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24.01.2007

10:16 Uhr

Produktivität gesteigert

Deutschland ist besser als der Trend

VonDorit Hess

Die Arbeitsproduktivität in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich, um zwei Prozent, gewachsen. Im Vorjahr hatte sie nur um 1,3 Prozent zugelegt. Das geht aus einer am gestrigen Dienstag vorgelegten Studie des amerikanischen Wirtschaftsforschungsinstituts Conference Board hervor. Insgesamt sei das Produktivitätswachstum in der Europäischen Union und den USA 2006 aber „relativ gering“ ausgefallen, schreiben die US-Ökonomen in ihrer jährlichen Analyse globaler Produktivitätstrends.

DÜSSELDORF. Diese Zahlen haben für die anstehenden Tarifrunden in wichtigen Wirtschaftszweigen in der Bundesrepublik eine hohe Brisanz. Laut der traditionellen Lohnformel der IG Metall etwa bemisst sich der Verteilungsspielraum aus der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktivität sowie der mittelfristigen Inflationsrate. In diesem Jahr dürften die Mehrwertsteuererhöhung sowie die boomende Konjunktur den Gewerkschaften als Argumente in die Hände spielen, diese Formel aufzublähen. Zahlreiche Ökonomen verfolgen die aktuelle Lohndiskussion kritisch.

Ausschlaggebend für den starken Anstieg der Produktivität hier zu Lande ist aus Sicht des Conference Boards vor allem die zyklisch bedingte ökonomische Erholung. „Externe Faktoren“ wie eine verbesserte Exportleistung seien der Hauptgrund für die gesteigerten Produktivitätsgewinne in Deutschland. Der heimische Sektor wie insbesondere die Konsumentennachfrage seien hingegen weiterhin schwach geblieben.

Diese These belegen vorläufige Daten des Statistischen Bundesamtes nur zum Teil. Die Wachstumsraten der Im- und Exporte verdoppelten sich gegenüber 2005 nahezu. Das Inland steuerte mit 1,7 Prozent aber den weitaus größten Anteil zu dem deutlichen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent 2006 bei. Dafür sorgten vor allem die Bruttoanlageinvestitionen, die um mehr als fünf Prozent zulegten. Und der private Konsum steigerte sich nach zwei schwachen Jahren, legte mit 0,6 Prozent aber deutlich weniger zu. Für die Höhe des Wohlstandes einer Nation gilt die langfristige Entwicklung der Arbeitsproduktivität als einer der bedeutendsten ökonomischen Bestimmungsfaktoren. Steigt die Produktivität eines Landes, können Unternehmensgewinne und Einkommen entsprechend wachsen. Seit der zweiten Hälfte der 90er-Jahre hatte sich das Produktivitätswachstum in den USA – anders als in Europa – deutlich beschleunigt.

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