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07.04.2015

16:30 Uhr

QE-Programm

EZB gibt bei Anleihekäufen Gas

VonAndrea Cünnen

Die EZB und die nationalen Notenbanken gehen bei ihren Anleihekäufen schneller zu Werke als geplant. Knapp einen Monat seit Start des QE-Programms haben sie bereits Papiere für 64,4 Milliarden Euro gekauft.

Die Währungshüter wollen mit ihren Anleihekäufen Inflation und Konjunktur in der Euro-Zone anheizen. Reuters

EZB-Zentrale in Frankfurt

Die Währungshüter wollen mit ihren Anleihekäufen Inflation und Konjunktur in der Euro-Zone anheizen.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken geben bei ihren Anleihekäufen kräftig Gas. Ihr erweitertes Anleihekaufprogramm (EAPP) läuft seit dem 9. März; bislang haben die Notenbanken dabei Wertpapiere im Umfang von 64,4 Milliarden Euro gekauft. Allein bei Staatsanleihen und anderen öffentlichen Schuldtiteln waren es in der vergangenen Woche 11,5 Milliarden Euro.

Die EZB veröffentlicht die Käufe wöchentlich – dabei nennt sie den Umfang der Papiere, die bis zum Freitag der Vorwoche abgewickelt wurden. Da zwischen Abwicklung und Kauf zwei Tage liegen, umfassen die Daten de facto die Käufe bis zum vergangenen Mittwoch.

Details zum EZB-Anleihekaufprogramm

Zusätzliche Staatsanleihen und Wertpapiere

Die EZB wird neben dem bereits begonnen Erwerb von gesicherten Bankanleihen (Covered Bonds) und Kreditverbriefungen (ABS) zusätzlich Staatsanleihen und Wertpapiere bestimmter internationaler Institutionen kaufen.

Schrittweise und auf breiter Basis

Die Käufe sollen „schrittweise und auf breiter Basis“ durchgeführt werden, um die Preisbildung auf den Finanzmärkten nicht zu stören.

Auch Papiere mit negativer Rendite

Grundsätzlich seien auch Käufe von Papieren mit negativer Rendite (also mit sehr hohem Kurswert) möglich. Allerdings nur, solange die Rendite der Papiere über dem Einlagensatz der Notenbank von derzeit minus 0,2 Prozent liegt.

Diese Papiere sollen gekauft werden

Die EZB will unter anderem Papiere der folgenden internationalen Institutionen kaufen: Schuldtitel der beiden Rettungsschirme EFSF und ESM, der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Union (EU).

Diese Anleihen sollen gekauft werden

Unter anderem will die EZB auch Anleihen der folgenden nationalen Förderbanken (Agencies) kaufen: Papiere der deutschen KfW, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, der NRW-Bank, der französischen Anstalten CADES und UNEDIC sowie der spanischen Staatsbank ICO.

Vorkehrung gegen das Austrocknen

Die von der Notenbank erworbenen Schuldtitel sollen per Wertpapierleihe wieder in den Markt gegeben werden. Experten hatten dies erwartet. Sie sehen darin eine Vorkehrung gegen ein Austrocknen einzelner Anleihemärkte.

Mit ihren Käufen liegt die EZB deutlich über Plan. EZB-Chef Programm Mario Draghi hatte angekündigt, dass das Eurosystem – also die EZB und die nationalen Notenbanken – monatlich Anleihen über 60 Milliarden Euro kaufen wollten. Das Ganze soll bis mindestens Ende September 2016 laufen. Die EZB will mit den Käufen noch mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen und so die Konjunktur und die Inflation ankurbeln. Das Programm nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed ist auch als „Quantitative Easing“ (QE) bekannt.

Covered Bonds – also Pfandbriefe und andere gedeckte Bankenanleihen kaufte die EZB seit 9. März im Umfang von 10,6 Milliarden Euro. Dieses Programm läuft bereits seit 20. Oktober; insgesamt hat die EZB dabei Covered Bonds über 64,7 Milliarden Euro erworben. Deutlich schleppender läuft es bei verbrieften Wertpapieren (Asset Backed Securities), bei denen die EZB seit 21. November zuschlägt. Hiervon kaufte das Eurosystem insgesamt 4,9 Milliarden Euro, seit dem 9. März waren es 1,2 Milliarden Euro.

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