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03.01.2008

10:21 Uhr

Privater Konsum

DIW legt optimistische Konjunkturprognose vor

Die wichtigste Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung: Dank einer deutlichen Erholung des privaten Konsums dürfte die konjunkturelle Abschwächung im neuen Jahr in Deutschland geringer ausfallen als erwartet. Mit einem geschätzten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 2,1 Prozent blicken die Ökonomen am optimistischsten in die Zukunft.

doh FRANKFURT. Davon geht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in seiner gestern vorgelegten Konjunkturprognose aus. Das Institut für Weltwirtschaft, das Ifo-Institut, das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung sowie die Bundesbank hatten im Dezember ihre Wachstumsprognosen auf unter zwei Prozent gesenkt.

Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) wies erneut darauf hin, dass die Bundesregierung ihre im Oktober genannte Prognose von 2,0 Prozent senken werde. Ihre aktualisierte Prognose legt die Bundesregierung am 23. Januar vor. Anders als das DIW, das eine Verschärfung der von den USA ausgehenden Finanz- und Immobilienkrise derzeit für "nicht wahrscheinlich" hält, gab sich Glos skeptischer: "Es gibt - bildlich gesprochen - noch viele unentdeckte Leichen in den Kellern der internationalen Banken", sagte er der "Bild"-Zeitung. Eine große Gefahr sei, dass die Weltwirtschaft und der Export litten und sich hierzulande die Kredite für mittelständische Firmen verteuerten.

Der durch die Kreditkrise in einigen Ländern geschwächten Exportwirtschaft wird nach Einschätzung des DIW aber beispielsweise in China und Indien die Binnenkonjunktur entgegenwirken. Auch in Deutschland werde die Binnennachfrage 2008 einen wichtigen Beitrag leisten. Speziell der private Verbrauch werde 2008 "zur wichtigsten Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung", schreibt das DIW. Nachdem er im vergangenen Jahr noch um 0,2 Prozent gesunken war, rechnet das Berliner Institut 2008 mit einem Zuwachs von 2,1 Prozent - das wäre der höchste seit dem Jahr 2000.

Der Außenhandel wirke aufgrund des zuletzt sich etwas ungünstiger entwickelnden weltwirtschaftlichen Umfelds dagegen vorübergehend "leicht bremsend auf die konjunkturelle Entwicklung". Einem negativen Wachstumsbeitrag des Außenhandels von 0,3 Punkten im Jahr 2008 stehe aber bereits 2009 eine neutrale Wirkung auf das Wachstum in Deutschland gegenüber. "Diese Verschiebung in den Wachstumskräften war bereits im Jahr 2006 angelegt, konnte sich aber wegen der Mehrwertsteuererhöhung nicht entfalten."

Für den Konsumanstieg macht das DIW allerdings vor allem einen statistischen Basiseffekt von 0,8 Prozentpunkten verantwortlich - weil das sehr schwache erste Halbjahr 2007 rein rechnerisch positiv nachwirke. "Daher kann von einem Konsumboom keine Rede sein", schreiben die Ökonomen. Nach der Unterbrechung durch die Mehrwertsteuererhöhung machten sich nun typische Auftriebskräfte in einem Konjunkturboom bemerkbar. Neben dem wenn auch abgeschwächten Beschäftigungsaufbau stiegen nun die real verfügbaren Einkommen. Und anders als im bisherigen Verlauf des Aufschwungs sei 2008 erstmals auch mit einem Zuwachs bei den real verfügbaren Löhnen je Arbeitnehmer zu rechnen. Im kommenden Jahr, wenn keine statistischen Sondereffekte mehr wirkten, seien vom Beschäftigungsaufbau aber nur noch geringere Impulse auf den privaten Verbrauch zu erwarten.

Die DIW -Ökonomen gehen in ihrer Prognose von einem Ölpreis in Höhe von 90 US-Dollar pro Barrel, einem EZB -Leitzins von vier Prozent und einem Euro-Wechselkurs von 1,50 US-Dollar/Euro aus.

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