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24.11.2015

15:54 Uhr

Schwacher Euro

EZB-Geldschwemme stärkt deutsche Exporteure

Während die Fed die Zinswende plant, will die Europäische Zentralbank die Konjunktur mit noch mehr billigem Geld anschieben. Das wird die deutsche Exportwirtschaft stärken. Allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit.

„Der günstige Euro und die niedrigen Rohstoffpreise werden nicht ewig den Wachstumskurs unserer Außenwirtschaft stützen.“ dpa

EZB in Frankfurt am Main

„Der günstige Euro und die niedrigen Rohstoffpreise werden nicht ewig den Wachstumskurs unserer Außenwirtschaft stützen.“

FrankfurtNiedrige Zinsen, schwacher Euro – das sind theoretisch beste Bedingungen für eine Exportnation wie Deutschland. Das billige Geld sollte Unternehmen zum Investieren anregen. Und von der Schwäche der Gemeinschaftswährung profitieren Unternehmen, die viel ausführen, denn ihre Waren werden auf dem Weltmarkt günstiger.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Wegen der Flaute in wichtigen Absatzmärkten halten sich Firmen damit zurück, Geld in Maschinen und Geräte zu stecken. Und die meist in US-Dollar gehandelten Rohstoffe für die Industrie verteuern sich tendenziell – auch wenn sich dieser Effekt dank des niedrigen Ölpreises bislang in Grenzen hält.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

„Der günstige Euro und die niedrigen Rohstoffpreise werden nicht ewig den Wachstumskurs unserer Außenwirtschaft stützen“, mahnt Außenhandels-Präsident Anton F. Börner: „Daher ist es umso wichtiger, dass die in Europa so nötigen Strukturreformen zur Lösung der Euroschuldenkrise endlich eingeleitet und umgesetzt werden.“

Für die deutsche Wirtschaft lieferte der traditionell starke Export schon im Sommer unter dem Strich keine Impulse. Zwar stiegen die Ausfuhren leicht, die Importe kletterten jedoch deutlich rasanter. Das moderate Wachstum von 0,3 Prozent zum Vorquartal verdankt Europas größte Volkswirtschaft daher vor allem konsumfreudigen Verbrauchern und einem Staat, der zum Beispiel für die Unterbringung Zehntausender Flüchtlinge kräftigt investieren muss.

Nach dem jüngsten Euro-Kursrutsch steigen die Chancen, dass der Außenhandel wieder zur Konjunkturstütze wird. Experten erwarten, dass der Euro noch einige Zeit schwächelt. Vor allem, weil die Europäische Zentralbank (EZB) ihre ohnehin extrem großzügige Geldpolitik schon im Dezember noch weiter lockern dürfte, während die US-Notenbank Fed vermutlich die Leitzinsen erstmals seit Jahren anheben dürfte. „Ein realistisches Szenario für die kommenden sechs Monate ist, dass die Divergenz in der Geldpolitik der Notenbanken zu einer Aufwertung des Dollar führt“, analysiert Chris Iggo von AXA Investment Managers.

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