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08.06.2011

12:20 Uhr

Schuldenkrise

Spitzenökonomen stützen Schäubles Griechenland-Plan

VonDietmar Neuerer

ExklusivIst Europa für den Fall einer Griechenland-Pleite gewappnet? Finanzminister Schäuble hat Zweifel und dringt auf einen neuen Rettungsplan. Ökonomen hat er auf seiner Seite, doch EZB und IWF mauern.

Athens Bürger demonstrieren vor dem Parlament gegen die Sparpläne ihrer Regierung. Quelle: dapd

Athens Bürger demonstrieren vor dem Parlament gegen die Sparpläne ihrer Regierung.

DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland unterstützen den Ruf von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nach einer Umschuldung Griechenlands unter Beteiligung privater Gläubiger. Sie sehen dabei vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) in der Verantwortung, ihre Blockadehaltung in dieser Frage aufzugeben. „Wenn sich die EZB nicht mehr grundsätzlich einer Umstrukturierung der griechischen Schulden verschließt, kann die griechische Schuldenlast gesenkt werden, ohne dass daraus ein Kreditereignis wird“, sagte der Freiburger Wirtschaftsweise Lars Feld Handelsblatt Online.

FDP-Politiker Schäffler: Griechischer Währungsabschied rettet den Euro

FDP-Politiker Schäffler

exklusivGriechischer Währungsabschied rettet den Euro

Union und FDP beharren auf eine Privatgläubiger-Beteiligung bei neuen Griechen-Hilfen. FDP-Finanzexperte Schäffler jedoch sagt, was er von weiteren Unterstützung des Pleitestaats hält: gar nichts.

Eine Umstrukturierung der Schulden ohne Zahlungsausfall müsse das Ziel sein. „Dies ließe sich erreichen, wenn die Gläubiger Anreize erhalten, existierende griechische Staatsanleihen in solche mit längerer Laufzeit umzutauschen“, erläuterte das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Auch weitergehende Umtauschszenarien seien vorstellbar. Möglich sei beispielsweise der Ankauf von Anleihen zum niedrigeren Kurswert, die angesichts des Schuldenberges Griechenlands zum Zuge kommen dürften.

Schäuble hatte in einem Brief an EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor einem Bankrott Griechenlands für den Fall gewarnt, dass Athen keine weitere Unterstützung erhalten sollte. Man stehe vor dem realen Risiko der ersten ungeordneten Staatsinsolvenz innerhalb der Euro-Zone, schreibt Schäuble an Trichet, seine Kollegen aus den Euro-Ländern und an den Internationalen Währungsfonds (IWF). Deshalb halte er neue Hilfen für notwendig - auch, damit der Internationale Währungsfonds sich weiter beteilige.

Der amtierende IWF-Chef John Lipsky reagierte zurückhaltend auf den Schäuble-Vorstoß. Die jetzigen Pläne zur Unterstützung Griechenlands beinhalteten keine Umschuldung, sagte Lipsky der Nachrichtenagentur Reuters. Die Idee, dass private Gläubiger freiwillig einer Laufzeitverlängerung zustimmen würden, sei zudem hypothetisch. EZB-Präsident Trichet  ist ein großer Gegner einer Umschuldung Griechenlands.

Die Währungshüter können sich allenfalls eine freiwillige Beteiligung der privaten Gläubiger vorstellen, so wie es sie 2009 in der Finanzkrise schon einmal gab, als es darum ging, Osteuropa vor der Insolvenz zu retten. Damals haben die Banken ihre Engagements in Osteuropa nicht heruntergefahren, sondern konstant gehalten und damit das Schlimmste verhindert. Im Fall Griechenlands haben sie sich bislang allerdings nicht an ähnliche Absprachen gehalten.

Kommentare (8)

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POPPER

08.06.2011, 13:15 Uhr

Gott schütze uns vor deutschen Spitzenökonomen. Dieses ganze Gerede von einer Umschuldung hilft nur den Spekulanten und heizt das "Casino" weiter an.

Buerge-r

08.06.2011, 13:29 Uhr

„Die EZB weist zu Recht darauf hin, dass eine harte Umstrukturierung der Schulden Griechenlands zum jetzigen Zeitpunkt wieder unkontrollierbare Folgen haben könnte, die sie weiter in die finanzpolitischen Fäden verstricken könnte“, sagte Kater Handelsblatt Online. Daher rate sie auch dringend davon ab“.

Sehr schön, aber wozu rät die Europäische Zentral Bad Bank (EZB) dann? Wenn Sie glaubt, der dumme Unter- und Mittelschicht-Steuermichel wird, die Suppe die sich die EZB durch das Wegputschen des Maasstricht-Euros und das heimliche Ersetzen durch den "Polit-Euro" selbst eingebrockt hat, auslöffeln, sollte man sie schnellstens eines besser belehren!

Ihre Alternative weitere Verschuldung der noch halbgesunden Länder ohne eine nachvollziehbare Aussicht, dass Länder im Schuldensumpf in absehbarer Zeit wieder auf eigenen Beinen stehen können, ist absurd, betrügerisch und verstösst mehrfach gegen die deutsche Verfassung. Also entweder man geht ganz neue und kreative Wege oder hört endlich auf sich wegzuducken, zu verdrängen und zu verleugnen und sieht stattdessen den TATSACHEN ins Auge!

Account gelöscht!

08.06.2011, 13:56 Uhr

Die EZB hat Sorge vor finanzpolitischen Verstrickungen? Lustig, sie steckt doch schon mittendrin. Die EZB hat sich bereits hoffnungslos verheddert in diesen Rettungsopern und hat ihre eigentliche Zielsetzung schon in bedrohlichem Maße aufgegeben.

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