Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.06.2017

22:03 Uhr

Ratingagentur S&P

Kredit-Rating Katars sinkt wegen Spannungen

Die Krise in Katar weitet sich auch auf das Kreditranking des Wüstenstaates aus. Standard & Poor's senkt die Note und sieht eine weitere Herabstufung für wahrscheinlich. Unterdessen bietet Donald Trump seine Hilfe an.

Auf Katar kommen durch die Krise mit den Nachbarstaaten wirtschaftliche Probleme zu. AP

Doha

Auf Katar kommen durch die Krise mit den Nachbarstaaten wirtschaftliche Probleme zu.

WashingtonDie schweren Spannungen zwischen Katar und anderen arabischen Golf-Staaten unter Führung Saudi-Arabiens belasten die Kreditwürdigkeit des Landes. Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte ihre Note um einen Punkt auf "AA-" und stellte eine weitere Herabstufung in Aussicht. Der Ausblick sei negativ, teilte die Agentur mit.

Der Konflikt erhöhe die Verwundbarkeit Katars und könnte Wachstum und Finanzkraft belasten. Die Geschäfte der Fluggesellschaft Qatar Airways dürften angesichts der Einschränkungen im Luftverkehr unter Druck geraten, hieß es weiter.

Der Konflikt in Katar

Warum ist das Emirat Katar so wichtig?

Das Land hat nur rund 270.000 Staatsbürger - ist aber weltweit der größte Produzent von flüssigem Erdgas und teilt sich ein gewaltiges Unterwasser-Gasfeld mit dem Iran. Außerdem werden vom Luftstützpunkt Al-Udeid aus Angriffe der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition gegen die Terrormiliz im Irak und in Syrien geflogen.

Die Rolle der Medien

Zudem ist in Katar das Nachrichten-Netzwerk Al-Dschasira ansässig, das in Verhandlungen mit Gruppierungen, von denen sich viele Regierungen lieber fernhalten, oft eine größere Rolle spielt. So half das Netzwerk beispielsweise dabei, Mitglieder der Herrscherfamilie aus einer Geiselnahme zu befreien. Außerdem sicherte Al-Dschasira die Freilassung von Geiseln im syrischen Bürgerkrieg.

Warum steht Katar im Konflikt mit den mächtigsten arabischen Ländern?

Spannungen zwischen Katar und Saudi-Arabien sind bereits vor zwei Wochen an die Oberfläche getreten. Katar gab an, dass die staatlich geführte Nachrichtenagentur und der offizielle Twitter-Account des Landes gehackt worden seien, um eine Falschnachricht zu verbreiten. Darin soll der katarische Emir, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, den Iran eine „regionale und islamistische Macht, die nicht ignoriert werden kann“ genannt haben.

Kampagne in den Medien

Medien auf der arabischen Halbinsel ignorierten das Dementi Katars und verbreiteten weiterhin den Kommentar, während Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten den Zugang zu Al-Dschasira und mit dem Netzwerk verbundenen Seiten blockierten. Saudische Medien starteten eine aggressive Kampagne, die Katar vorwarf, Terrorgruppen mit Verbindungen zu Al-Kaida und der Terrormiliz Islamischer Staat zu unterstützen - und damit die Region zu destabilisieren und Verbündeten in den Rücken zu fallen. Weitere Medien schienen sogar einen Machtwechsel in Katar zu befürworten und warfen dem Emir vor, ein Geheimtreffen mit den Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarde, Kassem Soleimani, abgehalten zu haben.

Vorwurf der Unterstützung der Muslimbruderschaft

Die Vereinigten Arabischen Emirate schienen wegen Katars Unterstützung von Islamisten in der Golf-Region und Libyen schon länger verärgert zu sein. Saudi-Arabien und Ägypten werfen Katar zudem vor, die als Bedrohung eingestufte Muslimbruderschaft zu unterstützen. Saudi-Arabien hält Katar außerdem vor, vom Iran gestützte Terroristengruppen in seiner Provinz Katif und dem angrenzenden Bahrain sowie Rebellen im Jemen zu fördern. Auch westliche Regierungen haben Katar vorgeworfen, sunnitische Extremisten wie den Al-Kaida-Zweig in Syrien zu dulden oder sogar zu fördern. Das Land unterstützt außerdem die Hamas im Gazastreifen.

Was sind die Konsequenzen des Streits?

Die Kappung der Verbindungen könnte für Katar längerfristige wirtschaftliche Konsequenzen haben - die sich wiederum auf Millionen von Wanderarbeitern und Auswanderern übertragen würden. Ein Großteil der Nahrungsmittel für Katar kommt aus Saudi-Arabien über die einzige Festland-Grenze Katars, die Saudi-Arabien nun aber geschlossen hat.

Risiko des Konflikts

Nach Angaben des Risiko-Beratungsunternehmens Eurasia Group ist die Gefahr eines Staatsstreiches erheblich gestiegen. Eine Änderung in der Regierung Katars könnte auch Fragen über die Zukunft des US-Luftstützpunktes aufwerfen und die Hamas ihren bisher größten Gönner kosten.

USA als Schlichter

US-Außenminister Rex Tillerson rief die Parteien dazu auf, ihre Streitigkeiten beizulegen. Saudi-Arabien hat den sich im Land aufhaltenden Katarern eine Frist von 14 Tagen gegeben, um das Land zu verlassen. Zudem sollen Saudis Katar weder bereisen oder sich dort ansiedeln. Katar zog seine Truppen aus der von Saudi-Arabien angeführten Koalition im Bürgerkriegsland Jemen zurück. Ägypten und Saudi-Arabien schlossen den Luft- und Seeraum für Katar - was vor allem die Fluglinie Qatar Airways betrifft, einen der größten Passagierbeförderer der Region. Die saudische Fluglinie Ethihad Airways, FlyDubai und die größte Fluggesellschaft im Nahen Osten, Emirates, stellten Flüge nach Katar ein.

Gibt Katar nach?

Katar bestreitet seine Unterstützung für Terroristengruppen in Syrien und anderen Länder. Und das, obwohl dem Land vorgeworfen wird, sunnitische Rebellengruppen zu fördern, die die syrische Regierung des Amtes entheben wollen. Offenbar ging katarisches Geld auch an Gruppen wie die Muslimbruderschaft. Die katarischen Herrscher zeigen sich von dem Konflikt bisher jedoch unbeeindruckt. Medien des Landes verbreiteten eine Karikatur, die sich darüber lustig machte, dass der saudische König Salman Fake News verbreite.

Katar gegen Saudi-Arabien

In der vergangenen Woche hatte Katars Emir den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani angerufen, um ihm zu Wiederwahl zu gratulieren - eine klare und offene Widerlegung saudischer Bemühungen, Katar auf Linie zu bringen. Der Emir Katars könnte sein Land aus dem Golf-Kooperationsrat zurückziehen.

Wie geht es weiter?

Bereits vor drei Jahren hatten mehrere Golfstaaten wegen Katars Unterstützung für die Muslimbruderschaft ihre Botschafter für neun Monate aus Katar abgezogen. Details des Abkommens, das den Konflikt damals löste, wurden nie offiziell bekannt - aber darunter waren Zusagen Katars, die Förderung der Bruderschaft einzustellen. Die aktuellen Forderungen an Katar sind derzeit noch verschwommen, es könnte jedoch zu einem ähnlichen Ablauf wie vor drei Jahren kommen - oder beide Seiten könnten sich noch mehr in ihre Positionen verbeißen.

US-Präsident Donald Trump hat dem Emir von Katar unterdessen in der diplomatischen Krise seine Unterstützung angeboten. Der Präsident habe in einem Telefongespräch mit Tamim bin Hamad al-Thani betont, dass die Zusammenarbeit aller Staaten in der Region im Kampf gegen Terror wichtig sei, teilte das US-Präsidialamt am Mittwoch mit. Trump habe ein Treffen im Weißen Haus vorgeschlagen, um die Krise zu lösen

Presse zur Katar-Krise: „Doha ist nicht zu trauen“

Presse zur Katar-Krise

„Doha ist nicht zu trauen“

Für die arabischen Medien ist die Krise um das Emirat Katar das Topthema. Doch die Kommentare sind alles andere als ausgewogen und spiegeln hauptsächlich die Meinung der jeweiligen Regierung wider.

Der Emir von Kuwait traf unterdessen in der katarischen Hauptstadt Doha ein, wie die staatliche Nachrichtenagentur Kuna berichtete. Er hatte die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien besucht. Der kuwaitische Herrscher versucht, in dem Konflikt zu vermitteln.

Saudi-Arabien hatte am Montag zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Bahrain die Grenzen zu Katar geschlossen und die Bürger des Landes zum Verlassen ihrer Hoheitsgebiete aufgerufen. Zudem wurden Handel und Verkehr massiv eingeschränkt. Weitere Staaten schlossen sich dem Staatenbündnis an. Die Länder werfen Katar Terrorunterstützung vor und lehnen die Beziehungen des Emirats zum Erzfeind Iran und zur Muslimbruderschaft ab..

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×