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19.12.2014

09:41 Uhr

Privater Konsum

Kauflaune der Deutschen auf Acht-Jahres-Hoch

Die Deutschen erwarten eine bessere Konjunktur und wollen mehr Geld für größere Anschaffungen ausgeben. Der Konsum bleibt damit eine wichtige Stütze der Wirtschaft. Für die Gehälter sieht es jedoch nicht so rosig aus.

Eine Frau geht in Hamburg mit einer weihnachtlichen Einkaufstüte durch die Innenstadt. Die Deutschen haben so viel Lust auf Geldausgeben wie seit acht Jahren nicht mehr. dpa

Eine Frau geht in Hamburg mit einer weihnachtlichen Einkaufstüte durch die Innenstadt. Die Deutschen haben so viel Lust auf Geldausgeben wie seit acht Jahren nicht mehr.

BerlinDie Kauflaune der Deutschen ist dank sinkender Energiepreise so gut wie seit acht Jahren nicht mehr. Das GfK-Konsumklimabarometer für Januar kletterte um 0,3 auf 9,0 Punkte, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten lediglich 8,8 Zähler erwartet. Die Deutschen erwarten eine bessere Konjunktur und wollen mehr Geld für größere Anschaffungen ausgeben, sehen ihre Einkommensentwicklung aber etwas weniger rosig. „Der private Konsum wird demnach auch im kommenden Jahr eine wichtige Rolle für den prognostizierten Aufschwung der deutschen Wirtschaft spielen“, fasste GfK-Experte Rolf Bürkl die bundesweite Umfrage unter Verbrauchern zusammen.

Diese wollen erneut mehr Geld für teure Anschaffungen wie Möbel locker machen. „Derzeit profitiert die Konsumneigung von den einbrechenden Energiepreisen. Heizöl und Benzin sind deutlich billiger geworden“, sagte Bürkl. „Dies verschafft den privaten Haushalten deutlichen Spielraum für andere Anschaffungen. Das ist gerade im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft eine gute Nachricht für den Handel.“ Hinzu komme, dass historisch niedrige Zinsen nicht zum Sparen verführten. „Die Sparneigung ist auf ein neues historisches Tief abgestürzt.“

Niedrige Inflation: Fluch oder Segen?

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Bei stabilen Preisen bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Das stützt den Konsum. Inflation steht hingegen für Geldentwertung: Bei steigenden Preisen können sich alle, die längerfristig gleichbleibende Einkommen beziehen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen, immer weniger von ihrem Geld kaufen. Auch für Menschen mit Geldvermögen und Sparer ist Inflation schlecht, weil sie am realen Wert des Vermögens knabbert.

Wie weit ist die Notenbank von ihrem Preisziel entfernt?

Das Statistische Bundesamt errechnete für September auf Jahressicht vorläufig einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8 Prozent. Im Euroraum fiel die Inflation im September sogar auf 0,3 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Insgesamt habe die EZB das Versprechen einer stabilen Währung aber eingehalten, betonte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst am Montag: „In den ersten Fünfzehneinhalb Jahren nach der Euro-Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 2,0 Prozent und damit grosso modo im Einklang mit dem Stabilitätsziel des EZB-Rats.“

Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will die Notenbank ein Abrutschen in eine Deflation verhindern, also einen Preisverfall auf breiter Front. Denn in Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet. Zudem hat EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass der sehr geringe Preisauftrieb schlecht ist für Schuldner: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.

Wie entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel?

Nach den vorläufigen Zahlen der Statistiker kosteten Nahrungsmittel im September 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seither haben aber Discounter und Supermärkte eine neue Welle für Preissenkungen eingeläutet: So hatte Deutschlands Discount-Marktführer Aldi Anfang Oktober die Preise für Käse-Produkte wie Aufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse oder Sahneprodukte zum Teil um mehr als 13 Prozent gesenkt. Der Billiganbieter begründete den Schritt mit gesunkenen Rohstoffpreisen. Seit Monatsmitte sind auch Pommes frites und Zucker billiger.

Was sind die Gründe für die niedrige Teuerung?

Insbesondere weltweit sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflation gedrückt. Zwischenzeitlich verbilligte zudem der starke Euro importierte Waren. Inzwischen hat die EZB eingegriffen und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Zwar führe der Rückgang des Ölpreises auch an den Zapfsäulen weiter zu sinkenden Preisen, erklärt der ADAC: Allerdings werde dieser Effekt auf die Spritpreise durch den schwächeren Euro teilweise aufgefangen. Trotzdem: Sprit wird seit Monaten immer billiger. Nach ADAC-Angaben kostete der Liter Diesel im September durchschnittlich 136,2 Cent. Vor einem Jahr mussten Autofahrer demnach noch 144,0 Cent bezahlen, vor zwei Jahren 152,4 Cent. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds sanken auch die Preise für Heizöl von Januar bis Juli um 5,4 Prozent.

Fünf Monate in Folge befürchteten die Deutschen eine Verschlechterung der Konjunktur - am Jahresende schätzen sie die Aussichten deutlich positiver ein. „Trotz dieser Verbesserung ist die Verunsicherung noch nicht vollständig aus den Köpfen der Konsumenten verschwunden“, warnte Bürkl. Internationale Krisenherde - von Russland bis in den Irak - belasteten nach wie vor die exportabhängige Wirtschaft.

Das lässt viele Beschäftigte um erhoffte Lohnzuwächse bangen: Die Einkommenserwartungen schrumpften. „Gründe sind eher in der anhaltend labilen internationalen Lage zu suchen als bei den inländischen Rahmenbedingungen“, sagte Bürkl. Denn diese seien angesichts der steigenden Beschäftigung und niedriger Inflation sehr günstig.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr wulff baer

23.12.2014, 10:07 Uhr

Alle Jahre wieder, wird uns der Kaufrausch weisgemacht, der dann im Januar im Minus endet.
Was soll der Quatsch.
Wollt Ihr Euch L-Presse schimpfen lassen?

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