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21.03.2013

14:40 Uhr

Prognose

Forscher erwarten in Deutschland weniger Arbeitslose

2013 wird die Arbeitslosenquote weiter sinken, prophezeit das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), denn nie zuvor gab es mehr potenzielle Erwerbstätige. Lohndumping sei aber keine Perspektive, heißt es.

Die Arbeitslosenquote in Deutschland wird im vierten Jahr in Folge fallen, prophezeien Forscher. dpa

Die Arbeitslosenquote in Deutschland wird im vierten Jahr in Folge fallen, prophezeien Forscher.

BerlinGegen den Trend in Europa hellen sich die Aussichten für den Arbeitsmarkt in Deutschland nach Einschätzung der Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf. Die Arbeitslosigkeit werde 2013 das vierte Jahr in Folge sinken, erklärte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag in seiner Frühjahrsprognose. Die Forscher erwarten nun einen Rückgang um 40.000 auf 2,86 Millionen Arbeitslose. Im Herbst hatten sie für 2013 noch einen Anstieg in gleicher Höhe vorausgesagt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werde um 320.000 auf 29,31 Millionen und damit auf den höchsten Stand seit 1992 steigen. Den Sozialversicherungen verheißt dies steigende Einnahmen und volle Kassen.

Eine weiterhin hohe Zahl von Zuwanderern aus Ost- und Südeuropa sowie eine steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren wird nach Annahmen des IAB dazu führen, dass 45,47 Millionen Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Das sei ein Rekordwert. Die Zahl der Erwerbstätigen könnte um 230.000 auf 41,84 Millionen zulegen. Fast jeder Siebte davon geht nur einem Mini-Job nach. Ihr Anteil an allen Erwerbstätigen gehe aber seit dem Höchststand 2006 zurück.

Kurzarbeit erklärt

Was ist Kurzarbeit?

Kurzarbeit beschreibt einen geplanten Arbeitsausfall, der Unternehmen von Lohnkosten entlasten soll. Kurzarbeitergeld wird anstelle von Lohn gezahlt. Es gibt drei unterschiedliche Formen: Zum einen saisonale Kurzarbeit bestimmter Branchen, etwa im Winter für das Baugewerbe. Zum anderen gibt es die Transfer-Kurzarbeit (Kurzarbeit Null), die bei betrieblichen Restrukturierungen greift. Die dritte Variante ist die konjunkturelle Kurzarbeit, die infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise von den Unternehmen am häufigsten beantragt wurde.

Wie läuft die Beantragung?

Die Unternehmen müssen geplante Kurzarbeit mit Zustimmung ihres Betriebsrats bei der Bundesagentur für Arbeit anmelden. Bei tarifgebundenen Unternehmen muss die Möglichkeit zur Kurzarbeit im Tarifvertrag geregelt sein. Erst nach einer Genehmigung seitens der Agentur und frühestens vom Monat der Antragstellung an darf in dem jeweiligen Unternehmen weniger gearbeitet werden. Es sind zahlreiche Formen der Arbeitsreduzierung möglich. So können ganze Wochen oder auch einzelne Schichten oder Tage ausfallen.

Was bekommen die Arbeitnehmer?

Die Mitarbeiter erhalten von ihren Arbeitgebern für die tatsächlich gearbeitete Zeit weiterhin Lohn und Gehalt. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt für die ausgefallene Zeit, angelehnt an das Arbeitslosengeld, zusätzlich einen gewissen Prozentsatz des wegfallenden Netto-Entgelts - 60 Prozent bei Kinderlosen, 67 Prozent bei Eltern. Diese Lohnersatzleistung wird nicht versteuert, aber in die Berechnung der Steuerprogression einbezogen. Der Arbeitgeber muss 80 Prozent der kompletten Sozialversicherungsbeiträge abführen.

Was waren die wichtigsten Änderungen aus dem Konjunkturpaket 2009?

Mit dem Jahreswechsel 2009 war die mögliche Höchstförderdauer befristet auf 18 Monate verlängert worden, später dann sogar auf 24 Monate. Die Voraussetzung, dass ein Drittel der Belegschaft betroffen sein muss, entfiel ebenfalls befristet. Der Arbeitsausfall musste nur noch mindestens zehn Prozent betragen. Die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers übernahm die Arbeitsagentur bis zur Hälfte und sogar komplett, wenn in mindestens der Hälfte der unfreiwilligen Freizeit die Mitarbeiter weitergebildet werden.

Das IAB mahnte, weitere Erfolge auf dem Arbeitsmarkt kämen nicht von alleine. Notwendig seien Weiterbildung und Qualifizierung, um etwa die Erwerbsituation von atypisch Beschäftigten zu verbessern. Dazu zählen die Forscher Minijobs, Leiharbeit, befristete Jobs, Teilzeit wie auch Beschäftigte im Niedriglohnbereich. Hier werde neuer Schwung benötigt, sagte IAB-Prognose-Chef Enzo Weber: „Aber diesmal nicht, indem wir billiger werden, sondern indem wir besser werden.“

Die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft

Deutschland in der Wirtschaftskrise

Aus dem Schneider ist Europas größte Volkswirtschaft noch nicht, auch wenn sie mit einem kräftigen Wachstum im ersten Quartal eine Rezession verhindern konnte. Im Gegenteil: Die Risiken ballen sich wie selten zuvor - vor allem von außen droht jede Menge Ungemach.

Schuldenkrise

„Das größte Abwärtsrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland geht nach wie vor von der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum aus, die im Kern noch nicht gelöst ist“, warnen führende Institute in ihrem Gutachten für die Bundesregierung. Schon jetzt lastet die Krise auf der exportabhängigen Wirtschaft: Die Ausfuhren in die Euro-Zone schrumpften im März um 3,6 Prozent, weil Krisenländer wie Spanien und Griechenland wegen der Rezession ihre Importe einschränken. Da 40 Prozent der Ausfuhren in die Währungsunion gehen, spürt Deutschland die Schwäche der Nachbarn deutlich.

Jede Zuspitzung der Schuldenkrise sorgt für Wirbel an den Finanzmärkten. Kann sich ein großes Euro-Land wie Spanien nicht mehr am Kapitalmarkt finanzieren und flüchtet unter die Rettungsschirme EFSF und ESM, würde das einen erneuten Vertrauensverlust auslösen. Unternehmen würden weniger investieren, Verbraucher größere Anschaffungen scheuen. Der Bund ist mit der Beteiligung an den Rettungspaketen enorme Risiken eingegangen. „Im Zuge der Rettungspakete summieren sich die Zusagen auf rund 80 Milliarden Euro“, so die Institute.

Kann etwa Griechenland das Geld nicht zurückzahlen, belastet das den deutschen Staatshaushalt. Eine Herabstufung durch die Ratingagenturen droht dann, was höhere Zinsen zur Folge hätte. Der Spardruck würde steigen, Hauhaltslöcher müssten mit höheren Steuern und Ausgabenkürzungen gestopft werden. Beides würde die Konjunktur belasten.

Inflation

Seit mehr als einem Jahr hält sich die Teuerungsrate in Deutschland über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. Manche Experten befürchten, dass die Preise künftig deutlich schneller steigen könnten - um vier bis fünf Prozent. Das würde die Kaufkraft der Verbraucher erheblich einschränken.

Grund für die Inflationsgefahr: Wegen der guten Konjunktur haben die Arbeitnehmer kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt. Den Unternehmen fällt es angesichts der guten Beschäftigungslage leichter, steigende Lohnkosten an die Verbraucher weiterzureichen - sprich: die Preise für Waren und Dienstleistungen anzuheben. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln. Bei ersten Anzeichen dafür müsste die EZB ihre Zinsen anheben, um Konsum und Investitionen zu drosseln, was die Nachfrage dämpfen und den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird sie ihren Leitzins aber vorerst wohl auf dem Rekordtief von einem Prozent belassen.

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der EZB aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. „Noch bleibt die zusätzliche Liquidität erst einmal im Finanzsektor“, sagt Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. „Doch wenn die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal steigt, kann das sehr schnell in Inflation münden.“

Immobilienblase

Die Preise für deutsche Wohnimmobilien steigen immer schneller. 2011 legten sie mit 5,5 Prozent mehr als doppelt so stark zu wie 2010 mit 2,5 Prozent. „Erstmals seit dem Wiedervereinigungsboom Anfang der neunziger Jahre ist hierzulande somit ein konjunktureller Aufschwung wieder mit einer markanten Preisreaktion auf den Häusermärkten verbunden“, stellt die Bundesbank fest. Niedrige Bauzinsen und die Angst vor Inflation verlocken immer mehr Deutsche dazu, in Immobilien zu investieren. „Wenn das jahrelang so weitergeht mit den extrem niedrigen Zinsen, besteht das Risiko einer Immobilienpreisblase in Deutschland“, warnt der Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide. Die hat es in Spanien gegeben, ihr Platzen hat eine schwere Rezession ausgelöst. „So etwas ist für Deutschland auch nicht ausgeschlossen“, sagt Scheide.

China

China wird nach Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in diesem Jahr zum zweitwichtigsten Kunden der deutschen Exportwirtschaft aufsteigen - nach Frankreich, aber noch vor den USA. Für viele Unternehmen ist die Volksrepublik schon jetzt der wichtigste Absatzmarkt, beispielsweise für die Autobauer Volkswagen, Audi und Porsche. Bekommt China einen Husten, wird auch die deutsche Wirtschaft krank. Erste Warnsignale gibt es bereits: Die chinesischen Importe stagnierten im April. „Das ist Besorgnis erregend“, sagte Ökonom Alistair Thornton von IHS Global Insight in Peking. „Das deutet auf eine echte Schwäche der Binnenwirtschaft hin.“ Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge in diesem Jahr um 8,2 Prozent wachsen. Das wäre das kleinste Plus seit einem Jahrzehnt. Die hohen Schulden der Kommunen, eine Immobilienblase und eine anziehende Inflation könnten das Wachstum aber noch kleiner ausfallen lassen.

Das IAB geht für 2013 von einem Wirtschaftswachstum in Deutschland in Höhe von 1,3 Prozent aus. Die Konjunktur werde im Laufe des Jahres an Fahrt aufnehmen. Dafür sei entscheidend, dass der Nachholbedarf bei den Investitionen realisiert werde und es keine Verschärfung der Schuldenkrise in Europa gebe. Weber zeigte sich zuversichtlich, dass sich die deutsche Wirtschaft zügig erholen werde: „Das Tal scheint durchschritten zu sein, die Frühindikatoren legen kräftig zu.“

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

21.03.2013, 15:00 Uhr

"Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA)" Ein Widerspruch in sich.

:-)))

Account gelöscht!

21.03.2013, 15:10 Uhr

Forscher der Pharmaindustrie erwarten weniger bis keine NEbenwirkungen mehr bei MEdikamenten.

...und rumänische Forscher der rumänischen LEbensmittelindustrie konnten kein Pferdefleisch in Lasagne nachweisen...

Alles klar?

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