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25.10.2011

11:58 Uhr

Schuldenkrise

Konsumklima in Italien rauscht in den Keller

Italien geht wegen des riesigen Schuldenberges und der Konjunkturflaute schweren Zeiten entgegen. Jetzt hat sich auch noch das Konsumklima der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone drastisch verschlechtert.

Regenschirme in den italienischen Nationalfarben. dapd

Regenschirme in den italienischen Nationalfarben.

RomDie Stimmung der italienischen Verbraucher ist wegen der Schuldenkrise so schlecht wie seit über drei Jahren nicht mehr. Das Barometer für das Konsumklima fiel im Oktober überraschend um 1,3 auf 92,9 Punkte und damit den fünften Monat in Folge, teilte das Statistikamt Istat am Dienstag mit. Das ist der schlechteste Wert seit Juli 2008.

Analysten hatten dagegen mit einen Anstieg gerechnet. Die Italiener schätzten die Konjunkturaussichten schlechter ein, ebenso die Lage der Familien und die Chance, Geld auf die hohe Kante zu legen.

Das sind Italiens größte Probleme

Der Schuldenberg

Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.

In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.

Hohe Neuverschuldung

Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.

Schwaches Wachstum

Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.

Export und Konsum

Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.

Allerdings ist das Land hier gespalten: Während sich die Stimmung insbesondere im strukturschwachen Süden und im Zentrum eintrübte, hellte sie sich im wirtschaftlich starken Norden auf.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone geht wegen des riesigen Schuldenberges und der Konjunkturflaute schweren Zeiten entgegen. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen für 2012 nur mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent nach 0,6 Prozent in diesem Jahr.

Andere Euro-Länder drängen die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi zu härteren Spar- und Reformanstrengungen, um eine weitere Eskalation der Schuldenkrise zu verhindern.

Berlusconi will vor dem EU-Gipfel am Mittwoch Vorschläge für einen Abbau der hohen Staatsverschuldung präsentieren.

Welchen Banken Italien Geld schuldet

Commerzbank

11,7 Milliarden Euro

Die Summe wie auch die folgenden sind Bruttoforderungen gegenüber der öffentlichen Hand. Die Daten stammen aus dem Stresstest des Europäischen Banken-Vereinigung (EBA). Stand: 31. Dezember 2010.

Deutsche Bank

7,7 Milliarden Euro (mit Postbank, keine Aufgliederung)

HRE-Konzern

7,1 Milliarden Euro

DZ Bank

2,7 Milliarden Euro

NordLB

1,9 Milliarden Euro

LBBW

1,4 Milliarden Euro

WGZ Bank

1,4 Milliarden Euro

West LB

1,1 Milliarden Euro

HSH Nordbank

700 Millionen Euro

BayernLB

485 Millionen Euro

LBB

300 Millionen Euro

Dekabank

300 Millionen Euro

Intesa Sanpaolo

Ungleich größer ist das Engagement bei den italienischen Banken. Intesa Sanpoalo hält gegenüber der öffentlichen Hand Brottuforderungen über 60 Milliarden Euro.

Unicredit

49,1 Milliarden Euro

Banca Monte del Paschi di Siera

32,5 Milliarden Euro

BNP Paribas

Viertgrößter Gläubiger ist eine französische Bank: Die BNP Paribas ist mit 28 Milliarden Euro in Italien engagiert.

Dexia

Die sich in Auflösung befindende Bank Dexia hält 15,8 Milliarden Euro.

Banco Populare

11,8 Milliarden Euro

Crédit Agricole

10,8 Milliarden Euro

Ubi Banca

10,5 Milliarden Euro

HSBC

9,9 Milliarden Euro

Barclays

9,4 Milliarden Euro

Societe Generale

8,8 Milliarden Euro

ING Bank

7,7 Milliarden Euro

Royal Bank of Scotland

7,0 Milliarden Euro

Von

rtr

Kommentare (3)

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Machiavelli

25.10.2011, 12:19 Uhr

Es ist doch ganz einfach, bei Fälligkeit werden die Anleihen zwangsverlängert mit einer Verzinsung die der Inflation (offizielle Zahlen) entspricht. Gleichzeitig, durch Sparmaßnahmen, wird der Schuldenberg langsam abgebaut, damit die Wirtschaft nicht erlahmt, wie in Griechenland geschehen.
So braucht Italien keine neue Anleihen platzieren und die Investoren bekommen am Ende, irgendwann, doch ihr Geld zurück und die Jährliche Zinsen dazu, wohlgemerkt.
Man kann so auf die Merkelche geistige Verwirrtheit verzichten.

Italiano

25.10.2011, 12:24 Uhr

Eigentlich ein vernünftiger Vorschlag! Und wer ist dagegen? Ich habe italienische Anleihen und für mich wäre der Vorschlag annehmbar. Dadurch habe ich keine Verluste. Vorausgesagt dass der Schuldenberg tatsächlich abgebaut wird und die Anleihen dann zurückgezahlt werden.

deritakerhatfertig

25.10.2011, 14:55 Uhr

Das Problem ist doch, dass die Italiener nie in der Lage sein werden keine neuen Schulden aufzunehmen. Man kann zwar die bestehenden Anleihen verlängern (theoretisch = Zahlungsausfall) Es müssen aber ständig neue Anleihen für die Neuverschuldung ausgegeben werden. Sparen heißt nicht keine neue Schulden aufnehmen, sondern weniger neue Schulden zu machen. Darum gibt es am Kapitalmarkt kein Vertrauen mehr, da keiner mehr seine Schulden zurückzahlen will. So einfach ist das Ganze. Die Gelddruckorgien der EZB für die rechtswidrigen Anleihenkäufe führen zu einem vollständigen Vertrauensverlust der Investoren! Da könnt ihr machen was ihr wollt.

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