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24.05.2013

11:55 Uhr

Prognose

Experten erwarten Arbeitslosenzahl unter drei Millionen

Langer Winter, stotternder Konjunkturmotor: Die Vorzeichen für einen Frühjahrsaufschwung sind schlecht. Im Mai soll sich das ändern. Die psychologisch wichtige Schwelle von drei Millionen könnte unterschritten werden.

Im Jahresverlauf könnte die Zahl der Erwerbslosen auf 2,77 Millionen sinken. dpa

Im Jahresverlauf könnte die Zahl der Erwerbslosen auf 2,77 Millionen sinken.

NürnbergDie Zahl der Arbeitslosen ist nach Experten-Einschätzung im Mai erstmals wieder unter die Drei-Millionen-Marke gerutscht. Insgesamt seien im zu Ende gehenden Monat bundesweit 2,91 Millionen und Männer ohne Arbeit gewesen, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer dpa-Umfrage unter Berufung auf eigene Berechnungen. Dies wären zwar rund 110 000 Arbeitslose weniger als im April, aber rund 55 000 mehr als vor einem Jahr. Die offizielle Zahl der Arbeitslosen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch (29. Mai) bekanntgeben.

Zuletzt hatte die Zahl der amtlich registrierten Erwerbslosen im Dezember 2012 unter der psychologisch wichtigen Drei-Millionen Marke gelegen. Wegen des langanhaltenden Winters hatte es nach Experteneinschätzung in diesem Jahr zwei Monate länger gedauert, bis der Frühjahrsaufschwung die Arbeitslosenzahl wieder unter die Drei-Millionen Schwelle drückte. Von einer Unterschreitung der Schwelle im Mai war zuletzt auch BA-Chef Frank-Jürgen Weise ausgegangen.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Etwas optimistischer als die meisten seiner Kollegen beurteilt Allianz-Volkswirt Rolf Schneider die Arbeitsmarktentwicklung. „Nach Ostern haben viele Unternehmen neue Arbeitskräfte eingestellt. Vor allem auf dem Bau hat es wegen der dort guten Auftragslage einen Nachholeffekt gegeben“, urteilt er. Ohne diesen Sondereffekte hätte es allerdings im Mai eher einen Stillstand auf dem Arbeitsmarkt gegeben. Konjunkturell sei die Lage für den Arbeitsmarkt noch immer ungünstig.

Ähnlich sieht das auch Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld: „Man muss einfach zur Kenntnis nehmen, dass bei vielen Unternehmen die Begeisterung für Investitionen nicht da ist“, betont der Arbeitsmarktexperte. In vielen Chefetagen sei noch immer die Verunsicherung über die Staatsschuldenkrise groß. Zudem dämpften volkswirtschaftliche Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima die Stimmung. „Auch ist bei vielen Firmen die Auftragslage gedämpft.“

Wie die meisten seiner Kollege rechnet er daher auch für den Rest des Jahres mit einer Stagnation auf dem deutschen Arbeitsmarkt. „Im Juni wird die Zahl saisonbereinigt noch mal steigen, danach werden wir uns bis zum Jahresende an einer Null-Linie entlang bewegen“, prognostiziert er. Etwas zuversichtlicher schätzt Allianz-Volkswirt die weitere Entwicklung ein. Er hält es für wahrscheinlich, dass mit dem Anziehen der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte auch wieder neue Arbeitsplätze entstehen. Dadurch könnte die Zahl der Erwerbslosen im Jahresverlauf bis auf 2,77 Millionen sinken.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

24.05.2013, 12:06 Uhr

Da wir real gesehen bei 6-7 Millionen sind kann ich nur sagen "Armes armes Propaga....ähhhh ich meine Handelsblatt!"

Account gelöscht!

24.05.2013, 12:12 Uhr

Was tut sich denn da hinter dem Rücken der Menschen?
Sämtliche "Experen" werden offenbar aktiviert, die heftigst Schönreden führen.
Die Propaganda funktioniert aber wirklich prima

Gast

24.05.2013, 12:25 Uhr

http://www.handelsblatt.com/politik/international/studie-arbeitslosigkeit-in-eurozone-steigt-2013-weiter/7583052.html

Januar: Hier lese ich eine Prognose, die sagt 'Steigt auf 2,46 Millionen' (erstmals seit 2009)

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/quote-unveraendert-arbeitslosenzahl-steigt-leicht-an/7853830.html

Februar: Hier steht die Arbeitslosenzahl bei 2,917m

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/prognose-forscher-erwarten-in-deutschland-weniger-arbeitslose/7965726.html

März: Arbeitslosenzahlen sollten doch bitte im Laufe des Jahres um 40 000 auf 2,86m sinken.

http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/fruehjahrsprognose-zahl-der-arbeitslosen-geht-weiter-zurueck/8113248.html

April: Hier liegt die Arbeitslosenquote in Jahresdurchschnitt bei 2,9m und steigt laut Prognose um mindestens 200 000

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Allen gemein? Positive Aussichten ab dem Zeitpunkt. Was dann geschah, kann man ja nun ebenfalls leicht nachvollziehen.

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