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09.02.2015

10:43 Uhr

Reallöhne

Kaufkraft der Deutschen steigt wie seit Jahren nicht mehr

Die niedrige Inflation wirkt sich auch auf die Reallöhne der deutschen Arbeitnehmer aus. Deren Kaufkraft stieg 2014 so stark an wie seit Jahren nicht mehr.

Die Kaufkraft der Deutschen hat 2014 deutlich zugelegt. dpa

Reallöhne steigen

Die Kaufkraft der Deutschen hat 2014 deutlich zugelegt.

BerlinDie Kaufkraft der deutschen Arbeitnehmer ist 2014 wegen der niedrigen Inflation so kräftig gestiegen wie seit Jahren nicht mehr. Die Reallöhne kletterten um 1,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. „Dies ist der höchste Anstieg seit Beginn der Statistik im Jahr 2008.“ 2013 hatte es noch einen Rückgang um 0,1 Prozent gegeben.

Der starke Anstieg der Reallöhne geht vor allem auf die niedrige Inflation zurück, weniger auf höhere Verdienste. Die Verbraucherpreise kletterten im vergangenen Jahr mit 0,9 Prozent deutlich geringer als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (1,5 Prozent). Hauptgrund war billigere Energie, bedingt durch den Verfall der Ölpreise. Die Löhne legten mit 2,4 Prozent sogar etwas schwächer zu als im Schnitt der Vorjahre, der bei 2,5 Prozent liegt.

Niedrige Inflation: Fluch oder Segen?

Warum ist Preisstabilität so wichtig?

Bei stabilen Preisen bleibt die Kaufkraft des Geldes erhalten. Das stützt den Konsum. Inflation steht hingegen für Geldentwertung: Bei steigenden Preisen können sich alle, die längerfristig gleichbleibende Einkommen beziehen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen, immer weniger von ihrem Geld kaufen. Auch für Menschen mit Geldvermögen und Sparer ist Inflation schlecht, weil sie am realen Wert des Vermögens knabbert.

Wie weit ist die Notenbank von ihrem Preisziel entfernt?

Das Statistische Bundesamt errechnete für September auf Jahressicht vorläufig einen Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8 Prozent. Im Euroraum fiel die Inflation im September sogar auf 0,3 Prozent - den tiefsten Stand seit Oktober 2009. Insgesamt habe die EZB das Versprechen einer stabilen Währung aber eingehalten, betonte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann erst am Montag: „In den ersten Fünfzehneinhalb Jahren nach der Euro-Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 2,0 Prozent und damit grosso modo im Einklang mit dem Stabilitätsziel des EZB-Rats.“

Warum strebt die EZB eine höhere Teuerung an?

Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Damit will die Notenbank ein Abrutschen in eine Deflation verhindern, also einen Preisverfall auf breiter Front. Denn in Erwartung einer weiter nachlassenden Inflation oder gar sinkender Preise könnten Unternehmen und Verbraucher Investitionen und Konsumausgaben zurückstellen. Das würde eine Spirale in Gang setzen, die die Konjunktur abwürgt und Arbeitsplätze kostet. Zudem hat EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass der sehr geringe Preisauftrieb schlecht ist für Schuldner: „Ist die Inflation niedrig, sinkt der reale Wert der Schulden von Staaten und Unternehmen langsamer.“ Dadurch werde der Schuldenabbau erschwert.

Wie entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel?

Nach den vorläufigen Zahlen der Statistiker kosteten Nahrungsmittel im September 0,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Seither haben aber Discounter und Supermärkte eine neue Welle für Preissenkungen eingeläutet: So hatte Deutschlands Discount-Marktführer Aldi Anfang Oktober die Preise für Käse-Produkte wie Aufschnitt, Frisch- und Schmelzkäse oder Sahneprodukte zum Teil um mehr als 13 Prozent gesenkt. Der Billiganbieter begründete den Schritt mit gesunkenen Rohstoffpreisen. Seit Monatsmitte sind auch Pommes frites und Zucker billiger.

Was sind die Gründe für die niedrige Teuerung?

Insbesondere weltweit sinkende Energie- und Nahrungsmittelpreise haben die Inflation gedrückt. Zwischenzeitlich verbilligte zudem der starke Euro importierte Waren. Inzwischen hat die EZB eingegriffen und den Euro gegenüber dem Dollar geschwächt. Zwar führe der Rückgang des Ölpreises auch an den Zapfsäulen weiter zu sinkenden Preisen, erklärt der ADAC: Allerdings werde dieser Effekt auf die Spritpreise durch den schwächeren Euro teilweise aufgefangen. Trotzdem: Sprit wird seit Monaten immer billiger. Nach ADAC-Angaben kostete der Liter Diesel im September durchschnittlich 136,2 Cent. Vor einem Jahr mussten Autofahrer demnach noch 144,0 Cent bezahlen, vor zwei Jahren 152,4 Cent. Nach Angaben des Deutschen Mieterbunds sanken auch die Preise für Heizöl von Januar bis Juli um 5,4 Prozent.

Die meisten Experten rechnen auch für dieses Jahr mit einer sehr niedrigen Inflation. Gleichzeitig dürften die Löhne erneut schneller wachsen als die Preise - auch wegen der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro je Stunde.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

09.02.2015, 12:40 Uhr

der starke Anstieg der Reallöhne? Ich lach mich tot: was jetzt etwas mehr aus der Tasche hängt wurde in den letzten Jahren an Lohnverzicht vorher gedarbt.

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