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03.02.2015

07:53 Uhr

Schwarzarbeit in Deutschland

Mindestlohn begünstigt Schattenwirtschaft

Laut einer aktuellen Studie erhöht der seit Januar geltende Mindestlohn die Schattenwirtschaft in Deutschland. Auch der Rückgang von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung stagniert seit der Einführung.

Auch Teile des Baugewerbes sind von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung betroffen. dpa

Schwarzarbeit in der Baubranche.

Auch Teile des Baugewerbes sind von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung betroffen.

TübingenDer seit Januar geltende Mindestlohn erhöht die Schattenwirtschaft in Deutschland einer Studie zufolge in diesem Jahr um 1,5 Milliarden Euro – und verhindert so erstmals seit Jahren einen weiteren Rückgang von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung.

Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bleibt daher unverändert bei 12,2 Prozent, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz hervorgeht. Demnach war der Wert hierzulande mit Ausnahme des Krisenjahrs 2009 bisher seit Jahren rückläufig.

Fragen und Antworten zur Schwarzarbeit

Aktuelle Studie

Der flächendeckende Mindestlohn in Deutschland treibt einer Studie zufolge die Schwarzarbeit in die Höhe. Trotz eines robusten Arbeitsmarkts dürfte die Schattenwirtschaft daher erstmals seit Jahren nicht weiter zurückgehen. Das zeigt eine Prognose des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz. Fragen und Antworten zum Thema.

Was ist Schwarzarbeit?

Bei Schwarzarbeit umgehen Arbeitgeber und Beschäftigte Steuern oder Sozialabgaben. Experten sehen sie als Teilbereich der sogenannten Schattenwirtschaft, zu der auch illegale Beschäftigung und kriminelle Aktivitäten zählen.

Welche Faktoren beeinflussen sie?

Geringere Arbeitslosigkeit führt in der Regel dazu, dass weniger schwarz gearbeitet wird, weil die Menschen dann leichter eine besser bezahlte reguläre Arbeitsstelle finden. Daher sind die Konjunktur und die Lage auf dem Arbeitsmarkt wichtige Faktoren. Eine Rolle spielen laut IAW-Direktor Bernhard Boockmann auch politische Rahmenbedingungen wie hohe Sozialabgaben und Steuerbelastungen. 2015 dürfte sich ihm zufolge deshalb vor allem der seit Januar geltende Mindestlohn bemerkbar machen. Hinzu kämen auch das Rechtsbewusstsein der Menschen und die Frage, wie hoch das Risiko sei, aufzufliegen.

Warum spielt der Mindestlohn eine so große Rolle?

Der Mindestlohn führt bei vielen Arbeitgebern zu steigenden Kosten. Laut der gemeinsamen Studie von IAW und Universität Linz sind in den klassischen Schwarzarbeits-Branchen Lohnsteigerungen von insgesamt 7 Milliarden Euro nötig, um die Mindestlohn-Regelungen einzuhalten. Gerade Branchen mit ohnehin viel Schwarzarbeit sind demnach davon betroffen. Gewerkschaften haben bereits vor Schummeleien gewarnt.

In welchen Wirtschaftszweigen ist Schwarzarbeit besonders verbreitet?

Experte Boockmann nennt Gaststätten, Hotels sowie die Landwirtschaft und Dienstleistungen im Haushalt. Auch in der Bauwirtschaft werde häufig am Fiskus vorbei verdient. Dort gibt es den Mindestlohn zwar schon länger - der Gewerkschaft IG Bau zufolge gibt es aber nach wie vor auch viel kriminelle Energie.

Ist auch Unkenntnis ein Grund für Schwarzarbeit?

„Haushalte, die Schwarzarbeiter beschäftigen, wissen in der Regel, was sie tun“, sagt Boockmann. Ausnahmen gebe es möglicherweise, wenn kein Geld fließe. „Aber auch ein nachhaltig ausgeübter Tausch von Leistungen - etwa wenn der eine dem Sohn regelmäßig Nachhilfe gibt und der andere ihm dafür auf dem Bau hilft - kann Schwarzarbeit sein.“

Wie kann man gegensteuern?

Neben gesetzlichen Änderungen sowie Strafen sind Kontrollen ein Mittel. Für die Überwachung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung ist der Zoll zuständig. Um die Einhaltung des Mindestlohns zu prüfen, soll das Personal um 1600 Stellen aufgestockt werden. Fachleute sind aber skeptisch, ob das reicht. „Unsere Analysen zu den schon bisher existierenden branchenspezifischen Mindestlöhnen zeigen, dass der Zoll Schwierigkeiten haben wird, die Einhaltung des Mindestlohns wirklich flächendeckend zu prüfen“, sagt Boockmann. „Wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Mindestlohn umgehen wollen, finden sie auch einen Weg.“

Wie geht es in den kommenden Jahren weiter?

Hochrechnungen dazu gibt es noch nicht. IAW-Direktor Boockmann sieht aber keine Hinweise auf eine Trendwende. „Wir sehen wenige Impulse, die auf einen Rückgang der Schattenwirtschaft hindeuten“, sagt er. Beim Mindestlohn gelten bis 2017 Übergangsfristen - so dass sich die dadurch befeuerte Schwarzarbeit sogar noch verstärken könnte.

„Die aktuelle Entwicklung ist auch durch den Mindestlohn bedingt“, erklärte IAW-Direktor Bernhard Boockmann. Für sich genommen hätten die robuste Konjunktur und Lage auf dem Arbeitsmarkt laut der Prognose für einen Rückgang der Schattenwirtschaft gesorgt. Mit dem Begriff werden sowohl Schwarzarbeit als auch illegale Beschäftigung und kriminelle Aktivitäten wie Hehlerei und Betrug bezeichnet.

Nach Schätzung der Experten dürfte tatsächlich aber nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Minimallohns durch Schwarzarbeit umgangen werden. Denn die notwendigen Lohnsteigerungen in den dafür typischen Branchen liegen den Fachleuten zufolge insgesamt bei etwa 7 Milliarden Euro. Der erwartete Anstieg der Schattenwirtschaft von 1,5 Milliarden Euro durch den Mindestlohn ist wesentlich geringer.

Schwarz gearbeitet wird demnach besonders häufig in Gaststätten, Hotels sowie Teilen der Bauwirtschaft. Auch bei persönlichen Dienstleistungen und in der Landwirtschaft werde in Deutschland vergleichsweise häufig am Fiskus vorbei verdient, hieß es.

Mit Blick auf andere Länder steht die Bundesrepublik aber nicht schlecht da: Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen, liegt Deutschland mit seiner Schattenwirtschaft im Mittelfeld – ähnlich wie Frankreich und skandinavische Länder.

Düsterer sieht es in den Krisenländern Griechenland, Italien, Portugal und Spanien aus. Hier liegt der Anteil der Schattenwirtschaft am BIP zwischen 18 und 22 Prozent.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Peter Spiegel

03.02.2015, 11:29 Uhr

Ich hab im Leben viel mit Handwerk zu tun gehabt.
Für 8,50 arbeitet da keiner (nicht Frisör also Auto u.s.w.).

Herr Billyjo Zanker

03.02.2015, 11:31 Uhr

Wer hat denn etwas anderes erwartet? Die Sozen und Geld, paßt zusammen wie Feuer uind Wasser.

Herr D. Dino54

03.02.2015, 15:49 Uhr

"Laut einer aktuellen Studie........"

Die meisten Unternehmen haben noch nicht mal den Monatsabschluß Januar erledigt und IHR, die Medien wollt mir etwas unterjubeln, was nicht sein kann !

Durchsichtig, schade immer noch nichts verstanden, liebe Medien !

Bekloppte Welt ! Kann man auch Dekadenz nennen !

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