Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.09.2014

09:55 Uhr

Ratsmitglied Visco

Schwacher Euro könnte neue EZB-Schritte aufhalten

Der Euro habe zuletzt abgewertet – und dies könnte die EZB nach Ansicht von Ratsmitglied Visco von zusätzlichen Schritten zur Konjunkturförderung abhalten.

Der Euro ist derzeit schwach. Das könnte der EZB eine weitere geldpolitische Lockerung ersparen. dpa

Der Euro ist derzeit schwach. Das könnte der EZB eine weitere geldpolitische Lockerung ersparen.

Die Europäische Zentralbank kann nach Ansicht von Ignazio Visco möglicherweise auf zusätzliche Schritte zur Konjunkturförderung verzichten. Der Euro habe in den vergangenen drei Monaten infolge von Maßnahmen der Notenbank abgewertet, sagte das Mitglied des EZB-Rats in einem Interview mit Bloomberg News am vergangenen Samstag im australischen Cairns.

„Die Inflationserwartungen müssen wieder dahin, wo sie waren“, sagte Visco am Rande der G-20-Tagung in Cairns. „Das heißt nicht, dass es einen nächsten Schritt geben wird. Wir sind kühn genug gewesen, die Zinsen auf ein Niveau zu senken, das der Markt nicht erwartet hatte.“

Seit Anfang Juni, als die EZB einen negativen Einlagensatz für überschüssige Gelder der Banken einführte, hat die Gemeinschaftswährung rund sechs Prozent abgewertet. Im September senkten die Währungshüter die Kreditkosten weiter und versprachen, die Bilanz der Notenbank durch den Ankauf von forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS) und gedeckten Anleihen um bis zu eine Billion Euro auszuweiten.

So kann die EZB den Euro drücken

Verbale Intervention

Die einfachste Möglichkeit um den Euro zu schwächen, sind Worte. Wenn Draghi spricht, hat das durchaus Gewicht. Zeigt er sich besorgt über den starken Euro, reagiert der Wechselkurs sofort. Allerdings ist die Frage, ob den Worten nicht irgendwann Taten folgen müssen, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

Devisenmarktintervention

Die EZB kann auch direkt am Devisenmarkt intervenieren. Sie kann ihre Währungsreserven nutzen und zum Beispiel US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen kaufen. Früher waren Interventionen am Devisenmarkt durchaus üblich. Allerdings haben sie häufig nicht viel gebracht.

Wobei die EZB zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den Währungsmärkten eingriff. In einer gemeinsamen Aktion kauften EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Zielmarken

Die EZB könnte auch ein Wechselkursziel definieren. Ähnliches hat die  Schweizer Notenbank in der Euro-Krise gemacht. Sie legte sich fest: Für einen Euro dürfe nicht weniger als 1,20 Franken gezahlt werden. Der Vorteil eines Zielkorridors liegt darin, dass manchmal allein die Ankündigung ausreicht, um das Ziel zu erreichen. Eine Intervention ist gar nicht zwingend nötig.

Zinssenkung

Das klassische Mittel der Notenbanken ist der Leitzins. Wenn die EZB ihn senkt, steigt die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen. Anlagen außerhalb des Euroraumes werden dadurch attraktiver. Dadurch steigt die Nachfrage nach anderen Währungen wie etwa dem US-Dollar und deren Wechselkurs steigt.

Negativer Einlagenzins

Die EZB verlangt von Banken, die ihr Geld über Nacht bei der EZB parken, eine Strafgebühr. Einerseits will sie die Banken damit zur Kreditvergabe anregen. Andererseits kann das auch dazu führen, dass ein Teil der Guthaben in andere  Währungsräume fließt.

Anleihekäufe

Durch großangelegte Anleihekäufe kann die EZB die Geldmenge im Euroraum erhöhen und die langfristigen Zinsen senken. Dadurch steigt tendenziell die Nachfrage nach anderen Währungen wie dem US-Dollar.

Kapitalverkehrskontrollen

In der Euro-Zone stehen sie nicht zur Debatte. Dennoch sind Kapitalverkehrskontrollen ein mächtiges Mittel, um den Wechselkurs zu beeinflussen. Durch Steuern auf Kapitalimporte oder Exporte und durch Beschränkungen für Kapitaltransfers lässt sich der Kapitalverkehr ins Ausland beschränken.

Das Ausmaß der Euro-Abwertung ist „angesichts der zwischen Juni und September vorgenommenen Maßnahmen, mehr oder weniger die angemessene Reaktion“, sagte Visco, der an der Spitze der italienischen Notenbank steht. Er verwies darauf, dass die EZB keinen bestimmten Wechselkurs für den Euro anstrebt.

Bei der ersten von insgesamt acht Liquiditätsspritzen für eine Ausweitung der Kreditvergabe der Banken teilte die EZB vergangene Woche im sogenannten TLTRO-Programm 82,6 Milliarden Euro zu. Das war weniger als Volkswirte in einer Umfrage von Bloomberg News erwartet hatten. Es löste bei Ökonomen und Investoren Spekulationen aus, die EZB könne sich gezwungen sehen, ihr Ziel mit umfangreichen Ankäufen von Staatsanleihen zu erreichen.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas Melber

23.09.2014, 10:46 Uhr

"Der Euro wird so stabil wie die D-Mark sein" ...

Herr Christian Feld

23.09.2014, 12:49 Uhr

Er ist sogar stabiler...
Oder wann gab es zu Zeiten der DM solch niedrige Inflationsraten? :p

Der niedrige Leitzins wird einfach durch das schwache Nominalwachstum und die hohen Guthaben bedingt:

Deren Verzinsung muss ja schließlich irgendwie erwirtschaftet werden.
Immerhin gehören zu Guthaben auch woanders Kredite, deren Zinsen dazu bezahlbar sein müssen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×