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30.05.2015

09:45 Uhr

Prognosen von Volkswirten

Dynamik auf dem Arbeitsmarkt nimmt ab

Das Jahr hat auf dem Arbeitsmarkt vielversprechend begonnen, die Arbeitslosenzahlen sind bisher stetig gesunken. Doch jetzt verliert der Arbeitsmarkt an Schwung – eine Trendwende, meinen Ökonomen.

Für den Mai gehen die Ökonomen von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um rund 80.000 Menschen aus. dpa

Arbeitsmarkt

Für den Mai gehen die Ökonomen von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um rund 80.000 Menschen aus.

NürnbergNach wachsender Skepsis bei Arbeitsmarktforschern gehen nun auch Volkswirte deutscher Großbanken nur noch von einer geringen Dynamik auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus. Zwar rechneten sie in diesem Jahr weiterhin mit sinkender Arbeitslosigkeit, aber nicht mehr mit dem Tempo wie zum Jahresanfang, berichteten sie in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Bereits vergangene Woche hatte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für die kommenden Monate eine Stagnation prognostiziert.

Für den Mai gehen die Ökonomen von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um rund 80.000 auf 2,763 Millionen Menschen aus. Dies wären rund 120 000 weniger als vor einem Jahr, berichteten die Experten unter Berufung auf eigene Berechnungen. Ähnlich stark war die Mai-Arbeitslosigkeit im Schnitt der vergangenen drei Jahre gesunken. Die offiziellen Arbeitslosenzahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag (2. Juni) in Nürnberg bekanntgeben.

Fünf Gründe für Deutschlands Aufschwung

Starker Konsum

Weil Sparen sich wegen der Mini-Zinsen nicht lohnt, tragen die Verbraucher ihr Geld in die Geschäfte oder reisen viel. Löhne und Gehälter steigen zudem weiter kräftig.

Billiges Öl

Der Rückgang der Rohölpreise um nahezu die Hälfte seit dem Sommer 2014 entlastet Unternehmen und Verbraucher. Dies wirkt wie ein kostenloses Konjunkturprogramm.

Schwacher Euro

Die Exporteure jubeln, weil der im Verhältnis zum US-Dollar extrem schwache Euro Ausfuhren außerhalb des Euroraums günstiger macht.

Boom in den USA

Die US-Wirtschaft brummt – und die Amerikaner schätzen Waren „made in Germany“, gerade Luxusautos und Maschinen.

Job-Motor

Auf dem Arbeitsmarkt jagt ein Beschäftigungsrekord den nächsten. Bald dürften über 43 Millionen Deutsche erwerbstätig sein – das gibt Sicherheit und stützt den Aufschwung.

„Wir gehen weiter davon aus, dass sich die Arbeitslosigkeit leicht reduziert, aber weniger als am Jahresanfang“, sagte der Deutsche-Bank-Volkswirt Heiko Peters. Neben der etwas abgeschwächten Konjunktur im ersten Quartal spiele dabei wohl auch der milde Winter eine Rolle. „Dadurch wurde die Arbeitsmarktentwicklung am Jahresanfang positiv überzeichnet“, glaubt der Volkswirt. Nach Abzug saisonaler Faktoren wäre die Zahl der Erwerbslosen im Mai nur um 5000 gesunken.

Inzwischen kristallisieren sich nach Beobachtungen der Ökonomen allmählich die Folgen der neuen Mindestlohn-Regelungen heraus. Nach Ansicht von Allianz-Volkswirt Rolf Schneider zeichnet sich inzwischen deutlich ab, dass der Mindestlohn vor allem zum Abbau geringfügiger Beschäftigung - vor allem in Ostdeutschland - geführt hat. Darauf weise nicht nur die Minijob-Statistik hin, sondern auch die seit einigen Monaten stagnierende saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen. „Wir haben keinen Beschäftigungsaufbau in den letzten drei Monaten gehabt.“

Von

dpa

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