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03.05.2013

15:33 Uhr

Rezession in Europa

Frankreich und Spanien bekommen mehr Zeit zum Sparen

Frankreich gerät immer weiter in den Strudel der Euro-Krise – und die europäischen Partner reagieren: Zusammen mit Spanien bekommt Paris mehr Zeit für den Schuldenabbau. Denn es droht eine hartnäckige Rezession.

EU-Währungskommissar verkündete die gesenkte Prognose für den Euro-Raum. dpa

EU-Währungskommissar verkündete die gesenkte Prognose für den Euro-Raum.

Frankfurt/BrüsselDie EU-Kommission will Spanien und Frankreich wegen der hartnäckigen Rezession mehr Zeit zum Schuldenabbau geben - und muss dabei nicht mit Widerspruch der Bundesregierung rechnen. Angesichts der schlechteren Konjunkturaussichten sei eine Fristverlängerung zum Abbau der Defizite um zwei Jahre vernünftig, sagte Währungskommissar Olli Rehn am Freitag in Brüssel.

Frankreich hätte damit bis 2015 und Spanien bis 2016 Zeit, die Neuverschuldung unter die im EU-Stabilitätspakt festgeschriebene Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu drücken. Die Bundesregierung erklärte, dies sei möglich, wenn ein Mitgliedsstaat das konjunkturbereinigte Defizit ausreichend gesenkt habe. Dem Vorschlag der Kommission müssen die EU-Finanzminister noch zustimmen.

Reichsten Euro-Länder nach Nettovermögen

Nettohaushaltsvermögen

Als Haushaltsvermögen gelten alle privaten Besitztümer der Menschen innerhalb eines Haushalts - also Sparbücher, Konten aber auch Lebensversicherungen und vor allem Immobilienvermögen. Die EZB-Studie zeigt nun erstmals, wie das Haushaltsvermögen in den Euro-Staaten aufgeteilt ist. Die Daten stammen aus den Jahren 2008 bis 2010. Nicht einbezogen sind die Euro-Länder Irland und Estland, da die Erhebung der Daten bereits begann, als die beiden Staaten den Euro noch gar nicht eingeführt hatten.

Platz 15: Slowakei

Mit einem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen von nur 79.700 Euro ist die Slowakei das traurige Schlusslicht innerhalb der erhobenen Euro-Länder. Damit hat das kleine Land, das zwischen Polen und Ungarn liegt, in dem zwar 1,4 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone liegen, nur 0,5 Prozent des Vermögens.

Platz 14: Griechenland

Der reiche Grieche ist ein Mythos. Der Großteil der griechischen Haushalte ist arm: Mit nur 147.800 Euro Nettovermögen liegen die griechischen Haushalte weit unter dem Durchschnitt in der Euro-Zone von 230.800 Euro. Obwohl Griechenland drei Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone stellt, besitzen die Menschen dort nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 13: Slowenien

In Slowenien liegt das durchschnittliche Nettohaushaltvermögen bei 148.700 Euro und damit nur wenige tausend Euro höher als das der Griechen. Doch Slowenien ist ein kleines Land: Die 0,6 Prozent der Haushalte halten 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 12: Portugal

Auch im Krisenland Portugal besitzen die Menschen nicht viel, im Durchschnitt 152.900 Euro je Haushalt. Damit besitzen die portugiesischen Haushalte, die 2,8 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone darstellen, nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 11: Finnland

161.500 Euro besitzen die finnischen Haushalte im Durchschnitt, damit reicht es im Vergleich unter den Euro-Ländern für Platz Elf. Die Finnen halten mit 1,8 Prozent der europäischen Haushalte 1,3 Prozent des Vermögens.

Platz 10: Niederlande

Auch unsere holländischen Nachbarn liegen unter dem EU-Durchschnitt. 170.200 Euro beträgt dort das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen. Damit haben die Niederländer zwar 5,3 Prozent der Haushalte in der Euro-Zone, aber nur 4,0 Prozent des Vermögens.

Platz 9: Deutschland

Für Deutschland, stärkste wirtschaftliche Kraft innerhalb der Euro-Zone, reicht es im Vergleich der Haushaltsvermögen nur für Platz Neun: Durchschnittlich 195.200 Euro besitzen die deutschen Haushalte - und liegen damit unter dem Euro-Zonen-Durchschnitt von 230.800 Euro. 28,7 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Deutschland, aber trotzdem nur 24,3 Prozent des Vermögens.

Platz 8: Frankreich

Frankreich steht besser da als Deutschland. Durchschnittlich 233.400 Euro beträgt dort das Nettovermögen der Haushalte und liegt damit leicht über dem Mittelwert der Euro-Zone. 20,2 Prozent der Haushalte halten 20,3 Prozent des Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 7: Österreich

265.000 Euro besitzen österreichische Haushalte im Durchschnitt an Vermögen. Damit haben die Österreicher anteilig mehr Vermögen als Haushalte der Euro-Zone: 2,7 Prozent der Haushalte besitzen 3,1 Prozent des Vermögens.

Platz 6: Italien

Auch das Krisenland Italien liegt deutlich über dem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen der Euro-Zone: 275.200 Euro an Vermögen haben die italienischen Haushalte im Durchschnitt angehäuft. Damit machen sie zwa rnur 17,2 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone aus, halten aber 20,6 Prozent des Vermögens.

Platz 5: Spanien

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit besitzen auch die spanischen Haushalte noch viel Vermögen, durchschittlich 291.400 Euro. Die Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2008. Damals besaßen die spanischen 12,3 Prozent der Haushalte innerhalb der Euro-Zone rund 15,6 Prozent des Vermögens.

Platz 4: Belgien

In Belgien liegt das Nettohaushaltseinkommen durchschnittlich bei 338.600 Euro - und damit weit über dem der Nachbarländer Niederlande oder Deutschland. 3,4 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Belgien, dort sammelt sich aber 5,0 Prozent des Vermögens.

Platz 3: Malta

Die bevölkerungsärmsten Euro-Länder haben die reichsten Haushalte. Mit 366.000 Euro Durchschnittsvermögen liegen die Haushalte auf der kleinen Mittelmeerinsel auf Platz drei. 0,1 Prozent der Haushalte der Euro-Zone sind auf der Insel zu finden - aber auch 0,2 Prozent des Vermögens.

Platz 2: Zypern

670.900 Euro Vermögen besitzen die Haushalte in Zypern im Durchschnitt - fast das dreifache des Mittelwerts der Euro-Zone, der bei 230.800 Euro liegt. Damit häuft sich bei den 0,2 Prozent der Haushalte der Euro-Zone rund 0,6 Prozent des Vermögenbesitzes.

Platz 1: Luxemburg

Die Luxemburger sind jedoch noch fast 40.000 Euro reicher als die Zyprioten: 710.100 Euro Vermögen besitzen die luxemburgischen Haushalte - und damit 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb Euro-Zone, auch wenn sich nur 0,1 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone in Luxemburg befinden. Das Großherzogtum hat damit unbestritten das höchste Nettohaushaltsvermögen.

Die EU-Kommission hatte ihre Prognose zur Wirtschaftsentwicklung in Frankreich gesenkt. Statt eines geringen Wachstums erwartet sie nun ein Schrumpfen des BIP um 0,1 Prozent, während die Regierung in Paris noch immer von einem Plus von 0,1 Prozent ausgeht. Diese Annahme sei viel zu optimistisch und überholt, sagte Rehn. Gleichwohl solle das Land bei der Konsolidierung des Staatshaushalts jetzt einen "bequemeren Weg" gehen. Frankreich sollte eigentlich schon dieses Jahr die Drei-Prozent-Grenze einhalten, wird aber nun voraussichtlich einen Fehlbetrag von 3,9 Prozent verbuchen.

Spanien steckt mit einem BIP-Minus von 1,5 Prozent dagegen tief in der Rezession. Das Defizit soll nach mehr als zehn Prozent 2012 dieses Jahr auf 6,5 Prozent sinken. Ohne Gegenmaßnahmen werde die Quote in Spanien im nächsten Jahr auf sieben Prozent und in Frankreich auf 4,2 Prozent klettern, warnte die Kommission.

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Da die südlichen Krisenländer in der Euro-Zone immer stärker unter der Rezession leiden, ist erneut eine Diskussion darüber ausgebrochen, die schmerzhafte Sparpolitik zu lockern und das Wachstum zu fördern. Das geringere Tempo beim Sparen und mehr Engagement bei Strukturreformen ist dazu die Kompromisslinie der EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde müsse darüber wachen, dass in Europa eine glaubwürdige Konsolidierungs- und Reformstrategie verfolgt werde, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. "Wir gehen davon aus, dass die Kommission sich dieser Verantwortung auch bewusst ist."

Mitglieder der Unionsfraktion hatten vor Kurzem allerdings von Frankreich eine schärfere Sparpolitik gefordert, um das Drei-Prozent-Ziel noch diese Jahr zu erreichen. Entscheidend sei der erreichte Rückgang des um Konjunktureffekte bereinigten strukturellen Defizits, sagte Seibert dagegen. Daran gemessen hat Frankreich zwar das vereinbarte Ziel in den vergangenen beiden Jahren erreicht, Spanien verfehlte es aber.

Kommentare (13)

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Jetzt_aber

03.05.2013, 11:34 Uhr

"EU-Kommission senkt Wachstumsprognose für Europa"

Das muß gefeiert werden.
Ich kaufe gleich noch ein paar Aktien nach.

Account gelöscht!

03.05.2013, 11:37 Uhr

"Schwieriger als erwartet" oder "schwieriger als bisher zugegeben"?

puenktli

03.05.2013, 11:37 Uhr

Ach, was für eine ÜÜÜÜÜÜÜberraschung! Immer dasselbe Theater. Vor wichtigen (zins)politischen Terminen ist alles wunderbar. Und dann kommt ganz überraschend (!!) - unerwartet ist auch sehr beliebt als Wort - die Realität. Wer soll das alles überhaupt noch ernst nehmen? Selber beobachten, analysieren und selber denken. Alles andere ist so zuverlässig wie Kaffeesatz-Lesen oder die Mitteilung der Zentrale für Agitation und Propaganda.

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