Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.12.2013

14:59 Uhr

Schlechte Aussichten

Produktion in der Euro-Zone bricht ein

Die Produktion der Euro-Zone erlebt den stärksten Rückgang seit mehr als einem Jahr – Deutschland eingeschlossen. Ökonomen prognostizieren einen holprigen Start ins neue Jahr. Doch es sind nicht alle pessimistisch.

Wacklige Konjunktur: Die größten Produktionsrückgänge meldeten Irland (-11,6 Prozent), Malta (-7,4) und die Niederlande (-3,5). dpa

Wacklige Konjunktur: Die größten Produktionsrückgänge meldeten Irland (-11,6 Prozent), Malta (-7,4) und die Niederlande (-3,5).

Brüssel/ BerlinRückschlag für die Wirtschaft der Euro-Zone: Die Unternehmen fuhren ihre Produktion im Oktober so stark herunter wie seit über einem Jahr nicht mehr. Der Fehlstart in das vierte Quartal nährt die Spekulationen um ein erneutes Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Unternehmen stellten überraschend 1,1 Prozent weniger her als im Vormonat, teilte die Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Brüssel mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet, nachdem es bereits im September ein Minus von 0,2 Prozent gegeben hatte. Die Produktion sank sowohl bei dauerhaften Konsumgütern als auch bei Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen.

Der Rückgang deutet auf eine wacklige Konjunktur in der Euro-Zone hin, die bereits in den Sommermonaten nur noch um 0,1 Prozent gewachsen war. Mehr als ein Plus von 0,2 Prozent sei im laufenden vierten Quartal nun nicht mehr drin, erwartet die Commerzbank. "Die Industrie ist kein Zugpferd für die Erholung der Wirtschaft in der Euro-Zone", sagte Ökonom Ben May von Capital Economics. "Die Wirtschaftserholung bleibt fragil und holprig", sagte ING-Experte Martin van Vliet.

So stehen die Euro-Sorgenländer da

Frankreich

Deutschlands wichtigster Handelspartner wächst nicht mehr: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Sommer überraschend um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission traut dem Nachbarn nur einen blutleeren Aufschwung zu. 2014 soll es nur zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen, was etwa halb so viel ist wie in Deutschland. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet die Kommission, was wiederum den Konsum bremst. Obwohl das Wachstum 2015 auf 1,7 Prozent anziehen soll, dürfte die Arbeitslosenquote bis dahin auf 11,3 Prozent zulegen.

Italien

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion schrumpfte im Sommer nun schon das neunte Quartal in Folge und steckt damit in der längsten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Während die Industrie zulegte, gingen die Geschäfte der Dienstleister und Landwirte zurück. Zwei Rezessionsjahren dürfte eine kraftlose Erholung folgen: 2014 wird ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, das sich 2015 auf 1,2 Prozent erhöhen soll. Eine steigende Exportnachfrage dürfte die Unternehmen zwar zu mehr Investitionen ermutigen, erwartet die EU-Kommission. Die Arbeitslosenquote soll aber im kommenden Jahr weiter steigen.

Spanien

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat sich im Sommer aus der Dauer-Rezession befreit. Anziehende Exporte und der boomende Tourismus ließen das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent wachsen. Zuvor war es neun Quartale in Folge geschrumpft. 2014 könnte die spanische Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren in Folge erstmals wieder wachsen. Die EU-Kommission erwartet ein Plus von 0,5 Prozent, das sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen soll. "Die großen Anpassungen werden die Erholung einschränken", befürchtet die Kommission. Das reicht nicht, um die Arbeitslosigkeit kräftig zu drücken. Die Quote soll von 26,6 Prozent in diesem Jahr lediglich auf 25,3 Prozent im übernächsten Jahr fallen.

Griechenland

Im Frühjahrsquartal – neuere Daten liegen noch nicht vor – ging es um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bergab. Das am schwersten von der Schuldenkrise betroffene Land wird aber für 2014 ein kleines Comeback zugetraut: Das Bruttoinlandsprodukt soll dann erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. Das reicht nicht annähernd aus, um den für 2013 erwarteten Einbruch von 4,0 Prozent auszugleichen. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission, die dann mit einem Plus von 2,9 Prozent rechnet. Allerdings bleibt die Arbeitslosigkeit hoch. Sie soll von rund 27 Prozent auf 24 Prozent im Jahr 2015 sinken.

Irland

Von allen Krisenländern steht Irland am besten da. Bereits im Frühjahr wurde die Rezession abgeschüttelt mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. 2013 soll die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge zulegen, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Das Tempo dürfte sich 2014 auf 1,7 Prozent und 2015 sogar auf 2,5 Prozent beschleunigen. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften immer besser in Schwung kommen. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,7 Prozent fallen, nachdem sie 2012 noch bei 14,7 Prozent lag.

Portugal

Das kleine Land ist von Juli bis September bereits das zweite Quartal in Folge gewachsen - und zwar um 0,2 Prozent. 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen: Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,5 Prozent nahezu verdoppeln soll. "Die Exporte sind der Wachstumstreiber, während die Binnennachfrage 2014 wieder anziehen wird", prophezeit die EU-Kommission. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 17,3 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen.

Zypern

Der Inselstaat steckt noch mitten im Abschwung: Im dritten Quartal 2013 brach die Wirtschaftsleistung mit 0,8 Prozent so stark ein wie in keinem anderen Euro-Land. Um 8,7 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt im gesamten Jahr 2013 zurückgehen. 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die Kommission. Sowohl der Konsum als auch die Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird wieder mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen und erst 2015 wieder leicht auf 18,4 Prozent nachgeben.

Damit gerät die EZB wieder stärker ins Blickfeld, die erst im November ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt hatte. "Die heutigen Daten dürften die Spekulationen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik seitens der EZB anfeuern", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Er geht davon aus, dass die Zentralbank den Geschäftsbanken erneut billiges Geld zukommen lässt - allerdings unter Auflagen. Möglich ist, dass nur diejenigen Banken in den Genuss der Geldspritze kommen, die den Unternehmen ihres Landes mehr Kredite geben. Das könnte Investitionen und damit die Konjunktur ankurbeln.

Die größten Produktionsrückgänge meldeten Irland (-11,6 Prozent), Malta (-7,4) und die Niederlande (-3,5). In Deutschland schrumpfte die Produktion um 1,2 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet deshalb „allenfalls mit einem moderaten Wachstum" im vierten Quartal.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

xeoni

12.12.2013, 15:23 Uhr

Es wird hin und her gelogen! Die Realitäten sehen oft anders aus. Besonders die deutsche Inlandsnachfrage wurde seit Jahren sträflich vernachlässigt. Die seit Jahren netto sinkenden Renten, Arbeitnehmereinkommen fördern keine Nachfrage. Marketinggebildete sollten das wissen. Die hohen Energiekosten, kommunalen Abgaben, steigenden Lebensmittelpreise tun ihr Übriges. Die Politik versagt seit Jahren. Wer hat sie nur gewählt???

Seismograph

12.12.2013, 15:36 Uhr

Wie kann das sein HB? Seit Wochen singt ihr jeden Tag den gleichen Song! "Ende der Krise, die Wirtschaft boomt wieder"!
Ein Schmierenjournalismus nichts anderes und ueberwiegend nur der Regierungs- und Hichfinanzprobgandiste, dpa, rtr, apr, bb, usw. uebernommen!
Nicht wir, sondern IHR werdet den Preis fuer solch eine Dauerdesinformation erhalten!
Fuer wie bescheuert haltet ihr denn eure Leser? Hoffentlich nicht fuer Bescheuerter als ihr selbst seid, denn das wird harte Folgen haben! War nur ein guter Rat!

Account gelöscht!

12.12.2013, 16:33 Uhr

Ich weiß sowieso nicht was ich noch kaufen soll. Hab alles, Auto, Kühlschrank, diverse andere Geräte, kann auf großem Bildschirm Werbung gucken, Fleisch und Gemüse ist auch genug da. "Bespaßt" werden ich ja auch fast kostenlos, und zum Friseur muss ich auch nicht mehr.
Bischen Wellness vielleicht? Hier ein Luxusstückchen, dort eines, und dann? Meine Getränke mische ich auch selbst, zusammen mit Freunden und Nachbarn, Rezepte gibts online, Kontakte auch.
Ach nen Trimmrad ist auch schon hier, meine Frau hat die Fitneßklamotten auch so gut eingekauft, die reichen die nächsten 5 Jahre.
Also liebe Wirtschaft, was könntet ihr solchen Leuten wie mir noch bieten?
Eine Privatlehrer für meine Enkel, die haben auch schon alles was man so in der Werbung sieht im Zimmer.
Gesundheit kann man sich noch nicht kaufen, dafür kann man man kostenlos was tun und viel viel Geld sparen.
Irgendwann ist Wachstum am Ende, oder stagniert einfach mal, wenn man dann noch wirklich armen Leuten nicht mal einen MIndestlohn gönnt und Arbeiter für 4 Euro /Stunde für diese überfressene Gesellschaft schuften läßt, was wollt ihr denen verkaufen?
Oder in den nächsten Jahren den Rentnern? Die hätten wirklich Zeit zum Geld ausgeben, aber denen gibt man ja nix, dafür hinterzieht man lieber Millarden Steuern.
Dann stolpert mal schön.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×