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13.02.2017

14:36 Uhr

Prognose zum Wirtschaftswachstum

Wachstum – „in allen EU-Mitgliedsstaaten“

Die EU-Kommission sieht Europa bis 2018 auf Wachstumskurs – möglichen Strafzöllen der USA und den anstehen Brexit-Verhandlungen zum Trotz. Für Länder mit einem hohem Haushaltsdefizit gab es trotzdem eine Warnung.

Die EU-Kommission erwartet erstmals seit fast einem Jahrzehnt für den gesamten Prognosezeitraum (2016-2018) Wachstum in allen EU-Mitgliedstaaten. AP

Konjunkturprognose

Die EU-Kommission erwartet erstmals seit fast einem Jahrzehnt für den gesamten Prognosezeitraum (2016-2018) Wachstum in allen EU-Mitgliedstaaten.

BrüsselTrotz politischer Stolperfallen im Superwahljahr 2017 und anstehenden Brexit-Verhandlungen bleibt die Euro-Zone laut EU-Kommission auf Wachstumskurs. Da Niederländer, Franzosen und Deutsche dieses Jahr an die Urnen gerufen werden und dabei anti-europäische Kräfte Auftrieb erhalten könnten, stehen nach Ansicht der Brüsseler Auguren hinter der Prognose aber gewisse Fragezeichen. In der Studie mit dem Titel „Durch raue See navigieren“ prophezeit die Kommission für 2017 ein Wachstum von 1,6 Prozent, das kommendes Jahr auf 1,8 Prozent ansteigen soll. 2016 waren es 1,7 Prozent in der Euro-Zone.

Mit Blick auf die protektionistischen Töne aus den USA warnt die EU-Kommission die Exportnation Deutschland vor erheblichen Risiken im Falle zunehmender Handelshemmnisse. Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici äußerte sich am Montag dennoch zuversichtlich, dass alle EU-Staaten ihre Leistung steigern werden. Auch das langjährige Sorgenkind Griechenland sei dabei, „eine Erfolgsgeschichte“ zu werden. Nach langer Rezession und einem Mini-Wachstum im vorigen Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut EU-Prognose 2017 um 2,7 Prozent und 2018 sogar um 3,1 Prozent zulegen.

Die wichtigsten Handelspartner Deutschlands

Die Trump-Verunsicherung

US-Präsident Donald Trump hat den Freihandel in Frage gestellt. Die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft macht sich zunehmend Sorgen.

Der wichtigste Handelspartner

Tatsächlich sind die USA unter den Einzelstaaten der wichtigste Handelspartner. 2015 wurden nach endgültigen Ergebnissen Waren im Wert von rund 174 Milliarden Euro zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten gehandelt (Exporte und Importe). Insgesamt gingen knapp 10 Prozent der deutschen Exporte in die USA. Von dort kamen 7 Prozent der deutschen Importe.

Die Nachbarstaaten

Lange Zeit war Frankreich für Deutschland das wichtigste Land bei der Ein- und Ausfuhr von Waren. 2014 wurde Frankreich jedoch von den USA überholt. Dazu trugen der schwächere Euro, aber auch das vergleichsweise stärkere Wirtschaftswachstum in den USA bei. Drittwichtigster Handelspartner für Deutschland sind die Niederlande, die mit ihren Häfen ein wichtiger Umschlagplatz für den Welthandel sind.

Die Euro-Zone

Als Staatenverbund ist die EU der größte Handelspartner Deutschlands. Von den deutschen Exporten gehen 58 Prozent in die übrigen Länder der EU. In die Länder der Euro-Zone gehen 36 Prozent der Ausfuhren.

Der Kontinent Nr. eins

Wichtigster Kontinent außerhalb Europas für den Handel ist Asien, noch vor Amerika. Allein nach China gehen rund sechs Prozent der Exporte. Insgesamt belegt China als Handelspartner den vierten Platz. Bei den Importen liegt das Land für Deutschland sogar auf Platz eins. Fast zehn Prozent der Einfuhren kommen von dort.

Die Mini-Partner

Nach Afrika gehen lediglich zwei Prozent der deutschen Exporte und nach Australien und Ozeanien weniger als ein Prozent.

Quelle: dpa / alle Werte für 2015

Die Brüsseler Behörde erwartet zudem, dass Athen in diesem Jahr das mit den internationalen Geldgebern vereinbarte Ziel eines Primärüberschusses – dem Staatshaushalt ohne Zinszahlungen – von 1,75 Prozent erreichen und im kommenden Jahr mit 3,7 Prozent sogar über den Vorgaben liegen wird. Moscovici plant für Mittwoch einen Besuch in Athen. Vertreter von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und dem Rettungsschirm ESM stehen mit der Überprüfung der geplanten Reformen unter Druck, weil die Euro-Finanzminister eine Vereinbarung über die Auszahlung von Hilfsgeldern am 20. Februar billigen sollen. Gelingt bis März keine Einigung, könnte der Streit in die Zeit der Wahlkämpfe hineingeraten.

Kopfzerbrechen bereitet der Kommission die noch unklare Ausrichtung der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Er hat Deutschland, China und auch andere Staaten der Währungsmanipulation zulasten der USA beschuldigt und Gegenmaßnahmen wie Strafzölle angedroht. Mit 1,6 und 1,8 Prozent werde die deutsche Volkswirtschaft in diesem und im kommenden Jahr zwar fast genauso kräftig zulegen wie 2016 mit 1,9 Prozent: „Allerdings stellt die mögliche Gefahr von Handelsbarrieren erhebliche Abwärtsrisiken dar.“

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Konjunkturprognosen helfen Unternehmen und Staaten bei der Planung. Volkswirte, Unternehmen, Banken oder die Politik schauen gerne in die wirtschaftliche Zukunft. Prognosefehler sind schon im Preis inbegriffen.

Deutschlands enorme Exportüberschüsse werden der Prognose zufolge etwas sinken, da die Importe stärker zulegen dürften als die Ausfuhren. Die Leistungsbilanz werde in diesem Jahr einen Überschuss von 8,3 Prozent und 2018 von 8,0 Prozent ausweisen, nachdem es 2016 noch 8,7 Prozent waren. Die EU-Kommission sieht Werte von dauerhaft über sechs Prozent als stabilitätsgefährdend an. EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis sagte, Deutschland müsse sich mehr auf öffentliche Investitionen konzentrieren.

Die Wirtschaftsaussichten in den mit Haushaltsproblemen kämpfenden Euro-Ländern Frankreich und Italien bessern sich laut EU-Kommission etwas. In Frankreich, wo Anfang Mai in einem Stichentscheid ein neuer Präsident gewählt wird, dürfte das BIP in diesem Jahr um 1,4 Prozent zulegen. Allerdings wird das Haushaltsdefizit nach einem leichten Rückgang 2017 voraussichtlich im kommenden Jahr mit 3,1 Prozent wieder über der in der EU erlaubten Grenze von drei Prozent liegen. Im laufenden Jahr reißt im Kreis der Euro-Länder laut Prognose nur Spanien mit einer Defizitquote von 3,5 Prozent diese Latte.

Dombrovskis mahnte die europäischen Staaten zugleich, bei Reformanstrengungen nicht nachzulassen. Angesichts anziehender Inflation dürften sie sich nicht zu sehr darauf verlassen, dass die für Konjunkturimpulse sorgende ultra-lockere Geldpolitik der EZB „auf Dauer“ bestehen bleibe: „Deshalb sollten Länder mit hohem Haushaltsdefizit und hohem Schuldenniveau diese weiter zurückführen, um widerstandsfähiger gegen wirtschaftliche Schocks zu werden.“

Von

rtr

Kommentare (7)

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Herr Max Marx

13.02.2017, 12:27 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

13.02.2017, 12:36 Uhr

Ein Wachstum auf Kosten der Deutschen Rentner, Steuerzahler und Sparer ist das. Das ist kein mehrwertschaffender Wachstum sondern ein Wachstum auf Pump, Schulden machen und der Geldentwertung bzw. der weiteren verschuldung, verarmung und plünderung der EU-Deutschen Bürger.

Herr Grutte Pier

13.02.2017, 12:37 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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