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22.02.2013

09:00 Uhr

Rückgang um 0,6 Prozent

Mieses Exportportgeschäft drückt deutsche Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft ist zwischen Oktober und Dezember um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Der Hauptgrund dafür war das schwache Exportgeschäft.

Das Exportgeschäft der deutschen Unternehmen lahmt. dpa

Das Exportgeschäft der deutschen Unternehmen lahmt.

Wiesbaden/BerlinDer weltweite Konjunkturabschwung und die Euro-Krise haben die deutsche Wirtschaft zum Jahresende 2012 in die Knie gezwungen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im Schlussquartal 2012 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden bestätigte. Vor allem der Außenhandel trug zu dem Rückgang bei. Die Exporte gingen um zwei Prozent zurück - und damit wesentlich stärker als die Importe. Zudem investierten die von der Staatsschuldenkrise verunsicherten Unternehmen weniger in Ausrüstungen als im Vorquartal.

Positive Impulse kamen vom privaten und staatlichen Konsum.

Das reichte aber nicht aus um den Rückgang beim Export zu kompensieren. "Die Schwäche der Wirtschaftsleitung im vierten Quartal ist fast allein dem negativen Außenbeitrag geschuldet," sagt Unicredit-Ökonom Alexander Koch.

Die neuen Wachstumsmärkte der deutschen Exporteure

Malaysia

Fast fünf Prozent Wachstum jährlich werden dem aufstrebenden Land bis 2025 vorausgesagt. Im gleichen Zeitraum könnte sich das Bruttoinlandsprodukt verdoppeln. Ein Grund dafür ist die wachsende Wettbewerbsfähigkeit. Im internationalen Standort-Vergleich des World Economic Forum belegt Malaysia Platz 25, knapp hinter Deutschlands wichtigstem Handelspartner Frankreich (21), aber noch vor China (29) und Italien (42). "Malaysia ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt", lobt das Prognos-Institut.

Indonesien

Das muslimisch geprägte Land lockt mit einem riesigen Binnenmarkt: Indonesien ist gemessen an der Bevölkerung die Nummer vier der Welt. 240 Millionen Einwohner leben hier. Bis 2060 wird Indonesien zur sechstgrößten Volkswirtschaft der Welt aufrücken und Deutschland überholen, sagt die Industriestaaten-Organisation OECD voraus. "Das rohstoff- und bevölkerungsreiche Land wird 2012 und 2013 um mehr als sechs Prozent wachsen", prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Die Wirtschaft des Inselreichs profitiert von niedrigen Zinsen und einer niedrigen Inflation."

Kolumbien

Reiche Rohstoffvorkommen von Kohle über Öl und Gold bis zu Seltenen Erden, die Öffnung der Volkswirtschaft und nicht zuletzt eine deutlich verbesserte Sicherheitslage durch die Friedensgespräche mit den marxistischen FARC-Rebellen lassen auch hier ein jährliches Wirtschaftswachstum um die fünf Prozent erwarten. Für die Weltbank zählt Kolumbien zur Spitzengruppe in den lateinamerikanischen Staaten, wenn es um den Schutz geistigen Eigentums und Regulierung geht. "Das Land wird damit für ausländische Investoren interessanter", so der DIHK. Zusätzliche Impulse kommen von dem in Kraft getretenen Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union. Der DIHK hält deshalb sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten Steigerungsraten von mehr als 20 Prozent für möglich.

Peru

Noch mehr Wachstum wird Peru vorausgesagt: Sechs Prozent kann die Wirtschaftsleistung dort pro Jahr zulegen. Auch Peru hat ein Freihandelsabkommen mit der EU unterzeichnet und verfügt über viele Rohstoffe. Der DIHK hält deshalb ein Ausweitung des Handels um mehr als 20 Prozent für möglich. Besonders gefragt sein dürften Fahrzeuge. Dieser Markt lockt dem Prognos-Institut zufolge mit jährlichen Steigerungsraten von sieben Prozent.

Tunesien

Das World Economic Forum hält Tunesien, wo der arabische Frühling begann, für das wettbewerbsfähigste Land Afrikas. "Zu den größten Pluspunkten gehören die geografische Nähe zu Europa, eine belastbare Infrastruktur sowie die günstigen Lohnkosten", betont das Prognos-Institut. "Das Bildungssystem ist im regionalen Vergleich gut ausgebaut. Zudem haben zahlreiche Tunesier im Ausland studiert."

Vietnam

Schon jetzt zählt das asiatische Land mehr Einwohner als Deutschland, 2025 sollen es fast 100 Millionen sein. "Die konsumfreudige und zunehmend kaufkräftige Bevölkerung verspricht ein gewaltiges Absatzpotenzial: In kaum einem anderen Land Asiens wächst die Mittelschicht schneller als in Vietnam", so das Prognos-Institut. Mehr als sechs Prozent jährlich soll das Bruttoinlandsprodukt zulegen. Vietnam verfügt über unzählige billige Arbeitskräfte. Viele Unternehmen haben ihre Produktion deshalb schon aus dem teurer werdenden China in das Nachbarland verlagert.

Auch die Investitionen seien schwächer ausgefallen, nur der Konsum habe positiv zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen. Damit werde der moderate, aber stetige Aufwärtstrend beim Konsum bestätigt. "Auch in der Industrie haben wir zum Jahresende die Talsohle erreicht. Die Stimmungsindikatoren sind zuletzt gestiegen, der Einkaufsmanagerindex spiegelt eine höhere Nachfrage wider, das dürfte heute auch der Ifo-Index zeigen."

Konjunkturprognosen der vergangenen Monate

DIHK

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus. Bislang waren 0,7 Prozent erwartet worden. "Der Aufschwung in Deutschland ist vorerst verschoben", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Die Unternehmen schätzen ihre Lage deutlich schlechter ein als zu Beginn des Jahres." Für 2014 geht das DIHK von einem Wachstum von mehr als einem Prozent aus.

BDI

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, rechnet mit robustem Wachstum von bis zu 0,8 Prozent. Er ist damit weit optimistischer als die Bundesregierung.

Bundesregierung

Die Bundesregierung geht für 2013 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus.

Sachverständigenrat

Genau wie die Bundesregierung rechneten auch die "fünf Weisen" aus dem Sachverständigenrat zuletzt mit einem Wachstum von 0,8 Prozent. Wegen des starken Einbruchs im vierten Quartal 2012 haben sie den Wert jedoch auf 0,3 Prozent mehr als halbiert.

RWI

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Im Vergleich zur Herbstprognose wurde die Schätzung um 0,7 Punkte zurückgenommen.

Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für 2013 ein Plus von 0,3 Prozent voraus. Im Oktober 2012 war er für 2013 noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent ausgegangen.

EU-Kommission

Zum Lager der Optimisten gehört die EU-Kommission. Für Deutschland erwartet sie 2013 ein Wachstum von 0,5 Prozent. Das ist besser als die Erwartung für den Euroraum. Hier rechnet sie sogar mit einem Rückgang von 0,3 Prozent. Grund für die langsame Entwicklung sind die schlechte Binnennachfrage einiger Länder und große konjunkturelle Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten.

Bundesbank

Die Deutsche Bundesbank rechnet in ihrem Monatsbericht vom Dezember für 2013 mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2014 soll dies auf 1,9 Prozent steigen.

DIW

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet für 2013 mit einem Wachstum von 0,7 Prozent. Damit hat es seine Erwartungen nach unten korrigiert. Zuvor war es von einem Plus von 0,9 Prozent ausgegangen. Für 2014 rechnet das DIW mit einem Wachstum von 1,6 Prozent.

Ifo-Institut

Das Münchner Ifo-Institut geht für 2013 von einem Wachstum von 0,7 Prozent aus. Die Spanne der Schätzung reicht von minus 0,6 bis plus 2,0 Prozent.

Der Europa-Chefvolkswirt der Nordea, Holger Sandte, wertet die Zahlen ebenfalls als einmaligen Ausrutscher. "Am Jahresende ist einiges zusammengekommen. Zu den seit mehreren Quartalen schwachen Investitionen haben sich schrumpfende Exporte gesellt. Darin spiegelt sich die Verunsicherung durch die Schuldenkrise wider. Das sind schlechte Zahlen, wenn man in den Rückspiegel schaut, sagte er. Wer aber nach vorne blicke, erkenne einige Hoffnungsschimmer. Die Investitionen würden in diesem Quartal wieder steigen, weil die Euro-Unsicherheit abgeflaut sei. Auch die Weltwirtschaft laufe besser, vor allem die USA und China.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

22.02.2013, 09:29 Uhr

" Wer aber nach vorne blicke, erkenne einige Hoffnungsschimmer. Die Investitionen würden in diesem Quartal wieder steigen, weil die Euro-Unsicherheit abgeflaut sei. Auch die Weltwirtschaft laufe besser, vor allem die USA und China. "

Wie kann ein Wirtschaftsblatt solch einen Unfug unkommentiert lassen ? Auch die Zeitungskrise wird sich weiter verschärfen.

KORRUPTUS

22.02.2013, 09:40 Uhr

Das Bild zum Artikel passt sehr gut zur tatsächlich aktuellen Lage der deutschen Maschinenbauer (Autoindustrie). Diese Sparte hat im letzten Jahr hauptsächlich auf Halde produziert und so die Absatzzahlen künstlich aufgebläht. Schaut man sich den Target2 Salo einmal etwas genauer an, dann sieht man schnell wo dieses Multimilliardenloch der BUBA versickert ist. Aber hier in den Schreibstuben des Regierungstreuen HB bringt man seit 2 Jahren den Exportweltmeister Deutschland zu Papier.

Account gelöscht!

22.02.2013, 10:05 Uhr

"weil die Euro-Unsicherheit abgeflaut sei"

LOOOOOOOOL ....niemand hat vor eine MAuer zu errichten :D

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