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09.08.2011

15:55 Uhr

Schuldenkrise

Als Weltenretter ist China zu schwach

Europa kämpft mit der Euro-Krise, die USA stecken tief im Schuldensumpf. In der Not blicken viele Anleger nach Peking - wahrscheinlich vergeblich. Warum Ökonomen nicht auf Chinas Heilkräfte vertrauen.

Chinesische Flagge in Peking. Quelle: dpa

Chinesische Flagge in Peking.

Peking Die Retter von einst sind müde geworden: Mit einem gigantischen Konjunkturprogramm stützte China die Weltwirtschaft in der Finanzkrise 2008. Doch in der aktuellen Misere sollte sich niemand zu sehr auf Hilfe aus Fernost verlassen. Die Volksrepublik hat noch immer die Folgen des vier Billionen Yuan (rund 440 Milliarden Euro) schweren Pakets zu verdauen, das vor drei Jahren nicht nur die heimische Wirtschaft ankurbelte, sondern auch ausländischen Firmen einen Auftragsboom verschaffte.

In der derzeitigen Panik an den Weltbörsen richten Anleger, Unternehmen und Politiker wieder sehnsüchtige Blicke nach Peking. Auch in China werden Stimmen laut, die ein Anfahren der asiatischen Wachstumslokomotive fordern. „Es ist für die Regierung in Peking an der Zeit, der ganzen Welt zu sagen, dass sie die Nachfrage im Inland wieder ankurbeln will“, sagt etwa Tang Yunfei, Analyst bei Founder Securities in Peking. „Die Hoffnung ist unrealistisch, dass China dieses Mal bereit steht, die Weltwirtschaft zu retten“, entgegnet Yu Xuejun, Chef der chinesischen Bankenregulierung in der Provinz Jiangsu. „Wir verdauen noch immer die Reste des Pakets von 2008.“

„Die Situation ist heute viel schlechter in den Griff zu bekommen als 2008/09“, meint auch der Wirtschaftsprofessor der University of California, Barry Eichengreen. Damals sei China in der Lage gewesen, alle Register zu ziehen und ein riesiges Stimulus-Programm zu starten. Die Banken hätten freie Bahn gehabt, Kredite zu vergeben. „Heute haben Chinas Politiker weniger Handlungsspielraum“, schrieb der Professor in einer Analyse für das East Asia Forum. Wegen der hartnäckig hohen Inflation müsse jetzt die Kreditvergabe gebremst werden, die auch den Immobilienmarkt aufgebläht hat.

Die Quittung für die damaligen Maßnahmen war die massive Inflation. Die Zentralbank Chinas hat seit Herbst 2010 mit fünf Zinsschritten versucht, Herr der Lage zu werden. Mit mäßigem Erfolg: Lebensmittel bleiben teuer. Sehr zum Ärger der Chinesen kosten Nahrungsmittel heute 14,8 Prozent mehr als vor einem Jahr - Schweinefleisch sogar 57 Prozent mehr. Ein weiteres Anziehen der Preise könnte soziale Unruhen auslösen und womöglich die Macht der Kommunistischen Partei gefährden. Trotz aller Bemühungen: Derzeit beträgt die Teuerungsrate 6,5 Prozent und ist damit so hoch wie seit Juni 2008 nicht mehr.

Und die Schulden von 2008 lasten massiv auf dem Land. Damals gehörte China zu den ersten Ländern, die ein Konjunkturpaket schnürten. Die Regierungen in den Provinzen mussten sich viel Geld bei den Banken leihen, um ihren Anteil am Programm der Zentralregierung zu stemmen und Mittel für den Bau von Bahntrassen, Flughäfen und Straßen bereitzustellen. Die Schulden der Provinzen schossen daraufhin mit umgerechnet rund 1,2 Billionen Euro durch die Decke. Einige Analysten rechnen damit, dass bis zu ein Viertel des Betrages abgeschrieben werden muss.

Müsste die Zentralregierung für diese Schulden einstehen, würde das ein ziemlich großes Loch in die Staatskasse reißen. Neben der hohen Inflation ist das eine der größten Gefahren für das Wachstum Chinas. Die Banken dürften sich deshalb auch zieren, staatlichen Stellen wieder massiv Geld für Investitionsprojekte zu leihen.

Wenn sich die Aussichten für die Weltkonjunktur weiter eintrüben, könnte die Pekinger Regierung dennoch gezwungen sein, Hilfen ins Auge fassen. Diese Maßnahmen dürften dann aber nach Expertenmeinung weitaus bescheidener ausfallen als 2008. So wären Steuererleichterungen für kleine und mittlere Betriebe ebenso eine Möglichkeit wie Zuschüsse für Hausbauer mit geringem Einkommen sowie neue Kreditregeln für Banken, um kleinen Firmen mehr Geld in die Hand zu geben.

„China könnte wie Ende 2008 auch dieses Mal als sicherer Hafen angesehen werden, aber das alte Modell der auf Krediten basierenden Investitionen hat womöglich ausgedient“, sagt Analyst Vincent Chan von Credit Suisse in Hongkong. „Die Anleger sollten nicht so bald damit rechnen, dass China am Markt ähnlich auftritt wie 2009.“

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