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02.09.2011

10:31 Uhr

Schuldenkrise

EZB sorgt sich um die schlechte Lage der Banken

Die EZB-Mitglieder zeigen sich besorgt: Die Lage der Banken entwickele sich Schritt für Schritt in Richtung Finanzkrise 2008. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mahnt Italien, sich an die Sparzusagen zu halten.

Fordert Italien zum Einhalten der Sparziele auf: Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. dpa

Fordert Italien zum Einhalten der Sparziele auf: Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet.

Rom/BrüsselDie Europäische Zentralbank drängt die Euro-Zone an allen Fronten zu entschlossenem Handeln. EZB-Ratsmitglied Luc Coene pflichtete am Freitag IWF-Chefin Christine Lagarde bei und äußerte sich besorgt über die Lage der Banken: Die Situation entwickle sich Schritt für Schritt in Richtung der dramatischen Finanzkrise von 2008. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mahnte das hochverschuldete Italien, Strukturreformen anzugehen und seine Sparzusagen umzusetzen. Zudem pochte er auf eine bessere Koordination der Wirtschafts- und Finanzpolitik der 17 Staaten im Währungsraum.

„Das Hauptproblem in Europa ist Liquidität“, sagte der belgische Notenbankchef Coene der Tageszeitung „La Libre Belgique“. „Die Banken haben wieder Vertrauen verloren und leihen einander weniger. Die Lage ist nicht so schlimm wie 2008/09, aber man kann sehen, dass sich das Ganze Stück für Stück in diese Richtung bewegt.“ Der IWF hat zuletzt vor einem riesigen Kapitalloch bei europäischen Instituten gewarnt und schätzt den Bedarf der Branche bei einer weiteren Verschärfung der Schuldenkrise auf bis zu 200 Milliarden Euro. Politik und Banken wiesen die Berechnung scharf zurück: Sie habe große methodische Schwächen und löse unnötig Unsicherheit aus, hieß es am Donnerstag.

Coene begründete seine Sorge mit weiter offenen Fragen zur Rettung Griechenlands vor einem Bankrott, der zahlreichen europäischen Banken zwangsläufig Verluste bescheren würde. „Man muss sagen, dass die Kakophonie der öffentlichen Institutionen nicht von der Art ist, die die Finanzmärkte beruhigt.“ Trichet forderte Italien auf, sein Defizit zu senken und die Flexibilität der Wirtschaft zu vergrößern. Der von Ministerpräsident Silvio Berlusconi angekündigte Ausgleich des Haushalts bis 2013 sei „extrem wichtig“.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

02.09.2011, 12:26 Uhr

"Die Lage der Banken entwickele sich Schritt für Schritt in Richtung Finanzkrise 2008. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet mahnt Italien, sich an die Sparzusagen zu halten."

Da die Geldvermögen auf Kosten der Mehrarbeit anderer exponentiell weiterwachsen und damit auf der Kreditseite eine ebenso wachsende Verschuldung erzwingen, kommt die Deflation umso früher, je mehr die Staaten "sich an die Sparzusagen halten":

http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

Account gelöscht!

02.09.2011, 13:22 Uhr

Stimmt, das Geldsystem ist nicht zu retten. Wenn tatsächlich jeder anfangen würde seine Kredite zu tilgen (was ich grundsätzlich vernünftig finde), hätten wir am Jahresende einen Totalausfall aller Zinsbeträge. Denn ohne Geldmengenausweitung (eben durch neue Schulden) fehlt die Geldmenge für die Zinsen.

Allein das ausbleiben einer Neuverschuldung führt somit zu massiven Pleiten in der Wirtschaft und unter den Privathaushalten.

Wenn man diesen Weg tatsächlich gehen will (und irgendwann muss man das), warum dann nicht schon mal nen ersten Schritt wagen und Griechenland umschulden? So hätte man wenigstens noch ne Chance das ganze kontrolliert durchzuführen.

gerhard

02.09.2011, 16:29 Uhr

Präsident Jean-Claude Trichet ... pochte auf eine bessere Koordination der Wirtschafts- und Finanzpolitik der 17 Staaten im Währungsraum.......
Es sei kein Geheimnis, dass die EZB den Ankauf italienischer Bonds auf der Basis bestimmter Bedingungen begonnen habe (Zitate)

Das nächste "Sorgenkind" schickt seine Signale schon voraus. Da ist es
kein Wunder, dass Trichet die Regierungen erneut aufforderte, die Beschlüsse des Euro-Sondergipfels am 21. Juli schnell und umfassend umzusetzen. Bei dem Treffen wurde unter anderem vereinbart, die Kompetenzen des Rettungsschirmes EFSF auszuweiten.

Es wird Zeit einen Schlußstrich um die Rettungsschirme zu ziehen, ansonsten geht der Euro mit der EU und der EZB den "Bach hinunter". Um die EZB wäre es nicht so schlimm- aber dummerweise hängen wir alle jetzt wie "trockene Pflaumen auf einem Baum" mit dieser Bank zusammen.

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