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27.09.2013

11:36 Uhr

Rekordanstieg

Japan kommt im Kampf gegen Deflation voran

Japan feiert im Kampf gegen den Zerfall der Preise Erfolge: Seit einem halben Jahrzehnt sind die Preise nicht mehr so stark gestiegen wie im August. Am Ziel sind die Wirtschaftspolitiker allerdings noch nicht.

Die Skyline von Tokio. dpa

Die Skyline von Tokio.

TokioJapan macht weitere Fortschritte im Kampf gegen die Deflation: Die Verbraucherpreise stiegen im August landesweit so kräftig wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Nach Regierungsangaben vom Freitag betrug die jährliche Inflationsrate ohne Berücksichtigung von Preisen für frische Nahrungsmittel 0,8 Prozent. Dies war der stärkste Preisschub seit November 2008. Die Daten geben weiteren Grund zur Hoffnung, dass Japan sich langsam aus der seit 15 Jahren herrschenden Deflation befreien könnte. Es sei aber noch zu früh, das Ende dieses Preisverfalls auf breiter Front zu verkündigen, mahnte Wirtschaftsminister Akira Amari. "Ein Ende der Deflation wird in weite Ferne rücken, wenn wir weiter kostengetriebene Inflation sehen, wo die Löhne mit steigenden Preisen nicht Schritt halten."

Japan kämpft seit Jahren gegen die Deflation. Fallen die Preise erst einmal, setzen Verbraucher darauf, dass Waren und Dienstleistungen immer günstiger werden und halten sich mit Ausgaben zurück. Die Firmen bleiben auf ihren Produkten sitzen, verlieren Umsatz und müssen Mitarbeiter entlassen, was den Konsum weiter drückt. Ministerpräsident Abe will dies mit seiner Wirtschaftspolitik ("Abenomics") beenden und setzt auf eine lockere Geldpolitik, bei der die Notenbank Milliarden in die Wirtschaft pumpt.

Experten gehen davon aus, dass die sogenannte Kern-Inflationsrate bis Jahresende auf ein Prozent steigen könnte - vor allem wegen höherer Energie- und Lebensmittelpreisen. "Der Preisanstieg beim täglichen Bedarf dämpft die Stimmung der Haushalte und ihren Konsum", sagte Yoshiki Shinke, Chefvolkswirt vom Dai-ichi Life Forschungsinstitut. Firmen könnten zwar die Gehälter leicht erhöhen, wenn die Konjunktur weiter gut laufe. "Aber das wird nicht genug sein, um den Rückgang der verfügbaren Haushalts-Einkommen im kommenden Jahr wettzumachen."

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

27.09.2013, 17:23 Uhr

Verbraucherverhalten bei Deflation und Inflation
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Sie stellen zutreffend fest: "Fallen die Preise erst einmal, setzen Verbraucher darauf, dass Waren und Dienstleistungen immer günstiger werden und halten sich mit Ausgaben zurück." Es fehlt aber die Feststellung, dass Verbraucher durch erwartete Inflation zum Konsum angeregt werden, weil sie davon ausgehen, dass morgen alles teurer sein wird. Stattdessen wird von Ihnen nur geschrieben, dass die Inflation die Realkommen, also das konsumierbare Einkommen vermindert. Das ist zwar richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Das makroökonomische Konjunkturproblem ist doch, welcher Teil des konsumierbaren Einkommens tatsächlich konsumiert wird, ob also die Inflation als Konsumanreiz stärker wirkt, als die Realeinkommenskürzung. In Ländern mit hoher Sparquote ist zu vermuten, dass der Konsumanreiz einer erwarteten Inflation überwiegt.

Mit gutem Grund hat Japan das Inflationsziel auf 2% erhöht. Die Inflation verliert ihren Schrecken, wenn die Inflationsrate s t a b i l und niedrig ist. Die EZB meint, dass eine stabile Inflationsrate von 2% überhaupt noch nicht als Inflation sondern immer noch als Geldwertstabilität empfunden wird. Dann fehlt es aber an der konsumfördernden Wirkung einer Inflation. Daher sollte das Inflationsziel auf 5% angehoben werden, damit die Verbraucher die Inflation fühlen und lernen, sich "inflationsgerecht" zu verhalten.

Die Sparer, die stabile Inflationsraten erwarten, werden längerfristig anlegen, weil sie dann höhere Zinsen bekommen, die die Inflationsraten ausgleichen. Aus kurzfristigen Anlagen, die das Bankensystem zu übermäßiger Fristentransformation anreizen, werden die Sparer bei stabilen Inflationsraten vertrieben. Und das ist gut so. Es erleichtert die Stabilisierung des Bankensystems, wenn die Sparer nicht in der Liquidität verharren, sondern ihren Hang zur Liquidität überwinden.

Eckhard Behrens, Heidelberg

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