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14.03.2013

14:59 Uhr

Prognose

Konjunktur fasst wieder Tritt

Die Signale für die deutsche Wirtschaft stehen auf grün. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartet mehr Wachstum. Dem Arbeitsmarkt droht keine Gefahr, er erweist sich als robust. Doch das Inflationsrisiko wächst.

Ein Hafenarbeiter steht am Container Terminals Altenwerder im Hamburger Hafen. dpa

Ein Hafenarbeiter steht am Container Terminals Altenwerder im Hamburger Hafen.

KielDie Schwächephase der deutschen Wirtschaft ist nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) bald überwunden. Die Kapazitäten seien wieder stärker ausgelastet, die Exporterwartungen ziehen an, heißt es in der Frühjahrsprognose des Instituts, die am Donnerstag in Kiel veröffentlicht wurde.

Noch im ersten Halbjahr dürfte danach der Produktionseinbruch aus dem Schlussquartal des Vorjahres überwunden werden und die deutsche Wirtschaft auf einen Expansionspfad einschwenken. Die Kieler Forscher setzten ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 0,3 auf 0,6 Prozent herauf. Im nächsten Jahr erwarten sie unverändert 1,5 Prozent Wachstum.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Das IfW spricht in seiner Analyse davon, dass sich die Konjunktur nur langsam erholt. Mit einem raschen Anspringen des Investitionsmotors sei nicht zu rechnen; erst allmählich werde die abwartende Haltung der Investoren überwunden. Auch der Export bringt die deutsche Wirtschaft nicht mehr nach vorn. „Vom Außenhandel gehen, anders als in den Vorjahren, sogar leicht negative Impulse auf die Expansion aus“, schreiben die Kieler Forscher.

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Gestützt werde die Konjunktur dagegen von den privaten Konsumausgaben, die von sinkenden Abgaben stimuliert werden und darüber hinaus von einem robusten Arbeitsmarkt profitieren. Mit 2,9 Millionen werde sich die Zahl der Arbeitslosen zwar kaum verändern, die Beschäftigung nehme jedoch weiter von 41,6 auf 41,8 und im nächsten Jahr auf 41,9 Millionen zu.

Gefahren drohen laut IfW bei der Geldwertstabilität. „Die Inflationsrate dürfte 2014 bei 2,6 Prozent liegen und damit deutlich höher als im übrigen Euroraum“, heißt es in der Analyse. Die Geldpolitik der EZB sei, gemessen an der Kapazitätsauslastung und der Inflation in Deutschland, bereits seit einigen Jahren zu expansiv ausgerichtet, die Zinsen um zwei Prozentpunkte zu niedrig. „Ein Niedrigzinsumfeld führt typischerweise dazu, dass Vermögensgüter wie Aktien und Immobilien höher bewertet werden, da alternative Anlageformen nunmehr weniger attraktiv sind“, schreiben die Wissenschaftler. „Solche Vermögenspreisanstiege können zu Vermögensillusionen führen und realwirtschaftliche Fehlentscheidungen auslösen.“

Von

dpa

Kommentare (1)

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14.03.2013, 15:19 Uhr

"Die Signale für die deutsche Wirtschaft stehen auf grün"

Jaja Erich...

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