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17.12.2013

10:07 Uhr

Prognose für 2014

Ifo-Institut erwartet kräftiges Wachstum

Das Münchner Ifo-Institut von einem Wachstum von 1,9 Prozent für 2014 aus – fünfmal mehr als in diesem Jahr. Die wichtigste Stütze soll die Inlandsnachfrage sein. Auch der umstrittene Exportüberschuss könnte steigen.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sieht Deutschland als Wachstums-Lokomotive in der EU. dapd

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sieht Deutschland als Wachstums-Lokomotive in der EU.

Das Münchner Ifo-Institut sagt Deutschland 2014 ein kräftiges Wirtschaftswachstum voraus - aber auch einen Anstieg des umstrittenen Leistungsbilanzüberschusses. „Das ist das Geschenk vom Weihnachtsmann. Die Konjunkturaussichten für das nächste Jahr sind prächtig“, sagte Sinn. Unter den großen EU-Ländern habe Deutschland damit „wieder mal das stärkste Wirtschaftswachstum seit dem Ausbruch der Finanzkrise“.

Das Ifo-Institut erwartet für 2014 ein Wachstum von 1,9 Prozent. Das wäre fast fünfmal so stark wie im laufenden Jahr mit 0,4 Prozent. "Die deutsche Konjunkturlokomotive kommt unter Dampf", erklärten die Experten um Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Firmen seien nicht mehr so verunsichert und die Aussichten auf steigende Einkommen der Menschen seien gut. Deshalb werde vor allem die Inlandsnachfrage die Wirtschaft stützen.

Vor dem Ifo-Institut hatte die Bundesbank einen sehr positiven Ausblick auf 2014 geliefert. Sie rechnet mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Die deutsche Wirtschaft werde von einem anziehenden globalen Wachstum und der wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone profitieren. Pessimistischer ist das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), das von einem Wachstum von 1,2 Prozent ausgeht.

Das Ifo-Institut erwartet, dass sich der Aufschwung 2014 auch auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt. Die Zahl der Erwerbstätigen soll im Schnitt um 230.000 Personen steigen – und die Arbeitslosenquote dürfte leicht von 6,9 auf 6,8 Prozent zurückgehen. Bei seinen Prognosen geht das Ifo-Institut davon aus, dass sich der neue Mindestlohn im kommenden Jahr noch nicht auswirkt.

Deutschlands Exportüberschüsse

Seit wann erzielt Deutschland Exportüberschüsse?

Seit 1952. Nur in den ersten Nachkriegsjahren wurde mehr importiert als exportiert. 1950 gab es ein Handelsdefizit von umgerechnet 1,54 Milliarden Euro, das aber schon 1951 auf 76 Millionen Euro schrumpfte. Seither gibt es Überschüsse.

Mit welchen Ländern erzielt Deutschland Überschüsse?

Mit den meisten. Den größten Überschuss erzielt Deutschland im Handel mit Frankreich. Dorthin wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 39,7 Milliarden Euro mehr exportiert als von dort eingeführt. Auf Rang zwei folgen die USA mit (36,3 Milliarden Euro) und Großbritannien (28,6 Milliarden Euro). Das größte Defizit macht Deutschland im Handel mit dem ölreichen Norwegen (-17,7 Milliarden Euro), gefolgt von den Niederlanden (-15,6 Milliarden) und China (-10,7 Milliarden.)

Wie hoch ist der deutsche Leistungsbilanzüberschuss?

In den ersten acht Monaten 2013 wurden Waren im Wert von 726 Milliarden Euro ausgeführt, aber nur im Wert von 599 Milliarden Euro importiert. Das ergibt einen Exportüberschuss von 127 Milliarden Euro. In die Leistungsbilanz fließen zudem der Austausch von Dienstleistungen mit dem Ausland ein, aber beispielsweise auch Entwicklungshilfe und Vermögenseinkommen. Von Januar bis August summierte sich der Leitungsbilanzüberschuss damit auf rund 115 Milliarden Euro.

Welche Länder haben einen höheren Exportüberschuss?

Derzeit kein anderes, nicht einmal Exportweltmeister China. 2012 lag der deutsche Überschuss mit umgerechnet 238 Milliarden US-Dollar sowohl über dem von China (193 Mrd) als auch dem des ölreichen Saudi-Arabien (165 Mrd). Mit der Erholung der Weltkonjunktur dürfte sich der deutsche Leistungsbilanzüberschuss in diesem Jahr auf die 200-Milliarden-Euro-Marke zubewegen, prognostiziert das Münchner Ifo-Institut. Das wäre ein Rekord.

Warum werden die Überschüsse kritisiert?

Die USA, aber auch der Internationale Währungsfonds zählen sie zu den großen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft, die für die globale Finanz- und die Schuldenkrise in Europa mitverantwortlich sind. Denn Ländern mit Exportüberschüssen stehen welche mit Defiziten gegenüber, die ihre Importe über Schulden finanzieren müssen. Die EU-Kommission stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung als stabilitätsgefährdend ein. Bei einer längeren Fehlentwicklung droht sie deshalb mit einem Mahnverfahren, an dessen Ende ein Bußgeld stehen könnte. Im ersten Halbjahr lag der deutsche Überschuss bei 7,2 Prozent.

Was kann dagegen getan werden?

Der IWF und die Industriestaaten-Organisation OECD fordern seit längerem von Deutschland, mehr für die Binnennachfrage zu tun, um die Unwucht zu beheben. Höhere Importe schmelzen nicht nur den deutschen Überschuss, sondern erhöhen die Exporte anderer Länder – die damit ihre Defizite verringern können. Ein Schlüssel dazu können stärkere Lohnerhöhungen sein. „Das stimuliert die Binnennachfrage, wodurch mehr importiert und der Außenhandel wieder mehr ins Gleichgewicht gebracht wird“, sagt der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn. Steigen die Löhne hierzulande, werden deutsche Produkte teurer – womit die preisliche Wettbewerbsfähigkeit etwa der Euro-Länder steigen würde und dort den Export ankurbeln könnte.

Was sagt die Wirtschaft?

Sie argumentiert ganz anders. Der deutsche Erfolg helfe den Krisenländern. Ihr Argument: Deutsche Exporte bestehen zu rund 40 Prozent aus zuvor importieren Vorprodukten, sagt etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Somit profitiere auch das Ausland. Zudem steigen die deutschen Importe wegen des anziehenden Konsums bereits: Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten sowohl für dieses als auch das kommende Jahr ein höheres Importtempo.

Wird Deutschland immer Überschüsse erzielen?

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bezweifelt das. Ab 2028 erwartet es keine Exportüberschüsse mehr in Deutschland. Wenige Jahre später sollen Leistungsbilanzdefizite folgen. „Die Ursache dieser Entwicklung ist der demografische Wandel, die Schrumpfung und Alterung der deutschen Bevölkerung“, heißt es in der Studie. Weil es in wenigen Jahren schon weniger Erwerbstätige geben werde, könne auch weniger exportiert werden. Gleichzeitig müsse der Konsum der Älteren durch höhere Importe gedeckt werden.

Ärger könnte Deutschland auf internationaler Ebene drohen. Das Ifo-Institut prognostiziert einen weiteren Anstieg des umstrittenen Leistungsbilanzüberschuss. Dieser werde im Verhältnis zur Wirtschaftskraft von 7,0 Prozent 2013 auf 7,3 Prozent im nächsten Jahr zulegen. Die EU-Kommission nimmt derzeit Deutschland wegen dieser massiven Exportüberschüsse unter die Lupe. Es wird geprüft, ob dadurch in der Euro-Zone größere wirtschaftliche Ungleichgewichte entstanden sind. Die Brüsseler Behörde stuft einen Leistungsbilanzüberschuss von mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren als stabilitätsgefährdend ein.

Von

rtr

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