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21.09.2011

19:21 Uhr

Risiken enorm gestiegen

IWF malt düsteres Bild für Europas Banken

Die Belastungen für die europäischen Banken werden durch die Euro-Schuldenkrise immer größer. Der Internationale Währungsfonds (IWF) beziffert Risiken in den Bankbilanzen der EU auf Hunderte Milliarden Euro.

IWF-Chefin Lagarde. Nach einer Analyse des Währungsfonds schlummern in den Bilanzen der Banken in der EU große Risiken. dapd

IWF-Chefin Lagarde. Nach einer Analyse des Währungsfonds schlummern in den Bilanzen der Banken in der EU große Risiken.

Washington/AthenDie Risiken in den Bankbilanzen in der EU sind nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds bereits auf 300 Milliarden Euro gestiegen. 200 Milliarden davon rührten direkt von Anleihen der Euro-Schuldenkrisen-Staaten, heißt es im jüngsten IWF-Bericht zur Stabilität des Weltfinanzsystems, der am Mittwoch in Washington vorgelegt wurde. Etwa 100 Milliarden Euro kämen noch einmal durch Finanzverbindungen zwischen den Banken selbst hinzu. IWF-Chefin Christine Lagarde war erst kürzlich mit ihrer Forderung, Europas Banken bräuchten dringend finanzielle Unterstützung auf heftige Kritik in der EU gestoßen.

Mit dem Mut der Verzweiflung will die griechische Regierung ein weiteres hartes Sparpaket durchsetzen, um endlich die dringend benötigten Milliarden-Hilfe von EU und IWF zu ergattern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trifft angesichts der dramatischen Lage am 27. September ihren griechischen Amtskollegen Giorgos Papandreou.

Für Athen gibt es neue Hoffnung auf die Hilfsgelder Die „Troika“ - Experten der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalem Währungsfonds (IWF) - wird Anfang kommender Woche wieder nach Athen zurückkehren. Bei telefonischen Beratungen der Experten seien „gute Fortschritte“ gemacht worden, hatte die EU-Kommission am Vorabend mitgeteilt.

Gut eine Woche vor der Bundestagsabstimmung über den erweiterten Euro-Rettungsschirm ist ein Erfolg der schwarz-gelben Koalition weiter fraglich. Die Mehrheit von Union und FDP sei aber ohnehin nicht zwingend erforderlich, sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in der „Berliner Zeitung“. Davon hänge der Fortbestand der Regierung nicht ab.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

IWF

Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

ESM (Bareinzahlung)

Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

ESM (Bürgschaften)

Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

IWF-Rettungsplan für Griechenland

Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

EU-Rettungsplan für Griechenland

Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

Gesamt

Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

Einen heftigen Schlagabtausch über den Ausweg aus der Krise lieferten sich die Fraktionen im Bundestag. Eine Pleite Griechenlands ist nach Einschätzung der Linke-Abgeordneten Sahra Wagenknecht nur noch eine Frage der Zeit. Die Frage sei nicht, ob Griechenland zahlungsunfähig werde, sondern wann. „Das ist die 100-Milliarden-Euro-Frage“, sagte sie. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Steffen Kampeter (CDU) sprach von „vulgär-marxistischen Analysen“. Der gesamten Opposition warf er „Klamauk“ vor. SPD-Fraktionsvize Jochim Poß sagte, Merkels Machtverfall trete offen zu Tage und ihr Vize-Kanzler Philipp Rösler (FDP) solle sich nach der internationalen Verunsicherung durch seine Idee der geordneten Insolvenz für Griechenland fragen, ob er sein Amt aufgebe.

Kommentare (1)

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21.09.2011, 19:50 Uhr

Die Risiken in den Bankbilanzen:
+++ 18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken +++
44 Prozent der Vermögens-Werte der europäischen Banken sind "faul" oder unverkäuflich - in Summe 18,2 Billionen Euro. Dieses systemische Risiko könnte weitere Banken-Hilfspakete notwendig machen. Am 17.02.2009 in diepresse.com
http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/453406/182-Billionen-Euro-faule-Werte-vergiften-europaeische-Banken?from=gl.home_Wirtschaft

Weitere Hilfspakete wurden geleistet:
+++ EU-Staaten greifen für krisengeschüttelte Banken tief in die Taschen +++
Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2010 genehmigte die Europäische Kommission nach eigenen Angaben Hilfen der 27 Mitgliedstaaten für den Finanzsektor im Umfang von insgesamt 4589 Milliarden Euro. Kein Schreibfehler, leider. Am 01.12.2010 im tagesanzeiger.ch.
http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/konjunktur/EUStaaten-greifen-fuer-krisengeschuettelte-Banken-tief-in-die-Taschen/story/26492176
Doch die ganzen Steuermilliarden und –billionen sind schon wieder im Eigenhandel und an der Börse verzockt. Die armen sind schon wieder pleite, bzw. immer noch, mehr pleite geht nicht mehr.

Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf ca.600 Billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, aus den Bilanzen ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. Da is nix mehr zu retten – da is Feierabend!
http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf

Ohne einen Reset im Finanzsystem und einer Aufteilung in Geschäfts- und Zockerbanken wird es keinen Aufschwung in den westlichen Industriestaaten geben. So sicher wie das Amen in der Kirche.

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