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05.10.2011

15:05 Uhr

Schuldenkrise

Soros warnt vor großer Depression

ExklusivDer Spekulant fordert Europas Politiker zum Handeln auf. Drei mutige Schritte s eien jetzt erforderlich.

Star-Investor George Soros sieht die Euro-Zone vor einem jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang. AFP

Star-Investor George Soros sieht die Euro-Zone vor einem jahrelangen wirtschaftlichen Niedergang.

Der international renommierte Fondsmanager und Spekulant George Soros fordert die europäischen Regierungen auf, die Kontrolle über die Finanzmärkte zurückzugewinnen. Andernfalls drohe eine "neue große Depression mit unabsehbaren politischen Konsequenzen", warnt Soros in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Drei mutige Schritte seien jetzt erforderlich. Zuerst müssten sich die Regierungen der Euro-Zone prinzipiell auf ein Abkommen über eine neue, gemeinsame europäische Finanzbehörde einigen. In der Zwischenzeit müssten die Großbanken unter die Regie der Europäischen Zentralbank gestellt werden, wofür sie im Gegenzug eine zeitlich begrenzte Garantie und dauerhafte Rekapitalisierung erhielten. Drittens müsse die EZB Ländern wie Italien und Spanien eine temporäre Refinanzierung ihrer Schulden zu sehr geringen Kosten ermöglichen.

Diese Schritte könnten die Märkte beruhigen und Europa Zeit für eine Wachstumsstrategie verschaffen, ohne die das Schuldenproblem nicht gelöst werden kann, meint Soros. "Die Bedeutung einer solchen Wachstumsstrategie darf nicht unterschätzt werden, da die Schuldenlast – das Verhältnis zwischen Schulden und jährlichem BIP – teilweise von der Wachstumsrate der Wirtschaft abhängt." Da ein Euro-Zonen-Vertrag zur Schaffung einer gemeinsamen Finanzbehörde Zeit benötige, müssten sich die Mitgliedstaaten in der Zwischenzeit an die bereits existierende Finanzbehörde, die EZB, wenden, um das Vakuum zu füllen. "In seiner aktuellen Form ist der erste Ansatz einer gemeinsamen Finanzbehörde – die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität – nur eine Geldquelle. Wie das Geld ausgegeben wird, ist Sache der Mitgliedstaaten."

Die dringendste Aufgabe bestehe darin, die Ansteckung nach einer möglichen Pleite Griechenlands abzuwehren. Geschützt werden müssten zwei mögliche Opfer: die Banken und die Staatsanleihen von Ländern wie Italien und Spanien. Um diese Aufgaben zu erfüllen, würde die EFSF in erster Linie als Bürge und zur Rekapitalisierung der Banken eingesetzt werden. Systemisch wichtige Banken müssten sich mit der EFSF darauf einigen, sich während der Laufzeit der Garantien an die Anweisungen der EZB zu halten. Für Banken, die dies ablehnen, würde nicht gebürgt werden, "aber es würden genug Banken zustimmen, um die EZB mit einer kritischen Masse auszustatten".

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

05.10.2011, 17:40 Uhr

Ach, der alte Mann. Hat der etwa auf's falsche Pferd gesetzt? Mir kommen die Tränen...

Blackster

05.10.2011, 18:17 Uhr

Herrliches Schauspiel!Das wird NOCH BESSER als 2008!

Einfach nur herrlich wie ALLE BETEILIGTEN versagt haben.
Jungs, dies ist immer noch die Bankenkrise von 2008 - sie hatte GANZE DREI JAHRE ZEIT vor sich hinzuschwelen weil unsere Politiker und Medien nichts anderes zu tun hatten als Jubelmeldungen rauszuposaunen!

Macht euch keine Hoffnungen - das Spiel ist aus!

gabsch

05.10.2011, 18:29 Uhr


3 mutige Schritte seien jetzt erforderlich,meint Soros.
1)Abkommen über eine neue, gemeinsame, europäische
Finanzbehörde--
Was so solidarisch aus S. Munde klingt, wäre für Deutschlands
Steuerzahler,und Bürger Fatalismus pur. Es soll ja kein
Staatsbürger mehr sehen, wieviel deutsches Geld in diese,
dann wahrscheinlich von Olivenrepräsentanten geführte Finanz-
behörde fließt! Soros,die Politiker und die Hochfinanz wissen
das. Darum wollen die Politverräter auch keine Referenden,
obwohl sie laut Lissabon-Vertrag zwingend wären!
2)Großbanken sollen unter EZB-Regie gestellt werden.--
Abgesehen davon,ob das die Großbanken selbst wollen,hieße
das doch ins Praktische übersetzt,daß überwiegend deutsche
Steuergelder dauerhaft überwiegend PIIGS-und französische
Banken rekapitalisieren,dem EFSF-mit Hebelwirkung sei Dank.-
Dieser Bankensozialismus ist entschieden und energisch zu
verneinen!
3)Die EZB müsse Länder wie Italien und Spanien temporär ihre
Schulden(Anleihen) mit geringen Kosten ermöglichen---
Das tut die EZB schon seit Wochen,auf Kosten der AAA-
gerateten Länder!
Aber auch der schon sehr richtige Vorschlag , bezüglich der
Wachstumsstrategien ist hinsichtlich der Mentalität der
PIGS(ohne Irland) in der Umsetzung mehr als gutmeinend,
ökonomisch-naiv,ein bisserl schreibtischtheoretisch wie ich
meine.In den Leistungsgesellschaften schaut die Praxis
dann oft ganz anders aus. LG

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