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16.08.2011

21:11 Uhr

Schuldenkrise

Ökonom plädiert für Rückkehr zum Goldstandard

40 Jahre nach seiner Aufhebung hat der Goldstandard auch in Deutschland noch Anhänger. Aus Sicht des Deutschland-Chefvolkswirts von Barclays Capital, Thorsten Polleit, hätte er für Anleger viele Vorteile.

Goldbarren Quelle: dpa

Goldbarren

FrankfurtDer Deutschland-Chefvolkswirt von Barclays Capital und Wirtschaftsprofessor Thorsten Polleit hat im Gespräch mit Reuters die Vorteile des Goldstandards hervorgehoben. Bis zum 16. August 1971 waren die wichtigsten Weltwährungen zu festen Wechselkursen an den Goldpreis gebunden.

Dieser habe geholfen, heutige Probleme wie etwa Spekulationsblasen zu vermeiden, sagte Polleit.

"In der Tat würden die Probleme, für die nicht an reale Werte gekoppeltes Kreditgeld sorgt - wie zum Beispiel Konjunkturschwankungen und Spekulationsblasen - im Goldstandard nicht oder zumindest nicht in diesem Ausmaß auftreten“, sagte Polleit.

Auch für Anleger biete der Goldstandard aus seiner Sicht Vorteile. „Anleger hätten mit Gold ein recht verlässliches Geld, das nicht beliebig durch politische Eingriffe vermehrt werden kann, was in der Vergangenheit ja immer wieder zu Inflation geführt hat. Schon heute steht es den Anlegern offen, sich durch Goldkauf gegen Inflation zu schützen, die durch die Geldmengenausweitung der Zentralbanken entstehen kann.“

Dennoch glaubt auch Polleit nicht an eine baldige Einführung des Goldstandards. „Der Goldstandard ist derzeit, vor allem durch ideologische Vorbehalte, aber auch durch Unwissen, weitgehend diskreditiert. Die heute weltweit verbreitete monetäre Architektur - Ökonomen sprechen vom Papiergeldstandard - wird als „State of the Art' angesehen. Zudem wäre die Rückkehr zum Gold mit beträchtlichen Wechselkosten verbunden, die wohl gescheut werden.“

Vor 40 Jahren, am 16. August 1971, hob der damalige US-Präsident Richard Nixon die Goldbindung des Dollars auf. Seitdem bekommt niemand mehr, der eine Feinunze, also 31,1 Gramm, Gold auf den Tisch legt, in
den USA wie bis dahin 35 Dollar. Unter Nixon wurde der Dollar eine Papierwährung, der keinerlei greifbarer Gegenwert mehr gegenüberstand. Die Notenbanken haben seitdem freie Hand in ihrer Geldpolitik, weil sie sich bei ihren Entscheidungen nicht mehr am Goldpreis orientieren müssen.

Einige Fachleute glauben heute, dass eine Rückkehr zum Goldstandard dazu beitragen könnte, die Turbulenzen an den Märkten zu dämpfen. Schließlich fände dort angesichts der Turbulenzen schon heute eine „Abstimmung der Anleger mit den Füßen“ statt: Gold gilt nach wie vor als sicherer Anlagehafen in Krisenzeiten; der Goldpreis eilt von Rekord zu Rekord.

Gleichzeitig, so ein weiteres Argument der Befürworter einer Rückkehr zum Goldstandard, würden der Politik der Federal Reserve, der Europäischen Zentralbank (EZB) und anderer Notenbanken durch den Goldstandard Grenzen gesetzt. Die Macht der Zentralbanken und die damit verbundenen Risiken bei einer falschen Geldpolitik wären geringer.


Von

rtr

Kommentare (17)

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Blinse

16.08.2011, 21:51 Uhr

Ach du Scheiße!

antike

16.08.2011, 21:55 Uhr

Ein beständiger Wert wäre auch ein Liter Trinkwasser oder/und eine CO" neutrale Kilowattstunde .
Das gemixt mit dem faczinierendem Aurum gäbe eine wunderbare
Währungsorientierung.
Je nach Fortschritt der zivil- Gesellschaften im Geistigen-Bewußtseinsbildenden Lernproßess, ist dieser MIX durch Z.B.
1Kg Kabeljau erweiterbar.
Beginnen wir mit der Währung und nennen diese LITER !

TecoScr

16.08.2011, 21:59 Uhr

"Unter Nixon wurde der Dollar eine Papierwährung, der keinerlei greifbarer Gegenwert mehr gegenüberstand."

Der "Gegenwert" einer Währung war und ist nie die Deckung durch Edelmetalle, sondern die Waren, die in jener Währung gehandelt werden. Auch in Zeiten des Goldstandards hat niemand US-Dollar getauscht, um in Gold ausbezahlt zu werden, sondern um amerikanische Produkte zu kaufen. Das gleiche gilt für jede andere Währung. Man besorgt sich Euro, um auf dem europäischen Markt beliebige Produkte zu kaufen. Solange dies möglich ist, braucht es keinen Goldstandard.

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