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04.12.2014

13:18 Uhr

Schwächelnde Konjunktur

Experten rechnen mit Anstieg der Firmenpleiten

Für 2015 erwarten Kreditversicherer erstmals seit fünf Jahren wieder eine Zunahme bei den Unternehmenspleiten in Deutschland. Betroffen sein werden demnach vor allem Firmen mit Ausrichtungen auf den russischen Markt.

Die deutschen Kreditversicherer erwarten für 2015 erstmals seit fünf Jahren wieder mehr Firmenpleiten. dpa

Die deutschen Kreditversicherer erwarten für 2015 erstmals seit fünf Jahren wieder mehr Firmenpleiten.

KölnDie Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wird nach Einschätzung der Kreditversicherer 2015 erstmals seit fünf Jahren wieder zunehmen. Man rechne mit einem Anstieg der Insolvenzen um zwei Prozent auf 25 000 Fälle, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag in Köln mit.

„Es wird Schäden geben und diese Schäden werden wir bezahlen“, sagte Ralf Meurer, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag in Köln. „Die drohende Spirale der Sanktionen ist das größte Risiko für die deutsche Konjunktur“, fügte er hinzu.

Grund dafür seien vor allem Schwierigkeiten im Export. Der Euroraum entwickle sich wesentlich schwächer als erwartet. Hinzu komme eine sich verlangsamende Konjunktur in China und eine Rezession in Russland.

Betroffen von den Auswirkungen der Ukraine-Krise seien bislang vor allem Unternehmen mit starker Ausrichtung auf den russischen Markt. Die gelte etwa für den Maschinenbau, die Automobilbranche oder die Chemie. Doch ließen sich im Russland-Geschäft weiter Risiken versichern.

Für das kommende Jahr erwarten die Kreditversicherer mit rund 25.000 (2014: rund 24.500) zwei Prozent mehr Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. In Russland werde 2015 die Zahl der Pleiten um rund zehn Prozent ansteigen.

„Krisenherde wie in Russland und der Ukraine, aber auch im Mittleren Osten, in Südamerika oder in Asien haben für die Weltwirtschaft wieder erheblich an Bedeutung gewonnen“, bilanzierte Meurer. Ein möglicher Fall für Kreditversicherer könnte etwa ein Ende des Pipeline-Projekts South Stream sein. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte einen Stopp des Projekts angekündigt.

Betroffen davon könnte unter anderem der deutsche Salzgitter -Konzern sein. Der Stahlkocher versicherte, ein Großteil eines möglichen wirtschaftlichen Schadens wäre durch die Euler-Hermes-Kreditversicherung abgedeckt.

Euler Hermes hatte sich jungst wegen des Konflikts um die Ukraine besorgt gezeigt. Neben Euler Hermes gehören etwa auch Coface und Atradius zu Größen der Branche.

Insgesamt trügen die Kreditversicherer derzeit für ihre Kunden Ausfallrisiken in Rekordhöhe, sagte Meurer weiter. Das Deckungsvolumen lag zum Ende des dritten Quartals 2014 bei 387 Milliarden Euro, das seien 5,4 Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres gewesen.

Das sind die wichtigsten Handelspartner Deutschlands

Platz 10 – Russland

Export von Waren im Wert von: 35,8 Milliarden Euro

Platz 9 – Belgien

Export von Waren im Wert von: 42,44 Milliarden Euro

Platz 8 – Polen

Export von Waren im Wert von: 42,47 Milliarden Euro

Platz 7 – Italien

Export von Waren im Wert von: 53,25 Milliarden Euro

Platz 6 – Österreich

Export von Waren im Wert von: 56,28 Milliarden Euro

Platz 5 – China

Export von Waren im Wert von: 66,91 Milliarden Euro

Platz 4 – Niederlande

Export von Waren im Wert von: 70,97 Milliarden Euro

Platz 3 – Großbritannien

Export von Waren im Wert von: 75,49 Milliarden Euro

Platz 2 – USA

Export von Waren im Wert von: 89,35Milliarden Euro

Platz 1 – Frankreich

Export von Waren im Wert von: 99,98 Milliarden Euro

alle Angaben für 2013, Quelle: Statista

Zugleich schrumpfte der Schadenaufwand der Kreditversicherer deutlich. Dieser lag per Ende September bei etwa 423 Millionen Euro, 33,7 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Für Altfälle aus den Vorjahren zahlten die Versicherer weitere 269 Millionen Euro.

Von Pleiten von Großkonzernen blieben die Versicherer 2014 verschont, vor allem kleine und mittlere Firmen rutschten in die Zahlungsunfähigkeit, darunter etwa die Mitteldeutschen Fahrradwerke MIFA.

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