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03.09.2011

14:05 Uhr

Schuldenkrise

Weltbank-Chef warnt vor neuen Gefahren für die Weltwirtschaft

Wie sehr gefährdet die Schuldenkrise in Europa und den USA die Konjunktur? Weltbank-Chef Zoellick glaubt, es werde bald eine „neue gefährliche Phase geben“. Bosch-Chef Fehrenbach warnt davor eine Rezession herbeizureden.

Weltbank-Chef Zoellick erwartet schwere Zeiten für die Währungsunion und die Banken. AFP

Weltbank-Chef Zoellick erwartet schwere Zeiten für die Währungsunion und die Banken.

PekingWeltbank-Chef Robert Zoellick hat für die kommenden Monate eine weiterhin schwierige Zeit in der internationalen Finanz- und Wirtschaftspolitik vorausgesagt. Es werde „diesen Herbst eine neue gefährliche Phase“ geben, sagte Zoellick am Samstag in Peking zur Eröffnung einer Konferenz zur Zukunft Chinas. Die Finanzkrise in Europa sei „eine Krise der nationalstaatlichen Schulden geworden, mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Währungsunion, die Banken und die Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Länder“.

Die USA wiederum seien „konfrontiert mit der Schuldenfrage, Ausgaben, der Steuerreform, um das Wachstum der Privatwirtschaft zu unterstützen“, analysierte der Weltbank-Chef. All diese Probleme seien in einem „internationalen Kontext eines verlangsamten Wachstums und eines geschwächten Vertrauens“ zu bewältigen.

China rief Zoellick auf, bei seinem Wirtschaftswachstum weniger auf Investitionen aus dem Ausland und Exporte und mehr auf den Konsum der eigenen Bevölkerung zu setzen. Die Weltbank habe China im Juli in die Gruppe der Volkswirtschaften mit überdurchschnittlichem Einkommen eingestuft. In den kommenden 15 bis 20 Jahren könne das Land in die Kategorie der Länder mit hohen Einkommen aufsteigen. Dazu sei aber ein Strategiewechsel nötig.

Optimistischer äußerte sich Zoellick zu China. Das Land sei auf gutem Wege in den nächsten 15 bis 20 Jahren beim Pro-Kopf-Einkommen auf das Niveau einer „high-income“-Nation nach Weltbank-Definition zu werden. Obwohl China inzwischen zur zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA aufgestiegen ist, beträgt das jährliche Pro-Kopf-Einkommen mit gerade mal 4260 Dollar nicht einmal ein Zehntel des Pro-Kopf-Einkommens in den Vereinigten Staaten, dass nach Weltbank-Daten bei 47.140 Dollar liegt.

„Die Länder mit mittlerem Einkommen können nicht mehr von Wachstumsmodellen abhängen, die funktioniert haben, als sie arm waren“, warnte Zoellick. Ohne eine veränderte Herangehensweise riskierten sie, „im Wettbewerb mit den Niedriglohnländern ebenso zu verlieren wie gegen die Länder mit hohen Einkommen in Bezug auf Innovation und technologischem Wandel“. Die Verantwortlichen in China wüssten, was zu tun ist, sie müssten nur „ihre Vorhaben in Taten umsetzen“.

Rösler sieht keine Rezessionsgefahr für Deutschland

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht trotz der dramatischen Schuldenkrise in Europa und den USA derzeit keine Rezessionsgefahr. „Das Konjunkturklima hat sich ein Stück weit abgekühlt, das ist gar keine Frage. Rezessionsängste sind momentan aber nicht angebracht“, sagte Rösler in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Der FDP-Chef und Vizekanzler forderte die Union auf, jetzt rasch gemeinsam den Fachkräftemangel anzupacken. „Das ist die Wachstumsbremse Nummer eins. Die könnte man am schnellsten lösen.“ Die aktuelle wirtschaftliche Lage könnte womöglich dazu beitragen, Vorbehalte beim Koalitionspartner zu überwinden.

Bosch-Chef Franz Fehrenbach warnte davor, eine Wirtschaftskrise herbeizureden. „Von einer Rezession sind wir weit entfernt. Ich warne eindringlich davor, durch verbale Übertreibungen und panische Bremsreaktionen eine
Rezession herbeizureden“, sagte der Chef des weltgrößten Autozulieferers der „Wirtschaftswoche“ laut Vorabmeldung vom Samstag. Seine größte Sorge bestehe darin, dass aus der Schuldenkrise eine politische Glaubwürdigkeitskrise wird. Die Politik müsse das Primat des Handelns zurückgewinnen. Fehrenbach geht davon aus, dass die Politik nicht um Euro-Bonds herumkommen werde.

Kommentare (17)

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der-oekonomiker

03.09.2011, 10:53 Uhr

Der Weltbank-Chef hängt der Zeit hinterher: Erwartet Dinge, die längst bekannt sind, bzw. dem interessierten Publikum bekannt sein sollte. Zu Herrn Rösler habe ich mich schon in meinem Blog geäußert: "Der untalentierte Herr Rösler". Sollte der Mann sogar noch deutlich weniger Ahnung haben als der Vorgänger? Wegen der anstehenden Wahlen stehen uns schwierige, weil entscheidungsarme, Zeiten bevor. Nur wartet die Euro-Krise nicht darauf, bis die deutsche Regierung sich endlich wieder handlungsfähig sieht. Es wird Zeit sich damit abzufinden, dass die deutschen und europäischen Politiker erst dann Entscheidungen treffen, wenn ihnen die Probleme kräftig in den Hintern treten. Ein Armutszeugnis.

Account gelöscht!

03.09.2011, 10:59 Uhr

Deutschland ist ein schwimmfähiges Rettungsboot, dass anderen Hilfe leisten könnte. Es kettet sich aber sinnloser Weise an die untergehende Euro-Titanic. Damit werden wir gemeinsam Wirtschaft, unsere Geldwertstabilität und unseren Wohlstand an die Wand fahren. Wir spielen Kamikaze und Seppuku in einem! Was für ein Politik-Wahnsinn! China dagegen hat seine Eigenständigkeit und die Hoheit für sein Handeln fest in der Hand. Es wird am Ende die europäische und deutsche Wirtschaft billig aufkaufen, die Patente und Technologien ausweiden und uns dann als Scherbenhaufen zurücklassen. Vielen Dank, liebe Politiker für diese Chaospolitik fern ab jeglicher wirtschaftlicher und vorausschauender Vernunft. Vielen Dank für 50 Jahre Fraktionszwang, Verweigerung von direkter Demokratie und Mitbestimmung der Bürger! Ihr seid Helden und steuert den Kahn unbeirrbar kräftigst gegen die Wand. Weimar 2.0, wir kommen.

lowabras

03.09.2011, 11:33 Uhr

Solche Äußerungen von Berufspolitikern wie Rössler, die niemals etwas in ihrem Leben bewegt haben, als sich in einem Parteien Jungel nach oben zu manipulieren sind nicht die Zeit eines Journalisten wert, der einen solchen Unsinn sich anhört. Außer er wird als Sprachrohr dieser unsäglichen Versager bezahlt.
Die Bevölkerung wird nach wie vor von diesen Berufsdilletanten für dümmer verkauft als sie selber sind, doch dümmer geht nicht. Der sog. Mann/Frau auf der Strasse ist zwischenzeitlich aufgeklärter als dieses Fußfolk der Finanzoligarchie!
Man kann sicher abwarten, bis das Volk endlich aufsteht und dieses Gesindel lyncht!

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