Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.07.2011

16:19 Uhr

Schwaches Wachstum

Neue Nackenschläge für die US-Wirtschaft schocken Investoren

Die Horror-Nachrichten für die weltgrößte Volkswirtschaft nehmen kein Ende. Zum Schuldenstreit gesellen sich nun auch miese Konjunkturdaten. Das US-Wachstum schwächelt, und auch die Industrie sendet kein Hoffnungssignal.

Dollar-Noten. AFP

Dollar-Noten.

WashingtonDie US-Wirtschaft ist im ersten Halbjahr überraschend schwach gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft stieg von April bis Juni zwar mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,3 Prozent, wie das Handelsministerium am Freitag nach vorläufigen Berechnungen mitteilte. Analysten hatten für das zweite Quartal im Schnitt aber mit einem annualisierten Anstieg von 1,8 Prozent gerechnet. Zudem revidierte die Behörde das Wachstum aus dem ersten Quartal 2011 und von Ende 2010 deutlich nach unten. Vor allem die Konsumenten zeigten sich geizig. Die Nachricht sorgte an den internationalen Finanzmärkten für Abschläge.

„Das sind erschreckend niedrige Zahlen“, sagte Analyst Tim Ghriskey von Solaris Asset Management. „Die Revision des ersten Quartals ist aber noch schockierender.“ Anfang 2011 hatte die Konjunktur nur um 0,4 Prozent zugelegt - und nicht wie ursprünglich gemeldet um 1,9 Prozent. Im vierten Quartal 2010 lag das Wachstum zudem nur bei 2,3 (bisher gemeldet: 3,1) Prozent. Ein Rückfall in die Rezession lasse sich aus den Daten aber nicht ableiten, betonte Ghriskey.

Möglichkeiten im Kampf gegen den Zahlungsausfall

Aussetzen bestimmter Papiere

Seit dem 6. Mai hat das Finanzministerium bereits den Verkauf der sogenannten Slugs - State and Local Government Series Securities - gestoppt. Diese Papiere werden den Bundesstaaten und Kommunen zur Anlage angeboten, erhöhen aber die Schulden des Bundeshaushalts. Wird das Programm gestoppt, erhöht das den Finanzspielraum des Ministeriums. In den vergangenen 20 Jahren wurde das Programm bereits sechs Mal ausgesetzt, damit die USA die Schuldenobergrenze nicht reißen.

Aussetzen von Einmalzahlungen in Rentenfonds

Das Finanzministerium stoppt Einzahlungen in verschiedene Fonds für Pensionen und die Absicherung von Berufsunfähigkeit der Beschäftigten im Staatsdienst. Damit könnte es je nach Dauer zwölf oder 72 Milliarden Dollar freimachen.

Einfrieren eines Investmentfonds

Das Finanzministerium wird ab diesem Montag einen Fonds für Beschäftigte im Staatsdienst, den G-Fonds, auf Eis legen. Die darin enthaltenen Mittel von 130 Milliarden Dollar werden bis auf weiteres nicht mehr neu angelegt. Damit erhöht sich der Spielraum zur Aufnahme neuer Kredite um diesen Betrag.

Anzapfen von Fonds zur Währungsstabilisierung

Die Regierung könnte den selten genutzten 50 Milliarden Dollar schweren Fonds zur Stabilisierung der Währungskurse anzapfen, um die Aufnahme neuer Schulden zu verhindern. Der Fonds wurde in den 1930er Jahren während der Großen Depression

geschaffen.

Verkauf von Vermögenswerten

Die Regierung könnte Teile von Unternehmen verkaufen, die sie im Rahmen des 700 Milliarden Dollar schweren TARP-Programmes gerettet hat. Allerdings hat Finanzminister Timothy Geithner bereits angedeutet, dies sei möglicherweise keine gangbare Lösung, weil der Steuerzahler bei einem Blitz-Verkauf Verluste erleiden könnte.

 

Der deutsche Aktienleitindex Dax weitete nach den überraschend schwachen Daten seine Verluste aus, der Goldpreis zog an und der Ölpreis fiel. Die Wall Street eröffnete im Minus: Der Dow-Jones-Index gab in den ersten Handelsminuten rund ein Prozent ab.

Derzeit verhindert vor allem der schwache Arbeitsmarkt ein stärkeres Wachstum. Die US-Verbraucher, die für rund 70 Prozent der Wirtschaftsleistung aufkommen, hielten sich merklich zurück und gaben nur 0,1 Prozent mehr aus als im Vorquartal. Für langlebige Güter gaben sie sogar 4,4 Prozent weniger aus. Während die Investitionen um 6,3 Prozent kletterten, stiegen die Exporte um sechs und die Importe um 1,3 Prozent.

Zuletzt hatte die US-Notenbank betont, dass die Erholung zu Anfang des zweiten Halbjahres an Tempo verloren habe. Sollte sich die Konjunktur in den USA stärker abkühlen als erwartet, dürfte dies auch die globale Wirtschaft bremsen.

Weltweit sorgen sich die Finanzmärkte derzeit vor allem über ein hausgemachtes Problem, das die US-Politik bisher nicht lösen konnte: Republikaner und Demokraten ringen erbittert um eine Anhebung der Schuldenobergrenze des Landes. Sollte dies bis zum Dienstag nicht gelingen, drohen Turbulenzen an den internationalen Märkten und die USA könnten ihr Top-Rating als Schuldner verlieren. Analyst David Semmens von Standard Chartered sagte zu den enttäuschenden BIP-Daten: „Man kann nur hoffen, dass dies die Leute in Washington dazu bringt, den Schuldenstreit so schnell wie möglich zu lösen.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Genius

29.07.2011, 16:41 Uhr

Für das alles gibt es eine gute Lösung !!!!!!!!!!
Die USA sollen der EU beitreten !!!!!
Dann sind alle Geldprobleme gelöst....

hanspeter9999

29.07.2011, 16:56 Uhr

Das Handelsblatt degradiert sich selbst auf BILD-Niveau. Die ganze Kampagne mit fettem "x Tage bis zur US-Pleite" ist ein Armutszeugnis. Wer trifft die Entscheidungen über die Veröffentlichung solcher Artikel? Wo ist Sachlichkeit und Klarheit?! Das scheinbare Ziel mehr Leser zu erreichen, kehrt sich bei mir direkt um: Schwachsinnsblatt - Bloß liegen lassen und das jedem erzählen! Danke auch Wolfi; stimmt total: Der ist nicht mehr ganz dicht in der Birne...
Cheers!
c

Zzz

29.07.2011, 17:36 Uhr

USA fehlt der Mut, keine Einigung zu erreichen? Dann eben keine Grossmacht mehr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×