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08.06.2011

06:25 Uhr

Schlaffer Aufschwung

Bernanke verteidigt die lockere Geldpolitik

Ben Bernanke klagt über das "frustrierend langsame" Wachstum der US-Wirtschaft. Um die Konjunktur anzukurbeln, will der Chef der US-Notenbank weiter billiges Geld bereitstellen. Gleichzeitig mahnt er die Politik.

US-Notenbankchef Ben Bernanke. Quelle: Reuters

US-Notenbankchef Ben Bernanke.

WashingtonDie US-Konjunktur hat nach den Worten von Notenbankchef Ben Bernanke an Fahrt verloren. "Das US-Wirtschaftswachstum scheint in diesem Jahr bislang ein bisschen schwächer als erwartet auszufallen", sagte der Fed-Chef am Dienstag in Atlanta. Gleichzeitig gab er aber keine Hinweise auf zusätzliche Stützungsmaßnahmen durch die Notenbank. In diesem Monat läuft das 600 Mrd. Dollar schwere Fed-Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen aus.

Die Wirtschaft wachse immer noch nicht so, wie sie eigentlich könnte, sagte Bernanke. Allerdings sei nicht davon auszugehen, dass der jüngste Schwächeanfall sehr lange anhalten werde. In der zweiten Jahreshälfte sei mit stärkerem Wachstum zu rechnen. Der jüngste Anstieg der Inflation sei besorgniserregend, sollte aber ebenfalls nur von vorübergehender Dauer sein.

An die Adresse der Politiker in Washington gerichtet warnte Bernanke vor aggressiven Haushaltskürzungen der Staatsausgaben. Sollten die Staatsausgaben zu schnell gestrichen werden, könnte dies die konjunkturelle Erholung gefährden.

Was die US-Schuldenkrise für die Märkte bedeutet

Sind die USA ein wackliger Schuldner?

Im August 2011 stufte S&P die USA herab und entzog ihnen damit das Top-Rating. Die Zeit des unumstößlichen AAA-Ratings der USA ist damit vorbei. Grund waren mangelnde Aussichten auf einen Abbau der Rekordverschuldung von 15 Billionen Dollar. Eine weitere Herabstufung schlossen S&P nicht aus.

Fitch und Moody's drohen ebenfalls mit einer Herabstufung, sollte keine neue Strategie zum Schuldenabbau folgen.

Warum haben die USA nicht längst ein noch schlechteres Rating?

Die USA sind mit dem Dollar flexibel in der Zins- und Geldpolitik und können Geld drucken, um Dollar-Schulden zu bedienen. Als größte Volkswirtschaft der Welt tragen sie fast ein Viertel zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Die Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und flexibel. Zudem zahlt die Regierung, bei einer Inflation von drei Prozent und Renditen unter drei Prozent für Anleihen mit Laufzeiten von weniger als zehn Jahren, real aktuell keine Zinsen. "Das steht in krassem Gegensatz, zu der Situation in vielen Euro-Ländern", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der VP Bank.

Wann werden die USA weiter herabgestuft?

Der Verlust des AAA-Ratings war vor einigen Monaten noch die "Billion-Dollar-Frage". Jetzt rätseln Analysten darüber, wann noch eine Stufe weiter abwärts geht. S&P haben eine weitere Herabstufung der USA nicht ausgeschlossen, sollte das Schuldenproblem nicht in den Griff bekommen werden. Behält die US-Regierung den jetzigen uneinigen Kurs bei der Schuldenbekämpfung bei, so werde Fitch spätestens 2013 den USA das Top-Rating entziehen.

Warum sind US-Staatsanleihen kaum unter Druck gekommen?

Weil die Ratings nicht (mehr) das non plus ultra für die Marktteilnehmer bilden. Die Warnungen der Ratingagenturen rücken zwar die problematische US-Verschuldung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit, bedeuten für professionelle Anleiheinvestoren "aber nichts, was wir nicht schon ohnehin wussten", sagt William O'Donnel von der Royal Bank of Scotland. Frankreichs Wirtschaftsminister Baroin meinte, man dürfe die Herabstufung nicht überbewerten. Ein nicht namentlich genannter Regierungsvertreter Japans erklärte ebenfalls, dass er weiterhin Vertrauen in die Anleihen der USA habe.

Drohen US-Staatsanleihen längerfristig Probleme?

Ja, wenn die Probleme nicht gelöst werden und die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit weiter senken. Der Ruf der US-Anleihen als weltweiter risikoloser Maßstab für andere Zinspapiere werde dann weiter abbröckeln. "Wenn die USA ihre langfristige Verschuldung nicht in den Griff bekommen, droht ein Vertrauensverlust der Investoren", warnt Thomas Meißner von der DZ Bank. Diese Gefahr gebe es vor allem deshalb, weil die USA fast zur Hälfte im Ausland verschuldet seien und ausländische Investoren schneller nervös würden als einheimische.

Profitieren Bundesanleihen vom Verlust des "AAA"-Ratings der USA?

„Ja“ sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt bei der Unicredit, „sie dürften die größten Gewinner sein, unter anderem, weil die Inflation in den USA spürbar anziehen wird.“ Voraussetzung dafür sei allerdings noch, dass Deutschland seine Spitzenbonität behält, was zurzeit der Fall ist.

Wie sind die Aussichten für den Dollar?

Bislang hat die US-Währung wenig reagiert. "Der Dollar profitiert seit mindestens drei Jahren stetig von Krisenszenarien, egal wo die Ursachen der Probleme liegen", erklärt Ralf Umlauf, Analyst bei der Helaba. Das liege vor allem daran, dass in Krisenszenarien viele US-Investoren ihre Anlagen in ausländischen Währungen verkaufen, und das stärke den Dollar.

Gegenüber dem Euro hat der Dollar keinen Wert einbüßen müssen, weil im Rahmen der Schuldenkrise der Euro-Länder der Euro zunehmend unter Druck geraten ist. Im August, dem Monat der Herabstufung der USA, ging es nämlich für den Euro stark abwärts.

Den Aufschwung in den USA nannte der Chef der Federal Reserve „unausgewogen“ und, aus Sicht von Millionen Arbeitslosen, „frustrierend langsam“. Die US-Arbeitslosenquote war im Mai auf 9,1 Prozent gestiegen - der höchste Wert in diesem Jahr. Im Vormonat lag sie bei 9,0 Prozent. Im vorigen Monat waren lediglich 54 000 neue Jobs geschaffen worden, der geringste Zuwachs seit acht Monaten. In diesem Monat endet ein heftig umstrittenes geldpolitisches Manöver der Notenbank, bei dem die Federal Reserve für 600 Milliarden Dollar Staatsanleihen mit dem Ziel kauft, die Zinsen niedrig zu halten. Dadurch soll die Nachfrage angekurbelt werden. Kritiker wenden ein, dass dadurch aber zugleich der Dollar künstlich geschwächt und Rohstoffpreise nach oben getrieben werden.

Der US-Leitzins bewegt sich derweil seit Dezember 2008 in einer Spanne zwischen 0,0 und 0,25 Prozent auf einem historischen Tief. Die Fed gehe weiterhin davon aus, dass „die wirtschaftlichen Bedingungen es wahrscheinlich notwendig machen, den Leitzins für eine längere Zeit auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau zu halten“ - das ist die Formel für das vorläufige Festhalten an ihrer Zinspolitik. Bernanke mahnte abermals eine Lösung für die immense Staatsverschuldung der USA an, warnte aber angesichts des lahmen Aufschwungs vor radikalen Maßnahmen. „Eine scharfe Konsolidierung der Staatsfinanzen auf kurze Sicht ist schädlich, wenn sie die nach wie vor schwache Erholung unterläuft“, sagte er. Es müsse klar sein, dass die Finanzprobleme des Landes langfristiger Natur seien.

Bis zu Bernankes Rede hatten die US-Börsen im Plus tendiert. Doch dann setzte sich wie schon an den Vortagen die pessimistische Grundstimmung an der Wall Street durch. Kurz vor Börsenschluss drehten die Indizes ins Minus.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

08.06.2011, 04:38 Uhr

Also weiter wie gehabt. Druckt doch eure Spielgelddollars, füttert die Märkte damit. Irgendwann kippt die Sache, und immer mehr Bürger werden von Dollar und Euro zur Edelmetallsicherheit wechseln, oder in sichere Währungen wie Schweizer Franken oder norwegische Krone!

MoneyMaster

08.06.2011, 07:19 Uhr

Der US Fed schwimmen die Felle davon! Der springende Punkt ist, dass die US Federal Reserve Bank eine reine private Institution ist. Sie muss als erstes den Shareholders dienen, nicht dem US Staat. Seit 2001 hat die US Fed die Leitzinsen gesenkt, um die Bush Administration im Sattel zu halten.
Unter sehr seltsamen Zusammenhaengen hat sich die US Fed 1913 das Recht erobert, den US Dollar zu drucken und zu zirkulieren. Rothschild, Warburg und Morgan waren die Gruender der US Federal Reserve Bank. Man kann viel geschichtliche Information ueber die US Fed finden wenn man bei YouTube unter Money Masters sucht.

Alles_Luege

08.06.2011, 08:38 Uhr

Die FED - ein korruptes Privatbanksterkartell....
US Regierung - Marionette des Fiat-Money und der reichsten Familien der Erde, die selbsternannte "Elite"
Diese Krise ist geplant, genau wie alle andren vorher...
Ebenso wie die Kriege. Amerika ist kein "freies Land"

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