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13.12.2011

18:12 Uhr

Schweiz

Währungshüter halten weiter still

Trotz sinkender Verbraucherpreise und einer drohenden milden Rezession dürfte die Schweizerische Nationalbank weiter an ihrem geldpolitischen Kurs festhalten. Die Wirtschaft wird auch durch den starken Franken geschwächt.

An dem im September eingeführten Euro-Mindestkurs wird die SNB nach Ansicht von Experten nicht rütteln. AFP

An dem im September eingeführten Euro-Mindestkurs wird die SNB nach Ansicht von Experten nicht rütteln.

ZürichTrotz einer drohenden milden Rezession und sinkender Verbraucherpreise in der Schweiz dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) an ihrem bisherigen geldpolitischen Kurs festhalten. Auch an dem im September eingeführten Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken wird die SNB nach Ansicht von Experten nicht rütteln, wenn sie am Donnerstag ihre neue geldpolitische Lagebeurteilung vorlegt. Ihren bereits bei Null liegenden Leitzins Dreimonats-Libor kann sie nicht weiter senken.

Die Schweizer Wirtschaft leidet nicht nur am starken Franken sondern auch unter der ebenfalls von der Euro-Schuldenkrise verursachten Konjunkturabschwächung in Europa. Die Exporte gingen zurück, und im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gerade noch um 0,2 Prozent. Die Expertenkommission des Bundes rechnet im kommenden Jahr mit „einer Konjunkturdelle“, die möglicherweise in einzelnen Quartalen mit einer Schrumpfung der Wirtschaftleistung einhergehen könne. „Wir werden eine Rezession leider nicht vermeiden können“, ist dagegen Janwillem Acket, der Chefvolkswirt der Bank Julius Bär überzeugt. Dazu kommen sinkende Preise. Die Expertenkommission rechnet für das kommende Jahr mit einem Rückgang der Verbraucherpreise um 0,3 Prozent.

SNB schaut auf Eurozone

Der Euro notiert zurzeit bei Kursen um 1,2350 Franken. Das ist nach Ansicht der SNB und praktisch aller Konjunkturexperten immer noch viel zu tief. Der Franken ist massiv überbewertet. Den fairen Wert es Euro setzen Experten zwischen 1,30 und 1,40 Franken an. Das belastet die Exportindustrie, deren Produkte im Ausland teuer geworden sind. Im Inland drücken billiger gewordene Importgüter auf die Preise und deflationäre Tendenzen sind nicht auszuschließen.

Das Schlimme an Deflation ist, dass die Verbraucher Anschaffungen verschieben, da sie mit weiter sinkenden Preisen rechnen. Auf die Deflationsgefahr wird die SNB auch am Donnerstag wieder hinweisen. Und sie werde ihre Bereitschaft betonen, wenn nötig auch mit drastischen Maßnahmen gegen einen Preisverfall vorzugehen, sagen Experten.

Ein höherer Euro-Mindestkurs von 1,25 oder 1,30 Franken würde die Probleme entschärfen, birgt aber Risiken. Je höher der Mindestkurs ist, umso größer ist die Gefahr, dass der Devisenmarkt dagegen wettet. Dann müsste die SNB, so der Bär-Experte Acket, massiv Geld drucken und Euro kaufen. Die Devisenbestände der SNB würden steigen.

Das würde nach Ansicht des VP-Bank-Chefvolkswirts Jörg Zeuner das Verlustpotential für den Fall erhöhen, dass der Mindestkurs unter dem Druck der Märkte am Ende doch nicht gehalten werden könnte. Schließlich fiel der Euro diesen Sommer schon einmal bis auf einen Franken. Die Konjunktur in der Schweiz sei noch nicht so angeschlagen, dass die SNB schon jetzt zu einer Erhöhung des Euro-Mindestkurses greifen würde, sagte Zeuner.

„Die SNB hat nur die Möglichkeit, mit verbalen Interventionen den Franken runterzureden. Sie hat alle ihre Mittel bereits eingesetzt“, sagte Acket. „Es ist Geduld gefragt.“ Ohnehin müsse die SNB ihr Pulver trocken halten, falls sich die Euro-Schuldenkrise wieder verschärft und eine neue Flucht in den Franken einsetzt. Dann hätte die SNB alle Hände voll zu tun, die 1,20-Franken-Marke zu verteidigen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Pro-D

13.12.2011, 21:10 Uhr

Was ist denn das???

Viele hier beschwöhren doch immer die Unabhängigkeit der Schweiz und dass dort imemr noch der Franken gibt und es keinen EU-Beitritt gibt.

Und nun auf einmal sieht es so aus, dass die CH auf Gedeih und Verderb an der Wirtschaft der EU hängt. Und der Franken ist auch an den € gekoppelt. Ist es wohl doch nicht so weit her mit der Unabhängigkeit der CH.

Muss die EU / der € ja wohl doch net so ein arger Mist sein, wenn selbst sich die schlauen Schweizer sich so eng an uns angekoppelt haben.

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