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03.02.2011

09:51 Uhr

Rat berät Gegenmaßnahmen

Inflationsangst überschattet EZB-Sitzung

Die Teuerung ist nach Finanzkrise und Rezession wieder zurück und treibt die Europäische Zentralbank (EZB) um. Deshalb wird der jüngste Anstieg der Inflationsrate in der Euro-Zone die Debatte auf der zweiten Sitzung des EZB-Rats im neuen Jahr dominieren.

Unter Handlungsdruck: EZB-Chef Trichet. Quelle: Reuters

Unter Handlungsdruck: EZB-Chef Trichet.

HB FRANKFURT. Am Vormittag hat der EZB-Rat regulär sein monatliches Treffen begonnen. Wer allerdings Antworten oder gar eine Erhöhung des Leitzinses vom Treffen der Hüter des Euro in Frankfurt erwartet, wird enttäuscht werden. Analysten und Geldpolitikexperten gehen davon aus, dass die Notenbanker frühestens in der zweiten Jahreshälfte beginnen werden ihren Leitzins - derzeit bei einem Prozent - zu erhöhen. Deshalb wird EZB-Präsident Jean-Claude Trichet den Zins wohl erneut als "noch angemessen" bewerten, aber auch die Warnung vor Inflationsdruck, mit der er im Januar Investoren und Öffentlichkeit aufschreckte, wiederholen.

Argumente hat Trichet genug - sowohl für eine neue Runde im verbalen Abwehrkampf gegen das Inflationsgespenst, als auch für eine Fortsetzung der Politik der ruhigen Hand. Erstens ist die Inflationsrate in den nach dem Beitritt Estlands nun 17 Ländern der Euro-Zone nach ersten Berechnungen von Eurostat im Januar auf 2,4 Prozent gestiegen und lag damit nochmals über den 2,2 Prozent des Dezember, die Trichet bereits einige Kopfzerbrechen gemacht hatten.

Allerdings kann die EZB angesichts der nach wie vor fragilen wirtschaftlichen Situation in einigen Euro-Ländern wohl kaum anders, als noch eine ganze Weile mit Zinserhöhungen zu warten - mit einem solchen Schritt liefe die Zentralbank nämlich Gefahr das Wirtschaftswachstum abzuwürgen. Zudem ist der unter der Oberfläche der jüngsten Preissteigerungen bei Energie und Lebensmittel liegende Inflationsdruck - abzulesen etwa an den Geldmengendaten der EZB selbst - keineswegs beunruhigend hoch.

Außerdem gibt es bislang noch keine Anzeichen, dass der Teuerungsdruck sich etwa über entsprechende Lohnforderungen der Gewerkschaften festigt.

Kommentare (5)

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Dr. Ludwig Paul Häußner

03.02.2011, 11:09 Uhr

Lieber 5% inflation, statt 5% Arbeitslosigkeit!

so lautete die Aussage von Altbundeskanzler Helmut Schmidts in den frühen 1970er Jahren in seiner Eigenschaft als bundesfinanzminister.

"Wieviel inflation" - Zum Streit der Notenbanker um inflationsziele.

Eine der besten Analysen ist die des Volkswirts Eckard behrens aus dem Jahre 2004.

Mehr dazu unter:

http://sffo.de/sffo/wieviel-inflation.html

L.P. Häußner

Micha

03.02.2011, 11:51 Uhr

Die "offiziellen" inflationsdaten sind manipuliert (Einkaufskorb, Ausreisser,...) um das Volk ruhig zu halten! bei offizieller bekanntgabe der "wahren inflation" (einfach mal googeln...) würde das Volk Sturm laufen und sich nicht mit den lächerlichen Zinsen der bundesschatzbriefe, Lebensversicherungen, .... abspeisen lassen. Die "wahre inflation" ist in Wirklichkeit eine indirekte Zusatzsteuer des Staates zur stillen und heimlichen Enteignung des eigenen Volkes!

apfelbaum

03.02.2011, 12:22 Uhr

@ Micha

Völlig richtig. Der Staat kann seine bürger nur enteignen, wenn es ihm gelingt, die inflation
unerwartet anzukurbeln oder wenn er sie überzeugen kann, die Teuerung läge wesentlich niedriger. Die letzten 15 Jahre lag die reale inflation bei mindestens 5 % p.a. Die banken wissen das natürlich und brauchen deshalb ihre Eigenkapitalrendite von 25%.

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