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27.06.2013

16:03 Uhr

Schwacher Ausblick

Deutsche Wirtschaft bangt mit China

VonSabine Bernard

Mit seiner lockeren Geldpolitik hat China die Weltwirtschaft in der Euro-Krise gestützt. Nun zieht die Zentralbank die Zügel an und sorgt für Unruhe an den Märkten. Dabei steht für deutsche Unternehmen viel auf dem Spiel.

Ministerpräsident Li beim deutsch-chinesischen Wirtschaftsforum. Die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern sind so gut wie nie. Doch nun könnte ein Kurswechsel in der chinesischen Geldpolitik die Entwicklung hemmen. dpa

Ministerpräsident Li beim deutsch-chinesischen Wirtschaftsforum. Die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern sind so gut wie nie. Doch nun könnte ein Kurswechsel in der chinesischen Geldpolitik die Entwicklung hemmen.

DüsseldorfDer neue chinesische Ministerpräsident Li hat gleich zu Beginn seiner Amtszeit der chinesischen Börse einen Schreck eingejagt. Seine Ankündigung, den Banken kein zusätzliches Geld zu geben, hatte in der vergangenen Woche die Kurse an der Börse in Shanghai einbrechen lassen. Die lockere Gelpolitik Chinas, die vor allen Dingen zur Stärkung der Binnenkonjunktur beitragen sollte, fand damit ein jähes Ende. „Die Geldpolitik war in der Vergangenheit eine entscheidende und stimulierende wirtschaftliche Stütze. Durch die Äußerungen von Bernanke und Li wird sie zunehmend zu einem Unsicherheitsfaktor“, sagt Simon Junker, Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

China ist der drittwichtigste Handelspartner Deutschlands. Seit der Euro- und Finanzkrise haben sich die deutschen Exporte nach China auf fast 70 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. „Für einige Branchen, wie Maschinenbau und Elektrotechnik, ist China der wichtigste Markt“, sagt Hannah Levinger, Expertin für Schwellenländer bei der Deutschen Bank Research.

Besonders der Automarkt in China ist in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 26 Prozent gewachsen – und damit deutlich stärker als die Wirtschaft insgesamt. Im Premiumbereich, wo deutsche Hersteller dominieren, betrug das Wachstum sogar 36 Prozent. Für die Entwicklung bis 2020 gehen Marktforscher von weiteren 12 Prozent jährlichem Wachstum aus.

Knackpunkte der deutsch-chinesischen Beziehungen

Blühender Handel

Das Handelsvolumen zwischen China und Deutschland stieg im Jahr 2012 auf 161 Milliarden Dollar - ein Drittel des gesamten Handelsumfangs von China mit der EU. Aus China kommen verschiedenste Waren - von Kleidung und Schuhen bis zu Elektronik- und Metallwaren - nach Deutschland. Deutsche Unternehmen verkaufen auf dem prosperierenden chinesischen Markt Maschinen, Hightech-Komponenten und Autos.

Raues Investitionsklima

Deutsche Investoren klagen über Bürokratie und behördliche Willkür in China. Sie fordern gleiche Wettbewerbsbedingungen und mehr Rechtssicherheit - vor allem auch beim Urheberrechtsschutz. In Deutschland sieht mancher Firmenübernahmen wie die des Baumaschinenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Sanyi-Konzern skeptisch. Bis zum Jahr 2020 könnten sich chinesische Investitionen hierzulande einer aktuellen Studie zufolge auf rund zwei Milliarden Dollar jährlich verdreifachen. Bislang gibt es keinen Grund für Angst vor einer chinesischen Firmeninvasion: Deren Investitionen machen gerade einmal 0,2 Prozent der Auslandsinvestitionen in Deutschland aus

Sorge um den Euro

Bei der Überwindung der Eurokrise setzt China vor allem auf Deutschland. Chinas Exporte sind als Folge der Schuldenkrise stark zurückgegangen, zudem sorgt sich die Regierung um ihre Devisenreserven. Nach Schätzung von Experten soll etwa ein Viertel der Rekordsumme von 3,3 Billionen Dollar in Euro angelegt sein. Im Zuge des Schuldenschnitts für Griechenland mussten im Jahr 2012 auch chinesische Staatsfonds herbe Verluste hinnehmen.

Streit um billige Solaranlagen

Auch deutsche Unternehmen der Solarbranche gingen wegen Konkurrenz aus China pleite. Die EU-Kommission hat nun ein Anti-Dumping-Verfahren angestrengt - wenn bis zum 5. Juni kein Kompromiss gefunden ist, drohen chinesischen Billigherstellern milliardenschwere Strafzölle. China wirft der EU Protektionismus vor. Deutschland könnte in dem Streit eine Schlüsselrolle spielen, denn die Zölle sind hierzulande umstritten: Industrievertreter verweisen darauf, dass 70 Prozent der Wertschöpfung für die in China montierten Module in Deutschland entsteht und Strafzahlungen auch hiesige Firmen in Mitleidenschaft zögen.

Ungeliebte Menschenrechtsdebatte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Menschenrechtsfragen regelmäßig an, nimmt jedoch seit dem Eklat um den Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt im Jahr 2007 auch Rücksicht auf chinesische Befindlichkeiten. Der sachliche Verlauf des jüngsten deutsch-chinesischen Menschenrechtsdialogs könnte als Hinweis auf eine größere Offenheit der neuen Führung in Peking gewertet werden. Sie will die umstrittenen Arbeitslager reformieren, in denen Hunderttausende ohne Prozess einsitzen. Was das Schicksal einzelner Dissidenten angeht, bleibt China unnachgiebig und verweist gerne darauf, dass in seiner Tradition das kollektive vor dem individuellen Wohl steht - eine Auffassung, die angesichts des teils brutalen Drucks auf Oppositionelle hierzulande auf wenig Verständnis stößt.

Schwieriger Kulturaustausch

Die chinesische Seite beklagt eine klischeehafte Darstellung ihres Landes in der deutschen Öffentlichkeit. Mehr Chinesischunterricht und mehr Jobs für China-Experten in Behörden forderte jüngst die Grünen-Abgeordnete Viola von Cramon mit Blick auf Politiker, die ohne Landeskenntnisse in Treffen mit bestens vorbereiteten chinesischen Kollegen gingen. Der Kulturaustausch entwickelte sich stark, wenn auch nicht gleichmäßig in beide Richtungen. So studierten zuletzt etwa 25.000 Chinesen hierzulande, umgekehrt zog es nur 6200 junge Deutsche in die Volksrepublik.

Nicht nur im Export ist China ein wichtiger Handelspartner für Deutschland. Auch Investitionsströme deutscher Unternehmen werden von den konjunkturellen Schwankungen in China beeinflusst. „Die deutschen Unternehmen haben derzeit hohe Kapitalpolster. Die Unsicherheit an den Märkten verschleppt jedoch Investitionen“, erklärt DIW-Experte Junker.
Der Geschäftsführer der deutsch-chinesischen Wirtschaftsvereinigung (DCW), Rainer Gehnen, sieht derzeit aber noch keinen Grund zur Sorge: „Die Entwicklung deutsch-chinesischer Handelsbeziehungen ist letztlich sehr branchen- und sogar unternehmensspezifisch.“

Entscheidend für die Entwicklung der Handelsbeziehungen seien weniger die kurzfristigen als vielmehr die langfristigen Wachstumsaussichten. „Die wachsende urbane Mittelschicht in China ist langfristig ein stützender Faktor für den bilateralen Handel. Die fortschreitende Technologisierung in China könnte dennoch in einzelnen Branchen zu verstärkter Konkurrenz führen“, sagt Levinger.

Kommentare (2)

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Kartenhaus

27.06.2013, 16:34 Uhr

Die Liquidität wird man in China wohl sicherstellen. Das ändert aber nichts daran, dass die Verschuldung der Kommunen ein Riesenproblem für die weitere Entwicklung darstellt. Das muss zwangsweise auf die Gesamtwirtschaft durchschlagen.

www_wissensmanufaktur_net

27.06.2013, 16:43 Uhr

Das Problem, an dem die gesamte Welt krankt, heißt verzinstes Schuldgeldsystem der privat Bankster!

Dass die Lage nun eskaliert und uns um die Ohren fliegt, liegt ganz einfach daran, dass keine einzige Partei – ganz gleich ob rechts, links, Mitte, - sich traut die wahre Ursache jemals anzugehen: nämlich das verzinste Schuldgeldsystem!!

Privatbanken bzw. deren Eigentümer haben das Geldmonopol und schaffen Schuldgeld ( per Kredit ) aus dem nichts und verschulden/versklaven damit die ganze Menschheit!!!

Die wichtigste Frage lautet: Wie entsteht Geld?

Geld = Schuld

Geld entsteht nur über Kredit!!!

Jedem Euro/Dollar/Yuan Guthaben steht ein Euro/Dollar/Yuan Schulden gegenüber!!

Das verzinste Schuldgeldsystem benötigt immer mehr Schulden ( Neues Geld um die Zinsen zu zahlen )um weiter existieren zu können.

Jeder der das das nicht versteht, sollte im Internet nach "Schuldgeldsystem" suchen.

Lösung?

Ein neues Geldsystem weg vom Schuldgeld der Privatbanken!

Man kann das "Schuldgeldsystem" der Bankster auch anders beschreiben:

Die Schlauen leben von den Dummen und die Dummen von der Arbeit!!!

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