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26.09.2012

19:25 Uhr

Schwache Konjunktur

Mehr als drei Millionen Franzosen ohne Arbeit

In Frankreich ist zum ersten Mal seit 13 Jahren die Marke von drei Millionen Arbeitslosen durchbrochen worden. Der Druck auf den neuen Präsidenten Francois Hollande steigt. Rufe nach Kurzarbeit werden lauter.

Den Präsidenten Francois Hollande setzt die Misere am Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck. dpa

Den Präsidenten Francois Hollande setzt die Misere am Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck.

ParisIn Frankreich gibt es erstmals seit 13 Jahren wieder mehr als drei Millionen Arbeitslose. Die psychologisch wichtige Marke wurde im August durchbrochen, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch mitteilte. Die Zahl der Menschen ohne Job stieg demnach den 16. Monat in Folge.

Den erst seit wenigen Monaten amtierenden sozialistischen Präsidenten Francois Hollande setzt die Misere am Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck, zumal zahlreiche Großkonzerne wie Carrefour oder Peugeot Massenentlassungen angekündigt haben. Rufe nach Kurzarbeit nach deutschem Vorbild wurden zuletzt lauter. Bis Jahresende sollen wichtige Reformen am Arbeitsmarkt besiegelt werden.

Insgesamt waren im August 3.011.000 Menschen arbeitslos. Das waren 23.900 mehr als im Vormonat und der höchste Stand seit Juni 1999. „Das ist schlecht, ganz klar schlecht“, kommentierte Arbeitsminister Michel Sapin die Zahlen. Er machte die Vorgängerregierung unter dem konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy für die desaströse Lage verantwortlich. „Es handelt sich im Kern um die drei Millionen Arbeitslosen, die wir bei Antritt vorgefunden haben“, sagte er dem Sender „France 2“.

Die hohe Arbeitslosigkeit drückt mittlerweile auch auf die Stimmung der Verbraucher. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen sank im September um einen Punkt, wie das Statistikamt mitteilte.

Hollande hat am 9. September versprochen, den negativen Trend am Arbeitsmarkt bis 2013 umzukehren. Die Sozialpartner sind aufgerufen, sich bis Ende diesen Jahres auf wichtige Arbeitsmarktreformen zu einigen. Er sprach von einem „historischen Kompromiss“, der nötig sei.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Sein Industrieminister, Arnaud Montebourg, schlug am Dienstag vor, auch über Konzepte nach deutschem Vorbild wie Kurzarbeit nachzudenken. Frankreich solle die Möglichkeit schaffen, dass Firmen im Abschwung die Arbeitszeit reduzieren könnten, damit sie nicht gleich entlassen müssten. Deutschland sei damit gut durch die Krise gesteuert, sagte Montebourg.

Diese Woche intervenierte die Regierung bereits beim Pharmakonzern Sanofi. Sie konnte dadurch nach eigenen Angaben das Sparprogramm etwas abmildern. Insgesamt ist Hollandes Handlungsspielraum mit Blick auf das Budget allerdings klein. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat einen Schuldenberg von 90 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung angehäuft, spielt an den Finanzmärkten aber bislang in einer Liga mit Deutschland.

Damit das so bleibt, muss Hollande am Freitag einen ehrgeizigen Haushalt vorlegen, um EU-Defizitziele zu erreichen. Bislang hat er sich eher weniger als Reformer präsentiert. Er plädierte vielmehr für höhere Steuern und das Einfrieren staatlicher Ausgaben.

Sorge um Frankreichs Wirtschaft

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Von

rtr

Kommentare (26)

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Account gelöscht!

26.09.2012, 20:07 Uhr

Frankreich ist pleite und das weiss jeder der das LAnd wirklich gut wie wirtschaftlich kennt. 3 Millionen Arbeitslose? LOL da lach ich mich krank... es sind realistisch gesehen eher 7-8 Millionen

Account gelöscht!

26.09.2012, 20:10 Uhr

Wieviele Arbeitslose hat Deutschland noch mal, dank oder trotz Merkel und dem Deppen Rösler?

TimoE

26.09.2012, 20:26 Uhr

auch ca. 3 millionen, aber deutlich mehr Einwohner. Deutschland hat bestimmt auch absolut mehr Arbeitslose als Griechenland...

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