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30.05.2014

11:22 Uhr

Qualitätsoffensive

EZB diskutiert über Verbriefungen

Die EZB und die Bank of England stoßen eine Diskussion über Kredit-Verbriefungen an. Während der Finanzkrise waren die Papiere in Verruf geraten. Nun sollen sie einfacher und transparenter werden.

Die Euro-Skulptur vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank: Die EZB versucht schon seit geraumer Zeit, Verbriefungen wieder salonfähig zu machen. dpa

Die Euro-Skulptur vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank: Die EZB versucht schon seit geraumer Zeit, Verbriefungen wieder salonfähig zu machen.

BerlinDie EZB und die Bank of England sammeln Vorschläge zur Wiederbelebung des in der Finanzkrise in Verruf geratenen Marktes für Kredit-Verbriefungen. Es gehe darum, solche Papiere „einfacher, von ihrer Struktur her robuster und auch transparenter“ zu machen, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Diskussionspapier der beiden Zentralbanken. Aus ihrer Sicht muss es eine Qualitätsoffensive geben, mit der Risiken und Rendite-Aussichten solcher Papiere durchgängig besser abzuschätzen seien. Die beiden Notenbanken sehen das Papier als Diskussionsgrundlage. „Die Bank of England und die Europäische Zentralbank würden daher Kommentare von interessierter Seite zu diesem Arbeitspapier begrüßen“, heißt es in dem Dokument weiter.

Die EZB versucht schon seit geraumer Zeit, Verbriefungen und dabei vor allem sogenannte ABS-Papiere (Asset Backed Securities oder forderungsbesicherte Wertpapiere) wieder salonfähig zu machen. Die EZB und die Bank von England ziehen dabei an einem Strang und haben bereits beim Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) gemeinsam für eine neue Sicht auf ABS-Papiere und andere Verbriefungen geworben.

Niedrige Inflation: Wie reagiert die EZB?

Was spricht für ein Eingreifen der EZB?

Die Inflation im Euro-Raum lag im Mai bei 0,5 Prozent – und damit weit entfernt von der Zielmarke der EZB von nahe zwei Prozent. Die Entwicklung erhöht den Druck auf die EZB, die Zinsen niedrig zu halten oder noch unter das Rekordtief von 0,25 Prozent zu senken. EZB-Präsident Mario Draghi hatte betont, die Notenbank werde sich notfalls entschieden gegen einen Preisverfall stemmen.

Warum sind sinkende Preise schlecht?

Für Verbraucher sind sinkende Preise zunächst erfreulich, schließlich bekommt man mehr für sein Geld. Die Gefahr ist, dass eine Abwärtsspirale in Gang kommt, wenn die Preise auf breiter Front fallen. Ökonomen nennen das Deflation. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen hinauszögern - in der Erwartung, dass es in den nächsten Monaten noch günstiger für sie wird. Das könnte die ohnehin noch fragile Erholung der Konjunktur in Europa abwürgen.

Wie real ist die Deflations-Gefahr?

„Eine handfeste Deflation ist in der Eurozone eine sehr weit entfernte Gefahr“, meint Berenberg-Volkswirt Christian Schulz. Das betont auch regelmäßig das EZB-Spitzenpersonal. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte Mitte März erklärt, er halte die Risiken von Preis- und Lohnrückgängen auf breiter Front im Euroraum für sehr begrenzt.

Was kann die EZB tun?

Bei den Zinsen hat die EZB den Boden fast erreicht. Mit einem Leitzins von 0,25 Prozent ist Zentralbankgeld für die Banken im Euroraum bereits extrem günstig. Ob eine weitere Zinssenkung die Geldinstitute dazu bewegen würde, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln, ist umstritten. Denkbar wäre, dass die EZB den Zins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank parken, unter Null senkt. Theoretisch möglich wäre auch, dass die EZB in großem Stil Staatsanleihen aufkauft.

Bringen noch niedrigere Zinsen überhaupt etwas?

Theoretisch animiert das billige Geld Unternehmen zum Investieren und Verbraucher zum Konsumieren - beides kurbelt die Konjunktur an und erhöht so den Preisauftrieb. Doch gerade in den kriselnden Eurostaaten in Südeuropa blieb die Kreditvergabe zuletzt schwach. Nach Einschätzung des Bundesverbandes Deutscher Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) kann die EZB mit noch billigerem Geld dagegen so gut wie nichts ausrichten.

Laut EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny könnten durch eine Stärkung des ABS-Marktes in Europa kleine und mittelgroße Betriebe besser mit Krediten versorgt werden. Weil diese dann mehr investierten, könne sich dadurch letztlich auch ein positiver geldpolitischer Effekt einstellen. Auch EZB-Direktor Yves Mersch plädierte jüngst dafür, ABS aus der Schmuddelecke zu holen. Auch wenn es Probleme mit schlechten Verbriefungen in den USA gegeben habe, dürften derartige Finanzprodukte in Europa nicht verteufelt werden.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

30.05.2014, 15:52 Uhr

das nenne ich Scheiße im Goldpapier verkaufen, gell?

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