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08.01.2015

11:25 Uhr

Schwache Binnennachfrage und Exporte

Industrie erlebt herben Auftragseinbruch

Damit hatte niemand gerechnet: Die Industrie muss trotz positiver Stimmung und guter Prognosen starke Rückgänge bei Bestellungen deutscher Produkte hinnehmen. Hauptproblem ist die schwache Binnennachfrage.

Deutsche Industriegüter wie etwa aus dem Maschinenbau wurden zuletzt deutlich weniger nachgefragt. dpa

Deutsche Industriegüter wie etwa aus dem Maschinenbau wurden zuletzt deutlich weniger nachgefragt.

BerlinÜberraschender Rückschlag für die deutsche Industrie: Ihre Aufträge schrumpften im November nach zuvor zwei kräftigen Anstiegen in Folge. Die Bestellungen sanken wegen der schwachen Nachfrage aus dem Inland um 2,4 Prozent zum Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von 0,7 Prozent gerechnet.

„Das sieht erst einmal nicht so toll aus, ist aber auch kein Beinbruch“, sagte Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. „Denn es gab zuvor zwei Monate mit recht kräftigen Zuwächsen, da ist so ein Rückprall normal.“ Im Oktober hatten die Bestellungen noch um 2,9 Prozent zugelegt, im September um 1,1 Prozent.

Auch das Ministerium sieht keinen Grund zur Schwarzmalerei. „Insgesamt entwickeln sich die Bestellungen in der Industrie seit Mitte des Jahres wieder leicht positiv, trotz des aktuellen Rückgangs.“

Allerdings signalisiert die Auftragsentwicklung, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2014 kein großes Wachstum geschafft haben dürfte. Die Experten der NordLB rechnen nur mit einem Mini-Plus von 0,1 Prozent. Auch im Sommerquartal hatte es einen Zuwachs in dieser Größenordnung gegeben, nachdem im Frühjahr sogar ein Minus zu Buche gestanden hatte.

Das sind die wichtigsten Handelspartner Deutschlands

Platz 10 – Russland

Export von Waren im Wert von: 35,8 Milliarden Euro

Platz 9 – Belgien

Export von Waren im Wert von: 42,44 Milliarden Euro

Platz 8 – Polen

Export von Waren im Wert von: 42,47 Milliarden Euro

Platz 7 – Italien

Export von Waren im Wert von: 53,25 Milliarden Euro

Platz 6 – Österreich

Export von Waren im Wert von: 56,28 Milliarden Euro

Platz 5 – China

Export von Waren im Wert von: 66,91 Milliarden Euro

Platz 4 – Niederlande

Export von Waren im Wert von: 70,97 Milliarden Euro

Platz 3 – Großbritannien

Export von Waren im Wert von: 75,49 Milliarden Euro

Platz 2 – USA

Export von Waren im Wert von: 89,35Milliarden Euro

Platz 1 – Frankreich

Export von Waren im Wert von: 99,98 Milliarden Euro

alle Angaben für 2013, Quelle: Statista

Die Bestellungen aus dem Ausland sanken im November um 0,7 Prozent - trotz umfangreicher Großaufträge aus dem Euro-Raum. Die Inlandsaufträge brachen um 4,7 Prozent ein, nachdem sie im Oktober noch um 5,9 Prozent zugelegt hatten.

„Die Achillesverse der ansonsten überwiegend guten Konjunkturlage in Deutschland, nämlich die sehr schleppende Investitionstätigkeit, zeigt sich in den Zahlen“, sagte NordLB-Ökonom Jens Kramer. Die Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen nahmen ebenso ab wie die nach Vorleistungen wie Chemikalien. Die Bestellungen von Konsumgütern legten hingegen zu.

Von

rtr

Kommentare (23)

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Herr Aleksej Novalnij

08.01.2015, 08:41 Uhr

Jetzt kommt euer Sanktionnenbumerang zurück.
Sagt danke eure Kanzlerin :)

Herr Fred Meisenkaiser

08.01.2015, 08:47 Uhr

Ich denke eher, langsam fliegen die ganzen Lügen auf: Fachkräftelüge, "uns geht es gut"-Lüge usw.
Die Reichen raffen immer mehr, für die arbeitenden Bürger - die all dies erarbeiten, bleibt immer weniger.
Die Rentner bekommen immer weniger Rente (2020 haben 40% nur noch Rente in Höhe der Grundsicherung",
Und die 5 Mio. Arbeitslose kaufen auch nichts!

Und wenn TTIP kommt fallen nochmal einige Hunderttausend Jobs europaweit weg.

Herr Peter Noack

08.01.2015, 08:51 Uhr

Russland auf Platz 10? Was soll das denn?

Sind die Exporte nach Russland nicht um 12 Milliarden Euro eingebrochen, nach den Julisanktionen? Sind die Sanktionen denn schon aufgehoben? Nein? Was verspricht man sich für 2015? 12 Milliarden Exporteinbußen sind 0,4 Prozent des deutschen BIP. Wäre ohne Russlandsanktionen das BIP 2014 um 1,6 Prozent gestiegen?
Anderes Thema: Der Konsum ist in Deutschland 2014 um kaum 1,2 Prozent real gestiegen, obwohl das verfügbare Einkommen um 2,4 Prozent stieg. Die Reallöhne, nach Abzug der Inflation, stiegen um über 2 Prozent. Wenn der Konsum und der Export nicht anteilmäßig steigen, können auch die Investitionen nicht mithalten. Was sagt denn die Volkswirtschaftslehre zu diesen Phänomenen? Höhere Reallöhne und höchste Beschäftigung bringen nur moderates Konsumwachstum hervor, warum? Niedrigzins lässt die Investitionen schrumpfen, oder? Nullzins heizt den Sparwillen der Deutschen an. Auch der Staatskonsum sinkt, weil die Staatsausgaben niedriger als 2008 sind. Alles das soll dem Mainstream der Wirtschaftswissenschaften entsprechen? Wo gibt es diese Lehre?

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