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24.02.2011

08:15 Uhr

Riesenloch im Haushalt

Deutschland reißt EU-Schuldengrenze

Der Kampf gegen die Wirtschaftskrise hat ein riesiges Loch in Deutschlands Staatskassen gerissen: Erstmals seit fünf Jahren wurde gegen die europäischen Defizitvorgaben verstoßen.

Geldscheine: Der Schuldenberg ist immer noch hoch. Quelle: dpa

Geldscheine: Der Schuldenberg ist immer noch hoch.

Wiesbaden

Die deutsche Staatsverschuldung ist 2010 über die im EU-Stabilitätspakt erlaubte Grenze von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes gestiegen. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen gaben 82 Milliarden Euro mehr aus als sie einnahmen. Das entspricht 3,3 Prozent der Wirtschaftsleistung, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Im Krisenjahr 2009 hatte das Minus genau drei Prozent betragen. In diesem Jahr soll die Neuverschuldung nach Angaben der Bundesregierung mit 2,5 Prozent wieder unter der im Maastricht-Vertrag festgelegten Drei-Prozent-Marke bleiben.

Die größte Finanzierungslücke klaffte im Etat des Bundes: Sie lag bei 57,9 Milliarden Euro. Die Länder wiesen ein Minus von 17,2 Milliarden Euro aus, die Kommunen von zehn Milliarden Euro. Die Sozialversicherungen meldeten dagegen einen Überschuss von drei Milliarden Euro.

Der heftige Wintereinbruch hat zudem die deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2010 gebremst. Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwar zwischen Oktober und Dezember um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte und eine erste Schätzung damit bestätigte. Im Sommer hatte es noch ein Plus von 0,7 Prozent gegeben. Eis und Schnee allerdings ließen die Bauinvestitionen um 3,9 Prozent schrumpfen und verhinderten damit ein stärkeres Wachstum. Für Impulse sorgten die Exporte mit einem Plus von 2,5 Prozent. Die Firmen fuhren ihre Investitionen in Maschinen und Anlagen um 2,6 Prozent hoch. Die Verbraucher gaben 0,2 Prozent mehr aus als im Vorquartal. Damit kam der Großteil des Wachstums aus dem Außenhandel, während der schwache Bau die Binnenwirtschaft drückte.

Für das erste Quartal 2011 rechnen die meisten Fachleute wieder mit einem stärkeren Wachstum, da vor allem die Produktionsausfälle am Bau aufgeholt werden dürften. Auf einen kräftigen Aufschwung deutet auch der Ifo-Geschäftsklimaindex hin: Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer klettert derzeit von einem Rekord zum nächsten.

Optimisten sagen der deutschen Wirtschaft für dieses Jahr ein Plus von drei Prozent voraus, die Bundesregierung erwartet einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 2,3 Prozent. 2010 hatte die Wirtschaft mit 3,6 Prozent das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung geschafft. Im Krisenjahr 2009 hatte es mit 4,7 Prozent noch den stärksten Einbruch seit Bestehen der Bundesrepublik gegeben.

Von

rtr

Kommentare (8)

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Aufgewachter

24.02.2011, 09:36 Uhr

"Der Kampf gegen die Wirtschaftskrise hat ein riesiges Loch in Deutschlands Staatskassen gerissen"

Ich lach´ mich gleich tot. Es war einzig und allein die Unfähigkeit "unseres" Dilettantenstadls, der sich "Regierung" nennt.

Wer Arbeit bestraft und gleichzeitig die Faulheit und den Vermehrungsdrang von ganzen asozialen "Harzer-Generationen" fördert, der gehört aus dem Land gejagt - und nicht auch noch mit üppigen Pensionen ausgestattet.

Account gelöscht!

25.02.2011, 11:18 Uhr

„Optimisten sagen der deutschen Wirtschaft für dieses Jahr ein Plus von drei Prozent voraus ...“

Und Realisten sehen die Sache ganz nüchtern.

Die konjunkturelle Erholung setzt sich im neuen Jahr auf breiter Basis "fort". Davon kann sich jeder überzeugen:
http://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/Konsumklima_und_Umsatz.jpg

Dass der Aufschwung bei den Gehältern und Boni der Bankster, den Verursachern der Krise angekommen ist, daran zweifle ich keine Sekunde. (Illegaler Zugriff auf unbegrenzte Steuergelder!!)

Und wenn man den Großteil der Schulden unterm Bett, bzw. in Schattenhaushalten versteckt, wird daraus auch noch kein Aufschwung.
http://www.siggi40.magix.net/public/Fotos/Staatsschulden_2.jpg

--- EU-Staaten greifen für krisengeschüttelte Banken tief in die Taschen ---
Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 genehmigte die Europäische Kommission nach eigenen Angaben Hilfen der 27 Mitgliedstaaten für den Finanzsektor im Umfang von insgesamt 4589 Milliarden Euro - kein Schreibfehler, leider.

Unehrliche Prognosen:
Die Wachstumsvorhersagen sind zur Hälfte reines Wunschdenken. In Wahrheit ist der Aufholprozess nach dem tiefen Einbruch der Wirtschaft höchst gefährdet.
http://www.fr-online.de/politik/meinung/unehrliche-prognosen/-/1472602/6709090/-/index.html

2011 erlahmt der Asienboom:
Die Konjunktur des Kontinents droht sich deutlich abzukühlen und damit den Aufschwung in Deutschland massiv zu schwächen. Experten rechnen nur noch mit halb so viel Wachstum in vielen aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens. Gleichzeitig haben viele Regierungen angefangen, ihre Konjunkturprogramme zurückzufahren, denen wir unseren „Aufschwung zu verdanken hatten“.

Dazu kommen noch Schäubles Albträume, über 1 Billion Euro Verlustvorträge von Firmen, das macht mind. nochmals 200 Milliarden Steuerausfälle – bei gleichzeitig explodierenden Ausgaben durch Sozialleistungen und Zinsen.

Unser erträumter Aufschwung – eine Fata Morgana

Account gelöscht!

17.04.2011, 08:22 Uhr

Wir hätten in Deutschland sämtliche Probleme mit Schuldenlöchern und Finanzkrisen gelöst, wenn man die mathematischen Regeln neu definieren würde (ähnlich wie die Regeln zum EU-Schuldendefizit).

Einen ersten Beitrag zu diesem Thema finden Sie in Peter´s Woche.

Die Lesson 1: die Prozentrechnung finden Sie unter: www.schockwellenreiter.de/blog/2011/04/11/realsatire-oder-%C2%BBpeters-woche-zur-prozentrechnung%C2%AB/


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