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24.01.2005

09:21 Uhr

Schwäche der US-Währung macht Euro attraktiv

Zentralbanken ersetzen Dollar durch Euro

VonNorbert Häring

Mehr als zwei Drittel der Zentralbanken haben den Anteil des Euros an ihren Währungsreserven erhöht, meist zu Lasten des Dollars. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage bei 65 Zentralbanken weltweit, die die Fachpublikation Central Banking in zweijährigem Rhythmus durchführt.

HB FRANKFURT/M. Dieses Ergebnis bestätigt eine Vermutung, die seit geraumer Zeit durch die Devisenhandelsräume geistert. So glaubt etwa Michael Hume von der Investmentbank Lehman Brothers, dass die vermutete Umschichtung von Devisenreserven in Dollar durch einige wichtige Notenbanken dem Anstieg des Euro-Kurses zum Dollar in den letzten Jahren zusätzliches Momentum gegeben hat.

Beteiligt haben sich an der Umfrage Notenbanken, die insgesamt Währungsreserven von 1 700 Mrd. Dollar halten. Das ist nicht ganz die Hälfte der ca. 3 800 Mrd., die Mitte 2004 weltweit bei Zentralbanken lagen. Repräsentativ dürfte die Erhebung allerdings für die aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens sein, deren Devisenreserven in letzter Zeit besonders stark anwuchsen. Diese Länder decken Reserven in Höhe von 1 050 Mrd. Dollar ab. Bei den Industrieländern hat sich dagegen erkennbar Japan nicht beteiligt. Das Land liegt mit Reserven in Höhe von insgesamt 800 Mrd. Dollar einsam an der Spitze. Die Erhebung deckt bei den Industrieländern nur gut 500 Mrd. Dollar Reserven ab.

Hume von Lehman Brothers ist überzeugt, dass sich die Umschichtung von Währungsreserven in Euro fortsetzen wird. Er schränkt allerdings ein, dass die hohen Dollarkäufe von China und anderen asiatischen Notenbanken zur Verteidigung von deren Wechselkurszielen den Trend zeitweise konterkarieren könnten. „Auf längere Sicht werden die Zentralbanken von dem starken Übergewicht des Dollars in ihren Reserven wegkommen wollen“, prognostizierte Hume.

Die Dollar-Schwäche hat den Euro als Alternative auch für Zentralbanken attraktiver gemacht. Über die Hälfte der Zentralbanken betrachtet nun den Euro als eine mindestens ebenso gute Anlagewährung wie den Dollar. Viele der befragten Notenbanken wollen wegen der Dollarschwäche den Anteil ihrer Dollarreserven verringern und einige könnte sogar ihre Dollar-Bestände absolut abbauen, geht aus der Umfrage hervor. Renditeaspekte und Diversifizierung werden für die Zentralbanken immer wichtiger. Deshalb wollen sie nicht mehr wie in der Vergangenheit nur ganz überwiegend in Staatsanleihen investieren. So haben 86 Prozent der befragten Zentralbanken in den letzten zwei Jahren neue Anlageinstrumente genutzt, wie Unternehmensanleihen, Agency Bonds, Asset Backed Securities und Mortgage Backed Securities.

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