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13.01.2017

13:54 Uhr

Schwacher Außenhandel

Düstere Aussichten für Chinas Wirtschaft

Von Erholung keine Spur. Chinas Exporte fallen im Dezember unerwartet stark. Die schwache globale Nachfrage und der drohende Protektionismus unter dem künftigen US-Präsidenten Trump verstärken die Handelsrisiken.

Die chinesischen Exporte gingen im Dezember, im Vergleich zum Vormonat, um rund sechs Prozent zurück. Die Chinesen machen sich Sorgen, dass Donald Trump der chinesischen Wirtschaft nachhaltig schaden könnte. dpa

Hafen in China

Die chinesischen Exporte gingen im Dezember, im Vergleich zum Vormonat, um rund sechs Prozent zurück. Die Chinesen machen sich Sorgen, dass Donald Trump der chinesischen Wirtschaft nachhaltig schaden könnte.

PekingEnttäuschende Handelszahlen im Dezember verdüstern die Aussichten für eine erhoffte Erholung des Wirtschaftswachstums in China. Die Ausfuhren fielen in US-Dollar gerechnet unerwartet stark um 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie der Zoll am Freitag in Peking berichtete. Die Importe legten um 3,1 Prozent zu, was aber vor allem durch die Auffüllung der Lagerbestände vor dem frühen chinesischen Neujahrsfest Ende Januar erklärt wurde. Das Außenhandelsvolumen ging im Dezember um 2,2 Prozent zurück.

Auf das Jahr gerechnet erlebte die größte Handelsnation sogar einen Rückgang ihres Handelsvolumens um 6,8 Prozent. Die Bedingungen im vergangenen Jahr beschrieb Zollsprecher Huang Songping als „kompliziert und düster“ mit wachsenden Unwägbarkeiten. Erst in der zweiten Jahreshälfte habe sich der Außenhandel durch Unterstützung der Regierung und höhere Nachfrage wieder stabilisiert.

Nach einem minimalen Anstieg im November zeigte der überraschend starke Rückgang der Exporte im Dezember aber wieder neue Schwächen. Im gesamten Jahr fielen die Ausfuhren in US-Dollar bewertet um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, während die Importe um 5,5 Prozent abnahmen. Der Handelsüberschuss ging nach Angaben des Zolls im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent auf 3,35 Billionen Yuan, umgerechnet 486 Milliarden US-Dollar, zurück.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,38 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

In Yuan gerechnet fiel die Entwicklung allerdings gemäßigter aus. Die Ausfuhren fielen laut Zollangaben demnach um zwei Prozent, während die Einfuhren sogar um 0,6 Prozent zulegten. Die chinesische Währung steht unter Druck und hat im vergangenen Jahr gegenüber dem US-Dollar um rund sechs Prozent verloren. So nahm das Handelsvolumen in Yuan gerechnet nur um 0,9 Prozent ab. Mit der Europäischen Union, dem größten Handelspartner, gab es einen Zuwachs um 1,2 Prozent.

Der schlechte Außenhandel, die Yuan-Schwäche und die dadurch ausgelöste Kapitalflucht, die hohe Verschuldung sowie drohende Handelsstreitigkeiten mit den USA und Protektionismus unter dem neuen Präsidenten Donald Trump gehören zu den wesentlichen Risiken für die zweitgrößte Volkswirtschaft in diesem Jahr.

„Ich denke nicht, dass die Tore zum US-Markt weiter offen bleiben, wenn Trump Präsident ist“, sagte Wirtschaftsprofessor Zheng Chaoyu von der Volksuniversität in Peking der Deutschen Presse-Agentur. „Die guten Zeiten sind jetzt vorbei.“ China habe bisher in einer kooperativen Position mit den USA gestanden und die Waren geliefert, die die USA nicht mehr selber produzieren wollten. „Aber jetzt stehen wir in größerem Wettbewerb zueinander.“

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Peking betont zum Ärger der künftigen US–Regierung den rechtmäßigen Anspruch auf die künstlich errichteten Inseln im Südchinesischen Meer. Außenminister Tillerson kritisiert China als „nicht verlässlichen Partner“.

„Wir sind besorgt, dass Trumps Haltung Chinas Handel gegenüber die chinesischen Ausfuhren langfristig strukturell schwächt“, schrieb auch die australische ANZ Bank. Unter dem neuen US-Präsidenten dürften US-Unternehmen Produktionsanlagen aus China abziehen.

Die Exportzahlen im Dezember deuteten auch darauf hin, dass China hinter der jüngsten Erholung der Ausfuhren aus Asien insgesamt her hinke, schrieben die ANZ-Experten. Daher erschienen die Aussichten für Chinas Handel im neuen Jahr nicht rosig. Überhaupt stünden die Exporte aus Asien durch schwache globale Nachfrage und wachsenden Widerstand gegen Globalisierung weiter unter Druck.

Trotz des schwachen Außenhandels rechnen Chinas Wirtschaftsplaner für das abgelaufene Jahr noch mit einem Wachstum von 6,7 Prozent, was aber so wenig wie seit 25 Jahren nicht mehr ist. Die Zahlen werden am 20. Januar vorgelegt. Das Wachstum in China wurde vor allem durch den boomenden Wohnungsmarkt, die steigenden Infrastrukturausgaben und das starke Kreditwachstum vorangetrieben.

Von

dpa

Kommentare (2)

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13.01.2017, 09:53 Uhr

Ich gehe davon aus, dass sich China jetzt verstärkt auf den Afrikanischen Kontinent einbringen wird. Auch Südamerika ist für China interessant. USA und Russland werden enger wirtschaftlich Zusammenarbeiten. Auch Kanada kann durch die USA und Russland über die Behringstraße enger mit eingebunden werden. Für China wird die Zukunft nicht einfacher werden. Aber wie gesagt...Afrika und Südamerika ist für China interessanter geworden...besonders jetzt noch mehr, nach dem Trump Präsident ist.

Account gelöscht!

13.01.2017, 10:07 Uhr

So ist das Herr Hoffmann, das hat auch den "Arabischen Fühling" ausgelöst.
Chinesen in Afrika kann die Wertegemeinschaft nicht ertragen.

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