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31.07.2012

13:45 Uhr

Saisonabschwung

Arbeitslosenquote steigt

Die Eurokrise schlägt sich immer mehr auf den Arbeitsmarkt nieder. So stieg die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone auf den höchsten Stand seit Einführung der Währung. Auch Deutschland kann sich dem Trend nicht entziehen.

Ferienmonat Juli

Arbeitslosenzahl steigt

Ferienmonat Juli: Arbeitslosenzahl steigt

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Nürnberg/Rom/Berlin/BrüsselDie Schuldenkrise hält die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf Rekordniveau. Im Juni waren 17,8 Millionen Menschen im Währungsgebiet ohne Job, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote lag wie im Mai bei 11,2 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Einführung des Euro. "Das sind noch einmal schreckliche Zahlen vom Arbeitsmarkt in Euro-Land, und das wirft dunkle Schatten auf die Konsumausgaben und die Wachstumsaussichten", sagte Analyst Howard Archer von IHS Global Insight.

Allerdings ist die Schere sehr groß. Während die kriselnden Schuldenstaaten Spanien mit 24,8 Prozent und Griechenland mit 22,5 (im April) Rekordzahlen melden, liegt die Arbeitslosenquote in Österreich mit 4,5 Prozent und Deutschland mit 5,4 Prozent - nach international vergleichbaren ILO-Daten - sehr niedrig.

Besonders hart trifft es in der Euro-Zone wie auch in Gesamteuropa die Jungen. Bei den Menschen unter 25 Jahren war mehr als jeder Fünfte ohne Job (22,4 Prozent in der Eurozone, 22,6 Prozent in allen EU-Ländern). Knapp 3,36 Millionen Junge hatten in der Eurozone keine Arbeit, 5,47 Millionen in allen EU-Ländern. Beide Werte sind um mehr als 200 000 geklettert.

Auch die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) hat neue Zahlen vorgelegt, diese beziehen sich jedoch schon auf den Juli. Zu beachten ist zudem, dass die EU-Statistiker die Arbeitslosenquote nach anderen Kriterien als die BA berechnet. Deshalb weichen die EU-Angaben von denen aus Nürnberg ab.

Laut BA-Statistik ist die Zahl der Arbeitslosen im Juli auf 2,876 Millionen gestiegen. Das seien 67.000 mehr gewesen als im Juni, aber noch 63.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Monatsvergleich nach deutschen Kriterien um 0,2 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent.

Wie Deutschland für den Abschwung gerüstet ist

Staatshaushalt

Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit seinem Staatshaushalt gut da. Auf Pump finanzierte Konjunkturprogramme lehnt die Bundesregierung ab. Nach dem aktuellen deutschen EU-Stabilitätsprogramm kommt der Gesamtstaat aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen schon in zwei Jahren ohne neue Schulden am Finanzmarkt aus. Schon 2011 hatte das Defizit nur noch bei einem Prozent gelegen. Auch strukturell - also unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur - schließt sich die Lücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben.
Damit einher geht, dass der in Jahrzehnten angehäufte Schuldenberg allmählich an Bedeutung verliert: Die Schuldenstandsquote soll von 82 Prozent des BIP 2012 auf 73 Prozent in 2016 zurückgehen. Fazit: Der Staat ist weit davon entfernt, wegen eines moderaten Abschwungs in die Knie zu gehen.



Sozialkassen

Die mit dem Aufschwung der vergangenen Jahre einhergegangene Rekordbeschäftigung hat die Lage der Sozialkassen erheblich entspannt. So erwartet die Bundesagentur für Arbeit (BA) dieses Jahr einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro. Allerdings warnen die Arbeitgeber bereits, bei einer Konjunkturabkühlung könnte die BA schnell wieder auf Zuschüsse des Bundes angewiesen sein. Rosiger schätzt das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel die Aussichten für die BA ein: Es erwartet 2012 einen Überschuss von fast drei Milliarden Euro.
Alle Sozialkassen zusammen - also Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung - könnten dem IfW zufolge in diesem Jahr auf einen Überschuss von 15 Milliarden Euro kommen. Damit hätten sie zumindest ein kleines Polster für den Abschwung.

Unternehmen

Noch sind die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt. Wie schnell die im Aufschwung angelegten Puffer aber schmelzen können, hat die Finanzkrise 2008/09 gezeigt. Auch ihr ging ein jahrelanger Aufschwung voraus, der in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit mündete. Und dennoch: Nie hatten so viele Deutsche einen Job wie jetzt. Viele Unternehmen werden selbst bei einem Konjunktureinbruch versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn Fachkräfte sind in Deutschland rar.
Auch der Bauboom dürfte die Wirtschaft selbst bei einem plötzlichen Konjunktureinbruch noch eine Weile stützen. Im ersten Quartal zog die Bauindustrie 12,5 Prozent mehr Aufträge an Land als ein Jahr zuvor. Bis die abgearbeitet werden können, vergehen Monate und Jahre, und bis dahin kann sich die Wirtschaft schon wieder erholt haben.

Politik

Paradoxerweise ist es von Vorteil, dass der jüngste scharfe Konjunktureinbruch nur drei Jahre zurückliegt: Die Erfahrung der handelnden Politiker ist frisch, und sie können auf Konzepte wie die Kurzarbeit zurückgreifen, die sich damals bewährt haben. Allerdings hat mit dem Aufschwung 2010/11 der Reformwille in der Politik nachgelassen. Dabei gäbe es noch immer genug zu tun, um den Standort fitzumachen für den demografischen Wandel und künftige Flauten. So bemängelt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), höhere Beiträge zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung hätten die Arbeitskosten 2011 erhöht. Unter den OECD-Ländern wird nur in Belgien der Faktor Arbeit noch stärker belastet.

BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise erklärte, die Arbeitslosigkeit sei in der Sommerpause vor allem aus saisonalen Gründen gestiegen. "Die Grundtendenz am deutschen Arbeitsmarkt ist im Juli weiter insgesamt positiv", sagte Weise. "Es zeigen sich aber Anzeichen einer schwächeren Entwicklung." Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen stieg die Arbeitslosenzahl saisonbereinigt um 7000 Erwerbslose. Volkswirte hatten einen Anstieg um 10.000 erwartet. Er räumte zwar ein, dass er für die kommenden Monaten mit keinem größeren Abbau der Arbeitslosigkeit mehr rechne. Aber die Nachfrage nach Arbeitskräften sei weiterhin hoch, betonte Weise am Dienstag in Nürnberg.

Für das Jahr 2012 erwarte er weiterhin eine durchschnittliche Arbeitslosigkeit von rund 2,9 Millionen. Er sehe keinen Anlass, diese Jahresprognose zu revidieren, erläuterte der BA-Chef. Diese Einschätzung setze allerdings voraus, dass es nicht zu „wirtschaftlichen Schocks“ etwa im Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise komme. Aber auch für einen solchen Fall sei die Bundesagentur gerüstet. Die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen seien darauf vorbereitet, Firmen sehr schnell etwa zu Kurzarbeit zu beraten, um einen größeren Jobabbau zu verhindern.

Kommentare (4)

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Hans

31.07.2012, 11:02 Uhr

Selbstverständlich werden demnächst sehr vile mehr MENSCHEN (nicht Zahlen) arbeitslos, trotz geschönter Statistik LÜGEN !!!
"Unsere" VolksverTRETER/Verräter tun ihr Möglichstes um Deutschland in den Abgrund zu bringen.
Und ws macht die Bevölkerung ????????
Weiterschlafen.....

Account gelöscht!

31.07.2012, 11:29 Uhr

Das geht auch weiter so, keine Sorge....der Deutsche muckt VIELLEICHT erst dann auf, wen er die Folgen direkt zu spüren bekommt...vorher passiert hier gar nichts, wieso auch? die Menschen merken allgemein nicht viel von der Krise und gehen nach wie vor 6 Monate im Jahr weiter für den Abzockestaat arbeiten.

Weiter so.....wenn dann niemand erwacht, haben sie es alle verdient und quasi eingefordert.

sdf

31.07.2012, 13:27 Uhr

ich denke wir kommen um eine 25h woche nicht herum. arbeiten von 9 bis 15Uhr sowie früher in der schule. das ist ein gesundes worklife-balance modell. man hat was vom tag und kann sich sportlich betätigen. weniger depression, übergewicht und freundlichere menschen wären die folge.

auf in das zeitalter der vollommenen automatisierung.

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