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16.04.2011

17:32 Uhr

Schäuble vor IWF

„Globale Finanzstabilität ist noch nicht völlig gesichert“

Finanzminister Schäuble geht vor dem IWF-Lenkungsausschuss mit der Bankenwelt ins Gericht. Die Banken müssten ihre Bilanzen in Ordnung bringen - und im Ernstfall sollten auch Bankenriesen abgewickelt werden können.

Finanzminister Schäuble will die Banken bei künftigen Krisen stärker in die Pflicht nehmen. Quelle: Reuters

Finanzminister Schäuble will die Banken bei künftigen Krisen stärker in die Pflicht nehmen.

WashingtonDeutschland ist mit dem Schutz der Welt gegen neue Finanzkrisen noch nicht zufrieden. 

Finanzminister Wolfgang Schäuble forderte am Samstag vor dem Lenkungsausschuss des Internationalen Währungsfonds (IWF) vielfältige weitere Schritte dafür ein. Dazu zählte er einen Abwicklungsmechanismus für in Not geratene grenzüberschreitend tätig Finanz-Großkonzerne, mehr Aufsicht und Regulierung für große Nicht-Banken wie Hedge-Fonds sowie weitere Reformen im internationalen Währungs- und Finanzsystem ein. „Die globale Finanzstabilität ist noch nicht völlig wiederhergestellt“, sagte er. Wichtige Wirkungszusammenhänge in der Finanz- und der Wirtschaftspolitik müssten noch eingehend abgeklärt werden. 

„Eine der größten Herausforderungen“ nannte es Schäuble laut Redetext, ein Modell zu entwickeln, um für das Gesamtsystem wichtige globale Finanzriesen gegebenenfalls restrukturieren oder auch abwickeln zu können. Darüber hinaus müssten die weithin unregulierten Schattenbanken stärker ins Visier genommen und Regeln unterwerfen werden. Handlungsbedarf bestehe aber auch, um die komplexen Wirkungszusammenhänge zwischen Banken- und Staatsrisiken sowie der Güterwirtschaft zu klären. Gerade derzeit sei das eine der wichtigsten Aufgaben bei der Sicherung der Finanzstabilität, sagte der Minister, offenbar auch mit Blick auf die Schuldenkrisen in einigen Euro-Ländern. 

Schäuble mahnte, nichts führe daran vorbei, die Schwächen im Bankensektor zu beheben. Die Finanzinstitute und Staaten, die über den Zugang zu den Kapitalmärkten verfügten, sollten die derzeit weltweit günstigen Finanzierungsbedingungen nutzen, um ihre Bilanzen relativ kostengünstig in Ordnung zu bringen. 

Ein weites Handlungsfeld sieht Schäuble in der Währungspolitik. So gelte es beispielsweise, extremen Schwankungen im weltweiten Kapitalfluss mit ihren negativen Folgen zu begegnen. Deutschland unterstütze die Erarbeitung von Leitlinien für die Absender wie Empfänger von Kapitalströmen. Es sollte eine Rangordnung von Handlungsinstrumenten hergestellt werden, um gegen schädliche Kapitalzuströme vorzugehen. Dabei räumte Schäuble ein, dass es - aber nur als „allerletzte Verteidigungslinie“ - für ein Land geboten sein könnte, den freien Kapitalfluss zeitweise zu beschränken.

Näher untersucht werden müssen laut Schäuble noch Fragen der globalen Liquidität. Ähnliches gelte für das Thema Währungsreserven in Verbindung mit Fehlentwicklungen bei den Wechselkursen. Positiv äußerte er sich zu einer Erweiterung des Währungskorbes, der die Basis für die Sonderziehungsrechte (SZR) des IWF darstellt. „Wir sind offen, weitere Währungen in den Währungskorb aufzunehmen, wenn die klar definierten Kriterien dafür erfüllt werden“, sagte er. Was den Ausbau der SZR zu einer Art alternativer globaler Reservewährung angehe, so sei das aber nicht ohne Risiken. Es dürfe nicht dazu kommen, dass so eine neue Quelle für ein unkontrolliertes Anwachsen der weltweiten Liquidität entsteht mit negativen Folgen für die globale Preisstabilität.

Von

rtr

Kommentare (22)

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Meine-lieben-Mitmenschen

16.04.2011, 18:59 Uhr

Es gibt keinen Schutz vor Finanzkrisen - nicht jetzt und nicht auf diesem Planeten, es IST ZU SPÄT !!!!
Gewolltermaßen !!!
Unsere "Politiker" haben den Bankstern in die Hände gespielt und tun es auch in Zukunft, solange sie können !!
Diese "alternative" SZR des IWF ist eine große Lüge und weitere Verarschung und Ausbeutung der Menschen.
Sie basiert nämlich auch auf Fiat-Money - wertloses Kredit/Schuldgeld aus der LUFT kreiert !
Meine lieben Mitmenschen - wacht bitte endlich auf !!!
Hinterfragt alles KRITISCH, hinterfragt unser Geld/Finanzsystem - es ist ein großer Schwindel. BETRUG !
Unsere "Politiker" sind nur Marionetten....wir sind die naiven Schafe.
Gefällt euch das etwa ????
Wacht endlich auf !!!!

Account gelöscht!

16.04.2011, 20:30 Uhr

Was will uns Schäuble damit sagen: Die heiße Luft kommt von der "Kacke", die weiterhin am Dampfen ist, nicht von den fleißigen Bemühungen der überaus klugen, weisen und einigen, nur das Gute für alle Menschen im Blick habenden Politiker! Beschönigendes Gefasel, das die baldigen Erruptionen im manipulierten Welt-Finanzgefüge verschleiern soll. Wertberichtigungen wurden bisher vertagt, Schulden lediglich werterverschoben und per Unrecht schaffender Vorgehensweisen denen an den Hals gehängt, die sich nicht dagegen wehren konnten bzw. nicht begriffen haben, was ihnen angetan wurde und ihnen zukünftig angetan werden wird. Daß es noch nicht zur Explosion des Goldpreises gekommen ist, liegt zum ersten daran, daß die in Haftung Genommenen ihre Lage nicht wahrhaben wollen oder können, weil ihnen der Überblick über die Zusammenhänge, Dimensionen und zukünftigen Auswirkungen fehlt und sie außerdem inzwischen zu arm sind, um in sinnvollem (effektivem) Umfang Vermögenswerte in Sicherheit bringen zu können.

Account gelöscht!

16.04.2011, 21:25 Uhr

Ich würde sogar sagen, die globalen Finanzmärkte und Finanzakteure stehen immer noch auf tönernen Füßen.

Aber es lockt das Geld (bei einer Zockerei) und so vergisst man wieder den 2009 nahenden Untergang ganzer Volkswirtschaften und begibt sich finanzwirtschaflich (die Banken) in den Spielsaal der staatlichen Spielbanken.

Aufgabe der Politik wäre es, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen.

Ich meine folgende Aufgaben wären zu erledigen, um den gesamten Finanzmarkt zu stabilisieren:

a) die Einführung einer Transaktionssteuer. Schreckt zu kurzfristige Tagesspekulanten von der vom eigentlichen Markt völlig losgelösten Kauf- u. Verkaufsspekulation von Aktien/Anleihen aber auch von Derivaten u.ä. im hochgefährlichen Spekulationsbereich merklich ein.

b) Entwicklung einer Insolvenzordnung speziell für Banken,

c) das Einsammeln der zu freizügigen und kostengünstigen Liquiditätsversorgung durch die EZB muss organisiert werden.

Aber die Hausaufgaben werden von der Politik nicht erledigt und damit ist das schwelende Risiko eines erneuten Finanzdesasters in Europa und Amerika nicht weit (also: es bleibt spannend).

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