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10.11.2013

16:40 Uhr

Scharfe Kritik an Zinssenkung

„Draghi missbraucht das Euro-System“

Die Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB reißt nicht ab. Ifo-Präsident Sinn spricht gar von Missbrauch. Die Probleme der Euro-Krisenstaaten würden so nicht gelöst.

Regt sich über die EZB auf: Hans-Werner Sinn. Reuters

Regt sich über die EZB auf: Hans-Werner Sinn.

Berlin/MünchenDer Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat angesichts der jüngsten Leitzinssenkung harsche Kritik an EZB-Chef Mario Draghi geübt. „Draghi missbraucht das Euro-System, indem er den Südländern Billig-Kredite gibt, die sie am Kapitalmarkt so nicht bekommen würden“, sagte der Ökonom der „Bild“-Zeitung. Die Rettung der Krisenländer sei nicht Aufgabe der EZB, sondern des dafür vorgesehenen Rettungsschirms.

Mittlerweile seien fünf Jahre verstrichen, ohne dass sich die Wettbewerbsfähigkeit in den Krisen-Staaten nennenswert verbessert habe, monierte Sinn. „Damit die Euro-Krisenländer mehr sparen und dringend überfällige Reformen umsetzen, brauchen sie höhere Zinsen, die ihrem höheren Konkursrisiko angemessen sind, nicht niedrigere Zinsen.“

Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, hatte betont, die aktuellen Probleme in Südeuropa seien nicht durch Zinssenkungen zu lösen. „Denn das Problem liegt in den Bilanzen der dortigen Banken, die immer noch viel Müll da drin haben. Und man muss deshalb die Bilanzen bereinigen.“

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Am Donnerstag hatten Europas Währungshüter den Leitzins von 0,5 auf das historische Tief von 0,25 Prozent gesenkt. EZB-Präsident Draghi hatte den Schritt mit der niedrigen Inflationserwartung und der zögerlichen Konjunkturerholung begründet.

Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Allerdings gab es nach der EZB-Entscheidung zahlreiche kritische Stimmen. Das niedrige Zinsniveau entwertet Geldanlagen und stellt etwa Lebensversicherer vor große Probleme, angemessene Überschüsse für ihre Kunden zu erwirtschaften. Zudem droht eine Blasenbildung am Immobilienmarkt.

Zumindest hier gibt Sinn aber Entwarnung. Der Immobilienboom in Deutschland werde zwar in den nächsten Jahren anhalten, sagte er der „Wirtschaftswoche“. Gleichzeitig widersprach er aber Warnungen, der Markt sei überhitzt.

Kommentare (7)

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11.11.2013, 08:14 Uhr

Draghis Politik zielt lediglich auf die Interessen von GR, I,P und SP ab. Seine Berücksichtigung von Ländern endet sozusagen an den Alpen.

Das Gerede vom sicheren Hafen kann er sich schenken, wenn er den Hafen bildlich gesehen mit Sand, sprich Geld, zuschüttet.

Account gelöscht!

11.11.2013, 08:18 Uhr

Es geht garnicht um einzelne Länder.
Wer läßt sich das denn noch weismachen?

Account gelöscht!

11.11.2013, 08:58 Uhr


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