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11.04.2013

13:02 Uhr

Rekordtief

So wenig Ausbildungsanfänger wie nie

2012 haben so wenig Menschen eine Ausbildung begonnen wie noch nie. Die Zahl der neuen Verträge sank um mehr als drei Prozent. Als Grund sehen Statistiker unter anderem die höhere Neigung zum Studieren.

Eine Auszubildende im Beruf der Zerspanungsmechanikerin. Die Zahl der Ausbildungsanfänger ist auf ein Rekordtief gesunken. dpa

Eine Auszubildende im Beruf der Zerspanungsmechanikerin. Die Zahl der Ausbildungsanfänger ist auf ein Rekordtief gesunken.

WiesbadenIm vergangenen Jahr haben so wenig junge Menschen in Deutschland eine Ausbildung begonnen wie noch nie. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge sank gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent auf den Minusrekord von 548 100, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Das waren 17 700 Verträge weniger als 2011, als Doppeljahrgänge von Abiturienten für eine kurzfristige Steigerung gesorgt hatten.

Als Gründe für die Rückgänge nannten die Statistiker die demografische Entwicklung und die höhere Neigung der Schulabgänger zum Studieren.

In den neuen Bundesländern einschließlich Berlin gingen die Zahlen mit einem Minus von 5,5 Prozent stärker zurück als im Westen (-2,7 Prozent). Im Osten gibt es weniger Ausbildungsbetriebe und der Anteil der Lehrlinge an den Gesamtbeschäftigten liegt unter dem gesamtdeutschen Durchschnitt.

Fakten zum neuen Armuts- und Reichtumsbericht

Schere geht auseinander

Der Graben zwischen Arm und Reich ist tiefer geworden. Auf die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte entfielen 53 Prozent (Stand: 2008, neuere Zahlen liegen nicht vor) des gesamten Nettovermögens. 1998 lag die Quote bei 45 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte besaß zuletzt lediglich gut ein Prozent des Nettovermögens. 2003 waren es drei Prozent. Von 2007 bis 2012 hat sich das Gesamtvermögen der Haushalte trotz der Finanzkrise um weitere 1,4 Billionen Euro erhöht.

Der Staat ist ärmer geworden

Sein Nettovermögen schrumpfte zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro, während es sich bei den privaten Haushalten um gut fünf Billionen Euro mehr als verdoppelte. Zu dieser Entwicklung trug die Privatisierungspolitik aller Regierungen in diesem Zeitraum bei. Die Erlöse aus dem Verkauf öffentlichen Tafelsilbers versickerten in den Haushalten.

Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit

Die „Armutsgefährdungsschwelle“ liegt nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 952 Euro im Monat. Je nach Datengrundlage gilt dies für 14 bis 16 Prozent der Bevölkerung. Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit. Auch für Alleinerziehende ist das Risiko hoch.

Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro

Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor stieg und lag zuletzt zwischen 21 und 24 Prozent. Im Jahr 2010 waren 7,9 Millionen Arbeitnehmer betroffen. Die Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro pro Stunde.

Grundsicherung im Alter

Nur 2,6 Prozent der über 65-Jährigen sind derzeit auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

Niedrigste Jugendarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit sank im Berichtszeitraum auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen reduzierte sich zwischen 2007 und 2012 von 1,73 Millionen auf 1,03 Millionen oder um mehr als 40 Prozent. In der EU weist Deutschland aktuell die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aus - begünstigt von der Hartz-IV-Gesetzgebung: Seit 2005 müssen Langzeitarbeitslose auch schlecht bezahlte Jobs annehmen. Die Ausweitung von Niedriglohnsektor und atypischer Beschäftigung (Zeitarbeit, Teilzeitarbeit, Minijobs) ging laut Bericht nicht zulasten von Normalarbeitsverhältnissen.

Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger schrumpft

Der Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger an der erwerbsfähigen Gesamtbevölkerung schrumpfte von 9,7 auf 8,2 Prozent. Gab es im Jahresdurchschnitt 2007 noch rund 5,3 Millionen Leistungsbezieher, waren es im Jahr 2012 (Januar bis September) nur rund 4,5 Millionen. Die Zahl der Hartz-IV-Kinder unter 15 Jahren sank von 1,89 auf 1,63 Millionen.

Fortschritte beim Bildungsniveau

Beim Bildungsniveau, das für die Chancen im Arbeitsleben mitentscheidet, gab es ebenfalls Fortschritte: Zwischen 2006 und 2010 sank die Zahl der Schüler ohne Abschluss von 8 auf 6,5 Prozent.

Die Gesamtzahl der Auszubildenden betrug zum Jahresende 2012 gut 1,43 Millionen, ein Minus von 1,9 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor. Auch diese Zahl bedeutet einen Minusrekord seit der Wiedervereinigung.

Das Handwerk musste einen Rückgang von 4 Prozent bei den Neuverträgen verkraften. Mit einem Minus von 2,8 Prozent blieb der größte Bereich Industrie und Handel nur leicht unter dem Schnitt.

Mit leichten Schwankungen geht die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse seit der Jahrtausendwende zurück. 1999 waren noch fast 88 000 Verträge mehr abgeschlossen worden als 2012.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Gast

11.04.2013, 13:13 Uhr

"demografische Entwicklung"

Mal wieder, hm?

"Als Grund sehen Statistiker unter anderem die höhere Neigung zum Studieren."

Nicht vielleicht das, was in einem früheren HB Artikel stand? Dass ein gravierender Anstieg von Firmen, die keine Ausbildungen mehr anbieten wollen herrscht? Was damals mit durch die Bank schlechten Azubis (Fehlen jeglicher Motivation und dergleichen) begründed wurde?
Dann ist ja gut.

Und jetzt sollen dann noch pro Jahr 120-180000 (!) Zuwanderer hinzu kommen?

Klingt doch alles sehr vielversprechend....

Account gelöscht!

11.04.2013, 13:37 Uhr

Tja, die soziale Hängematte (von Durchhängen!) ist verführerischer, weniger anstrengend und kostet keine Freizeit.
Vielleicht sollten verantwortliche Stellen finanzielle Anreize schaffen, so 5000 Euro/ Monat. Das müßte genügen, vorerst. Zur Finanzierung schlage ich vor, die Politiker-Bezüge auf die Hälfte zu kürzen und die so gewonnene Hälfte auf die Neu-Azubis zu verteilen.
Für den Steuerzahler wäre das ein Nullsummenspiel, zunächst.
Wer ist dafür und wer dagegen. (Politiker dürfen leider nicht mit abstimmen).

Ich_kritisch

11.04.2013, 19:58 Uhr

der Staat will , dass nach Möglichkeit 95% der Kids studieren ...

und in 30 Jahren gibt es dann keine Schreiner, Klempner, Dachdecker und Metzger mehr ....

schöne neue Welt :-)

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