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02.12.2016

15:08 Uhr

Schweiz

Wirtschaft stagniert im Sommer

Zwei Jahre nach dem „Frankenschock“ erlebt die Schweiz erneut eine böse Überraschung: Die Schweizer Wirtschaft ist im Sommer nicht weiter gewachsen. Ökonomen bemühen sich, die Stagnation zum „Ausrutscher“ zu erklären.

Das Schweizer BIP lag im dritten Quartal überraschend nur auf dem Niveau des Vormonats. dpa

Die Schweiz stagniert

Das Schweizer BIP lag im dritten Quartal überraschend nur auf dem Niveau des Vormonats.

ZürichDie Schweizer Wirtschaft hat im Sommer überraschend an Schwung verloren. Weil sich die Schweizer selbst mit Ausgaben zurückhielten und auch der Staat weniger investierte, stagnierte das Bruttoinlandprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal bei 0,0 Prozent, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mitteilte.

Für die Schweiz ist das fast zwei Jahre nach dem „Frankenschock“ ein herber Rückschlag: In den beiden Vorquartalen war die Konjunktur noch um 0,6 und 0,3 Prozent gewachsen, weil sich viele Unternehmen von der rasanten Aufwertung der Landeswährung Anfang 2015 erholt hatten. Damals hatte die Notenbank SNB überraschend den Mindestkurs zum Euro aufgegeben. Der Franken hatte daraufhin zur wichtigsten Exportwährung deutlich an Wert gewonnen, was Schweizer Waren im Ausland teurer machte und die Exporte bremste.

Ökonomen gaben sich trotz der Delle im Sommer optimistisch. „Ich erachte diese schwarze Null eher als eine Art Ausrutscher“, sagte der stellvertretende Seco-Direktor Eric Scheidegger. Für das Gesamtjahr hatte das Seco zuletzt ein BIP-Wachstum von 1,5 Prozent erwartet. Auch das Beratungsunternehmen BAKBasel sprach von einem "vorübergehenden Taucher" und die Experten der VP Bank verwiesen auf die jüngsten Konjunkturdaten, die auf eine gute Entwicklung der Wirtschaft hindeuten.

Die Schweizer Wirtschaft, Deutschland und die EU

Reger Warenaustausch

Zwischen der Schweiz und der EU besteht ein reger Warenaustausch. Die Schweiz exportierte 2013 nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWI) Waren im Wert von rund 90 Milliarden Euro (54,9 Prozent der Ausfuhren) in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Importe

Importiert wurden aus den Mitgliedstaaten der EU Waren im Wert von rund 108 Milliarden Euro (74,4 Prozent der gesamten Einfuhren).

Viertwichtigster Handelspartner

Die Schweiz ist viertwichtigster Handelspartner der EU nach USA, China und Russland. Exportiert werden Pharmazeutika, Industriemaschinen, Präzisionsinstrumente, Uhren.

Deutschland

Deutschland ist laut BMWI Zielland für rund ein Drittel der schweizerischen Exporte. Knapp ein Fünftel der schweizerischen Importe stammen aus Deutschland. Deutschland ist somit der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner der Schweiz.

Wichtige Handelsbeziehungen

Aber auch für Deutschland sind die Handelsbeziehungen zur Schweiz von „enormer“ Bedeutung, schreibt das BMWI auf seiner Webseite. Die Schweiz nimmt demnach in der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner den 8. Rang sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen ein.

Mehr deutsche Produkte

2012 hatte die vergleichsweise kleine Schweiz (acht Millionen Einwohner) wertmäßig mehr deutsche Produkte eingeführt als beispielsweise Russland (142 Millionen Einwohner), Japan (127 Millionen Einwohner) oder Polen (38 Millionen Einwohner).

Deutsche in der Schweiz

290.000 Deutsche leben und arbeiten laut BMWI in der Schweiz. Deutsche bilden damit nur noch knapp nach Italienern (15,9 Prozent) die zweitstärkste Ausländergruppe (15,2 Prozent).

In der Schweizer Industrie war die Stimmung im November etwa so gut wie seit Anfang 2014 nicht mehr, wie der jüngst veröffentlichte Einkaufsmanagerindex zeigte. Manche Sektoren - etwa die Elektrobranche, Metallverarbeiter und Maschinenbauer - hatten besonders unter dem Frankenschock gelitten. Doch insgesamt scheint sich die Industrie zu erholen: Der Auftragseingang legte im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,6 Prozent zu. Im zweiten Quartal war er noch um 4,7 Prozent geschrumpft.

Schweizer Dienstleistungen waren im Ausland zuletzt hingegen weniger gefragt, wie die BIP-Statistik zeigt: Das betrifft insbesondere die in der Alpenrepublik wichtige Tourismusbranche sowie das Auslandsgeschäft der Schweizer Banken, die zu den größten Vermögensverwaltern der Welt zählen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

02.12.2016, 15:30 Uhr

Schon interessant: ursprünglich gab es da einen Ökonomen-Zunft, die der Schweiz eine harte Rezession vorausgesagt hatten für den Fall, dass die eigene Währung massiv aufwertet. (Das wird Deutschland auch immer noch als angeblicher Euro-Vorteil dargestellt). Als der Schock dann eintrat, wuchs die Schweiz weiter und hat jetzt als Ausrutscher mal ein 0-Wachstum.

Ich nehme nicht an, dass die Damen und Herren ihre Theorien updaten? Das wäre ja zuviel verlangt und ist in postfaktischen Zeiten auch nicht nötig....

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