwa von Staaten – durch die EZB oder die nationalen Zentralbanken.

Unabhängigkeit

Betont wird überdies die Unabhängigkeit der Zentralbank. Die Politik wird verpflichtet, „diesen Grundsatz zu beachten und nicht zu versuchen, die Mitglieder der Beschlussorgane der Europäischen Zentralbank oder der nationalen Zentralbanken bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu beeinflussen“.

Die am Montag anstehende Inflationsrate des Euro-Raums dürfte die Alarmsirenen bei der EZB schrillen lassen. Experten rechnen mit einer Teuerungsrate von nur noch 0,6 Prozent, womit das Ziel der EZB von knapp zwei Prozent sehr weit verfehlt wird. EZB-Chef Mario Draghi sieht den Euro-Raum vor einer längeren Phase niedriger Inflation, befürchtet jedoch keinen Preisverfall auf breiter Front. Eine solche deflationäre Spirale kann die Wirtschaft lähmen, da Verbraucher und Firmen in Erwartungen fallender Preise Konsum- und Investitionsentscheidungen immer weiter aufschieben.

In Spanien, der viertgrößten Volkswirtschaft im Euro-Raum sind die Preise schon länger extrem niedrig. Seit September liegt die Inflation bei 0,5 Prozent oder gar darunter. Die Statistiker nennen als Hauptursache für den Verfall der Preise in Spanien, dass sich die Kosten für Nahrungsmittel und Getränke verringert haben. Zudem fiel das zumeist mit Preissteigerungen im Touristikgeschäft verbundene Osterfest voriges Jahr in den März, was zu statistischen Verzerrungen führt. Dieses Jahr ist Ostern im April.

Erst vergangenen Monat hatte die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit Spaniens angehoben und dies mit der Reformpolitik des südeuropäischen Landes begründet. Die Bonitätswächter erhöhten die Note um eine Stufe von bisher „Baa3“ auf „Baa2“. Nach der Heraufstufung liegt die Note Spaniens zwei Stufen über dem sogenannten Ramschniveau, mit dem Ratingagenturen spekulative Anlagen kennzeichnen.

Spanien hatte ein Hilfsprogramm der EU erhalten, aus dem rund 40 Milliarden Euro zur Sanierung des Bankensystems abgerufen worden waren.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

28.03.2014, 11:59 Uhr

Wen überrascht das wirklich ??

die Zeiten wandeln sich und wenn die Entscheider von NWO und der EU nicht aufpassen, dann wird die russische Mega Waffe auch dort zuschlagen

### Volksbefragung ####

Account gelöscht!

28.03.2014, 12:02 Uhr

"könnte die EZB eingreifen und die Zinsen weiter leicht senken."
Wohin sollen die Zinsen denn gesenkt werden? Vielleicht kommt es ja auch hier künftig zur Zinsumkehr, so dass Kreditnehmer Zinsen dafür erhalten, dass Sie Kredit aufnehmen. Immerhin zahlen Anleger ja schon dafür, dass sie durch Kauf von Bundesanleihen Geld anlegen dürfen.# Ds sollten die Kreditnehmer doch nicht schlechter stehen, oder??

Account gelöscht!

28.03.2014, 12:18 Uhr

Was soll denn das? Selbstverständlich müssen deflationäre Prozesse die spanische Volkswirtschaft wieder wettbewerbsfähig machen.
Das ist das widerliche Getrommel für QE ohne Ende für die Südeuropäer. Bis der letzte Cent in Deutschland verbrannt ist. Und Schäuble wird dann klatschen und die Deutschen fragen: "Die Verwörer behaupten, dass die Deutschen euromüde seien. Und deshalb frage ich Euch: Wollt Ihr den totalen €? Wollt Ihr ihn radikaler und totaler, als Ihr Euch ihn heute überhaupt vorstellen könnt? Wollt Ihr endlich die Vereinigten Staaten von Europa? Wollt Ihr endlich den Eurosieg in der Großmacht VSE?" Das ist dann die große Krise...
Ich sage: Volk, steh auf. Und zwar JETZT! Weg mit dem Euro. Weg mit dieser widerlichen EU! Weg mit den Blockparteien (inkl. AfD)!

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