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22.01.2008

15:36 Uhr

Reaktion auf drohende Rezession

US-Notenbank senkt Leitzins deutlich

Mit einem deutlichen Zinsschnitt reagiert die US-Notenbank auf die wachsenden Konjunkturrisiken in der weltweit größten Volkswirtschaft: Die US-Fed hat den Leitzins für die USA überraschend um 75 Basispunkte auf 3,5 Prozent gesenkt.

Ben Bernanke: Der Fed-Chef und seine Kollegen begründeten den historischen Zinsschritt mit der wachsenden Gefahr einer Rezession. Foto: ap Quelle: ap

Ben Bernanke: Der Fed-Chef und seine Kollegen begründeten den historischen Zinsschritt mit der wachsenden Gefahr einer Rezession. Foto: ap

HB WASHINGTON. Mit der größten Zinssenkung in der jüngeren Geschichte hat die US-Notenbank auf die weltweiten Kursstürze an den Aktienmärkten reagiert. Die Fed senkte den wichtigsten Leitzins am Dienstag um gleich 0,75 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent. Zugleich schlossen die Notenbanker weitere Zinsschritte nicht aus.

Die überraschende Entscheidung kam nach einem Krisentelefonat der Fed-Verantwortlichen am Montagabend zustande und fiel mit 8 gegen 1 Stimmen. In einer kurzen Erklärung begründete die Notenbank ihren Schritt mit dem eingetrübten Konjunkturausblick und der gestiegenen Gefahr eines Wirtschaftsabschwungs. Die Aktienbörsen reagierten deutlich positiv auf den Schritt - die positive Stimmung hielt aber nur kurz. So drehte zwar auch der deutsche Aktienindex kurz nach dem Zinsschritt ins Plus, sackte wenige Minuten später aber wieder unter das Vortagsniveau.

Im Markt hatte es zuvor bereits Spekulationen gegeben, dass die Fed außer der Reihe ihre Zinsen senken könnte, um größeren Verwerfungen an der Wall Street vorzubeugen, nachdem es am Montag in Europa zu massiven Kursverlusten bei Aktien gekommen war. "Die Märkte realisieren, dass die Gefahr einer US-Rzesion sehr real ist, und sie verlieren den Glauben daran, dass sich der Rest der Welt vom Schicksal der USA abkoppeln kann", sagt Martin Walker von der Fondsgesellschaft Invesco. In den USA waren die Börsen am Montag geschlossen. Für Dienstag hatte die Indexfutures hohe Kursverluste angedeutet.

Mit einem Zinsschritt von mindestens 0,50 Punkten war allgemein für den 30. Januar gerechnet worden. Notenbankchef Ben Bernanke und seine Kollegen hatten die Märkte bereits zuvor mit deutlichen Warnungen vor konjunkturellen Risiken auf eine Zinssenkung eingestimmt.

Die US-Währungshüter begründeten den Schritt mit schwächeren Aussichten für die Wirtschaft und zunehmenden Wachstumsrisiken. Außerdem wiesen sie auf die hartnäckige Finanzmarktkrise hin. Die Marktkonditionen hätten sich weiter verschlechtert und die Kreditbedingungen für einige Haushalte und Unternehmen seien ungünstiger geworden. Neueste Daten wiesen zudem darauf hin, dass der Abschwung am Immobilienmarkt noch nicht ausgestanden sei. Außerdem schwäche sich die Lage am Arbeitsmarkt ab.

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